Asieatische Länder auf einem Globus, umgeben von Charts und Zahlen

Märkte unter Druck Das Asien-Risiko im Depot

Stand: 19.09.2018, 14:42 Uhr

Viele Anleger sind über ETFs oder Fonds in Asien investiert. Doch die meisten Börsen der Region sind seit Jahresbeginn schlecht gelaufen, haben Verluste angehäuft. Kommt es noch schlimmer oder ist Besserung in Sicht?

Die neue Runde von gegenseitigen Strafzöllen im Handelsstreit zwischen den USA und China hat die Anleger an den asiatischen Börsen heute nicht beeindruckt. Der Tokioter Nikkei-Index steigt zeitweise auf ein Acht-Monats-Hoch von 23.842,05 Punkten und liegt zum Handelsschluss 1,2 Prozent im Plus bei 23.704,37 Zählern.

Die Börse Shanghai gewann 1,1 Prozent. "Es herrscht Erleichterung, dass die anfänglichen US-Zölle auf chinesische Importe bei zehn statt der erwarteten 25 Prozent liegen", sagte Anlagestratege Masahiro Ichikawa vom Vermögensverwalter Sumitomo Mitsui. "Einige sehen dies als Geste, um Zeit für weitere Verhandlungen zu gewinnen." Außerdem wolle die Regierung in Peking die möglichen Beeinträchtigungen des Wachstums durch die Strafzölle mit Hilfe eines Konjunkturprogramms lindern, betont seine Kollegin Hannah Anderson von der Vermögensverwaltung der US-Bank JPMorgan.

Kurstafel in Hangzhou City, China - Fallende Kurse werden in Asien grün dargestellt

Kurstafel in Hangzhou City, China. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Bis zu 19 Prozent eingebrochen

Trotzdem sind die Börsen in vielen asiatischen Ländern - mit Ausnahme Japans - in diesem Jahr miserabel gelaufen. Einer der wichtigsten Aktienindizes der Region, der MSCI Asia, ist seit Jahresbeginn um 6,2 Prozent gesunken. Auch die Kurse an den Börsen in Hong Kong und Korea weisen seit Monaten nach unten. So hat der Leitindex in Seoul in diesem Jahr fast zehn Prozent eingebüßt.

Der Hong Konger Leitindex Hang Seng leidet unter dem Einbruch von Tencent, des chinesischen Facebook-Rivalen. Die Aktie hat seit Jahresbeginn ein Viertel an Wert verloren. Noch schlimmer sieht es in Indonesien und auf den Philippinen aus. Die dortigen Börsen sind seit Januar um respektive 18,4 und 19,1 Prozent eingebrochen.

Vom Handelskonflikt erwischt

Gründe für die schlechte Performance gibt es mehrere. "Die asiatischen Börsen sind vom eskalierenden Zollkonflikt zwischen China und den USA voll erwischt worden", sagt Nader Naeimi von AMP Capital Investors. Sollte sich der Streit zu einem handfesten Handelskrieg ausweiten, dürfte es mit den Börsen in der Region Asien-Pazifik noch weiter in den Keller gehen. Dabei komme es entscheidend auf die amerikanischen Zwischenwahlen (mid-term elections) am 6. November an. Egal wie das Ergebnis aussieht: Danach dürften sich die Beziehungen zwischen China und den USA wieder etwas entspannen.

Als Belastung für die asiatischen Börsen hat sich zudem die Aufwertung des Dollar um bis zu zehn Prozent zu den Währungen der Schwellenländer wie Indonesien oder den Philippinen erwiesen. Daran dürfte sich zunächst auch nichts ändern. Im Gegenteil. Sollte die amerikanische Notenbank Fed weiter an der Zinsschraube drehen - wovon auszugehen ist - wird noch mehr Geld aus der Region abfließen, befürchten Experten. Die Schwellenländer könnten zwar dagegen halten und ihrerseits die Leitzinsen anheben, doch riskierten sie damit, ihre eigene Wirtschaft abzuwürgen.

Jakarta Indonesien

Jakarta, Indonesien. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Öl ins Feuer gießen auch all jene Fachleute, die vor einer Abkühlung der chinesischen Wirtschaft warnen. Ein solches, schon seit längerem befürchtetes Szenario bekämen die Nachbarstaaten aufgrund der engen Verflechtungen als erste zu spüren, warnt Jonathan Garner, Manager bei Morgan Stanley. Derzeit wächst das Land aber noch um 6,7 Prozent.

Licht am Ende des Tunnels?

Es gibt deshalb auch ganz andere Stimmen. So halten die Experten der Citigroup die Aktien vieler asiatischer Börsen inzwischen für unterbewertet und überverkauft. "Ich glaube, der Rückgang ist näher an seiner Endphase als an seinem Anfang", betont Ökonom Ken Peng. Angesichts der globalen Risiken, besonders im Hinblick auf den amerikanischen Aktienmarkt, sei es aber noch zu früh, um die günstigen Kurse zum Einstieg zu nutzen. "Wir sehen zwar das Licht am Ende des Tunnels, stehen selbst aber noch in der Dunkelheit."

So sehen das auch die Marktstrategen der DBS Bank. Sie wollen erst noch die Entwicklung im laufenden Quartal abwarten. "Sollte die Korrektur bis dahin weitergehen, werden asiatische Aktien so attraktiv bewertet sein, dass sich ein Einstieg lohnen könnte", urteilt Experte Jason Low.

lg