Shanghai Stock Exchange

Neues Börsensegment in Shanghai Chinas Antwort auf die Nasdaq startet furios

von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Stand: 22.07.2019, 12:05 Uhr

Im "Star Market" in Shanghai werden seit heute vor allem Hightech-Werte gehandelt. Der erste Handelstag verlief erfolgreich.

Mit einem Countdown und zwei Schlägen auf einen traditionellen chinesischen Gong begann am Vormittag der Handel auf dem so genannten „Star Market“.

Danach versammelten sich Unternehmer, Börsen-Manager und Politiker – fast ausschließlich Männer – auf der Bühne. Sie strahlten um die Wette. Und tatsächlich können alle Beteiligten zufrieden sein: Die 25 neu gelisteten Startups konnten am ersten Handelstag gut fünf Milliarden Euro einsammeln.

Kursgewinne von 400 Prozent und mehr

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg überstieg die Nachfrage von Privatanlegern nach den neuen Aktien das Angebot um das 1.800-Fache. Entsprechend gingen die Kurse der Firmen sofort nach Handelsbeginn allesamt durch die Decke, zum Teil zeigte die Kurstafel Gewinne von 400 Prozent und mehr an.

Gelistet sind am Star Market Firmen aus mehreren Hightech-Branchen: Biotech, Künstliche-Intelligenz-Forschung, Laser-Technologie und Computerchip-Herstellung etwa. Das neue Börsensegment soll den Firmen dabei helfen, schneller zu wachsen und profitabel zu werden. Es geht um chinesische Unternehmen, die noch relativ klein sind, aber nach Ansicht von Analysten großes Potenzial haben.

Der Shanghaier „Star Market“ soll Chinas Technologie-Branche also finanziell kräftig anschieben. Zum Beispiel die Flugzeug-Technologie-Firma Meibang aus der Provinz Henan. Vorstandsmitglied Sun Dashuai sagte dem staatlichen Sender CCTV: „Als Unternehmen mit wissenschaftlichem und innovativen Ansatz wollen wir schnell agieren und können nicht erst warten, bis wir profitabel sind.“

Internationale Analysten zweifeln

Ob alle der Firmen wirklich eine Zukunft haben, ob sie alle überleben werden und ob vor allem die teilweise hohen Bewertungen der Aktien wirklich Sinn ergeben, kann nach dem ersten Handelstag noch nicht gesagt werden. Viele internationale Analysten zweifeln. Die bisherigen chinesischen Börsenplätze haben in den vergangenen Jahren vor allem zahlreiche Skandale verursacht. Das hat häufig für Kurseinbrüche und Verluste bei Anlegern gesorgt.

Mit dem neuen „Star Market“ werde sich das ändern, betont Yi Huiman, Leiter der Börsenaufsichtsbehörde im staatlichen Fernsehen. „Es geht hier nicht einfach nur um den Börsenhandel. Viel wichtiger: Wir stärken Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft im Börsenhandel.“ Man werde die Erfahrungen des neuen Börsensegments nutzen, der „Star Market“ könne auch anderen chinesischen Börsensegmenten als Vorbild dienen, sagte Chinas oberster Börsenaufseher.

Mit westlichen Börsenplätzen in Frankfurt, Tokio, Singapur oder New York lässt sich der „Star Market“ in Shanghai aber dennoch nicht vergleichen: In China hat nach wie vor der Staat das letzte Wort, wenn es um Wirtschaft geht. Konsequenterweise war es auch der Staat selbst, der das neue Börsensegment auf den Weg gebracht hat. Im November vergangenen Jahres ordnete Staats- und Parteichef Xi Jinping das Ganze an.