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6,4 Prozent Wachstum im ersten Quartal Chinas Wirtschaft nimmt Fahrt auf

Stand: 17.04.2019, 10:14 Uhr

Die Angst vor einer Eintrübung der chinesischen Konjunktur war wohl doch etwas übertrieben. Im ersten Quartal ist die Wirtschaft im Reich der Mitte nach offiziellen Angaben stärker gewachsen als erwartet.

Gute Nachricht für die China-abhängige deutsche Wirtschaft: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt legte im ersten Quartal um 6,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Das teilte das Statistikamt am Mittwoch in Peking mit. Das Wachstum zeigt sich damit im Vergleich zum letzten Quartal des vergangenen Jahres überraschend stabil. Experten hatten in den ersten drei Monaten dieses Jahres wegen der negativen Auswirkungen des Handelskrieges mit den USA und anderer Unsicherheiten ein langsameres Wachstum von 6,3 Prozent erwartet.

Industrieproduktion und Konsum als Wachstumstreiber

Offenbar zeigen die Steuersenkungen und andere Maßnahmen der chinesischen Regierung zur Ankurbelung der Wirtschaft ihre Wirkung. So stieg die Industrieproduktion im ersten Quartal um 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Januar und Februar hatte die Produktion nur um 5,3 Prozent zugelegt.

Besonders der Binnen-Konsum wird immer mehr zum Konjunkturtreiber. Die Einzelhandelsumsätze zogen im ersten Quartal überraschend deutlich um 8,3 Prozent an.

"Wirtschaft geht es besser"

"Der Wirtschaft geht es besser", sagte die unabhängige chinesische Expertin Ye Tan. "Die Börse und der Immobilienmarkt entwickeln sich gut. Hinzu kommt die lockere Geldpolitik. All diese Maßnahmen kurbeln den Konsum an." Die Aussichten seien nicht schlecht: "Es gibt keine Anzeichen, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung dieses Jahr verschlechtert." Andere Experten warnten jedoch, es sei zu früh, von einer Trendwende zu sprechen.

Die Regierung in Peking strebt in diesem Jahr eine Zuwachsrate von 6,0 bis 6,5 Prozent an. Das wäre freilich das langsamste Wachstum seit rund drei Jahrzehnten. "Wir werden uns an ein deutlich langsameres Wachstumstempo im Reich der Mitte gewöhnen müssen", sagte Analyst Thomas Altmann von QC Partners.

Vor kurzem hatte der Währungsfonds (IWF) seine Vorhersage für China in diesem Jahr von 6,2 auf 6,3 Prozent nach oben korrigiert hatte. Die Organisation der Industrieländer (OECD) warnte jedoch, dass die Konjunkturmaßnahmen zwar kurzfristig das Wachstum in China voranbringen, aber langfristig die Bemühungen untergraben, die hohe Schuldenlast zu reduzieren und strukturelle Verzerrungen zu korrigieren.

Wie lange bremst der Handelsstreit mit den USA noch?

Wie sich die Konjunktur in China weiter entwickelt, hängt unter anderem vom Handelskonflikt mit den USA ab. Ein Scheitern der laufenden Gespräche und eine folgende neue Eskalation der Sonderzölle dürften schwere negative Auswirkungen haben, warnte die OECD. Darunter hätte auch die Weltwirtschaft noch weiter zu leiden, da China zu einem Viertel zum globalen Wachstum beitrage. Sollte es keine Einigung in den andauernden Handelsgesprächen geben, drohen neue Strafmaßnahmen. Die amerikanischen Sonderzölle auf Importe aus China im Umfang von 200 Milliarden US-Dollar könnten dann von derzeit 10 auf 25 Prozent erhöht werden

Die beiden größten Volkswirtschaften haben sich seit vergangenem Jahr gegenseitig mit Sonderzöllen überzogen. Inzwischen ist rund die Hälfte aller US-Einfuhren aus China mit zusätzlichen Zöllen belastet. Die USA wollen eine Verringerung des US-Handelsdefizits und fordern besseren Marktzugang, wirksameren Schutz gegen Produktpiraterie und zwangsweisen Technologietransfer. Auch stoßen sich die USA an staatlicher Förderung chinesischer Firmen, was den Markt verzerrt.

nb