Unzählige Yuan-Geldbündel

Rigorose Markteingriffe Chinas Kampf gegen die Kapitalflucht

Stand: 18.10.2017, 08:15 Uhr

Im Dezember des vergangenen Jahres hatte die chinesische Staatsführung beschlossen, den Abfluss heimischen Kapitals einzudämmen. Die Maßnahmen sind bislang recht erfolgreich. Was bezweckt Chinas Staatsführung damit?

Im Jahr 2016 erreichten die ausländischen Übernahmen chinesischer Unternehmen den Rekordwert von 221 Milliarden Dollar. Im ersten Halbjahr 2017 waren es nur noch gut 64 Milliarden Dollar. Seit 2016 kontrolliert Peking Geldflüsse über mehr als zehn Milliarden Dollar ins Ausland scharf. Auch alle grenzüberschreitenden Transaktionen von mehr als fünf Millionen Dollar benötigen eine Genehmigung. Im Dezember 2016 warnte die Regierung vor „irrationalen Tendenzen bei Auslandsinvestitionen“.

Deals platzen

Wanda Group-Chef Wang Jianlin

Wanda Group-Chef Wang Jianlin. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die verstärkte Aufmerksamkeit der Behörden hat Folgen für chinesische Konzerne. Der Immobilienkonzern Dalian Wanda sagte im August den geplanten Kauf des Londoner Nine Elms Square wegen schärferer Kontrollen ab. Und unlängst teilte die Aufsichtsbehörde CIRC mit, dass künftig Auslandsinvestitionen und Kapitalbewegungen von Versicherungsfonds stärker beobachtet würden.

Zudem würden die Konzerne angehalten, ihre Risikoüberwachungssysteme zu verbessern und Immobilieninvestitionen selbst zu überprüfen. Es werde weiterhin streng kontrolliert, inwieweit Gelder in den Immobilienmarkt flössen. Im Fokus stünden daneben Käufe im Ausland und bestimmte Geschäfte an den Aktienmärkten.

Ein Warnsignal?

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Dass die verstärkte Kontrolle etwas mit der hohen Unternehmensverschuldung in China zu tun hat, ist zumindest nicht ausgeschlossen. Vor allem aber möchte Peking dafür sorgen, dass die hohen chinesischen Devisenreserven nicht weiter schrumpfen, da sie im Krisenfall eine wichtige Sicherheit gegen Verwerfungen an den Finanzmärkten bieten könnten. Und: Um den drohenden Handelskrieg mit den USA nicht anzuheizen, ist China nicht an einer extrem schwachen Währung infolge der Abflüsse interessiert.

Möchte Peking außerdem verhindern, dass Chinesen ihr Geld im Ausland aus Angst vor einer Wirtschaftskrise in Sicherheit bringen? In diesem Zusammenhang dürfte jedenfalls das jüngste Verbot von Bitcoin-Börsen in China zu betrachten sein, denn digitale Währungen sind wegen mangelnder Regulierung ein beliebtes Mittel, um Kapitalkontrollen zu umgehen.