Krypto-Währung in China

China Kryptowährung als Waffe im Handelskrieg

Stand: 30.08.2019, 06:45 Uhr

China steht offenbar kurz davor, als erstes Land der Welt eine eigene Kryptowährung einzuführen. Die Zeit drängt, denn der Handelsstreit mit den USA und der schwache Yuan treiben immer mehr chinesische Investoren in digitale Zahlungsmittel.

Digitale Währungen wie Bitcoin oder Tether haben das Potenzial, die Finanzwelt, das globale Währungssystem und die Art, wie Verbraucher ihre Finanzgeschäfte regeln, vollständig umzuwälzen. Es ist deshalb nicht überraschend, dass sich Regierungen und Zentralbanken ausgiebig mit diesem Thema befassen, die neuesten Entwicklungen scharf beobachten – und möglichst selbst eine tragende Rolle in diesem Wettlauf um die Zukunft spielen wollen.

China scheint bereit zu sein. Mu Changchun, Stellvertretender Leiter der Abteilung Zahlungsverkehr der chinesischen Zentralbank (PBOC) hatte vor einigen Tagen mitgeteilt, man stehe kurz vor der Einführung einer eigenen digitalen Währung. Gearbeitet wird daran schon seit 2014. Wie lange es noch dauern wird und welche technischen Voraussetzungen zugrunde liegen, ist noch nicht bekannt.

Mu Changun teilte immerhin mit, dass sowohl die Zentralbank als auch andere Finanzinstitutionen legitimiert seien, die Währung auszugeben. Die digitale Währung werde die Kosten der Zirkulation von Papiergeld senken und den Entscheidungsträgern die Kontrolle über die Geldversorgung erleichtern.

Unzählige Yuan-Geldbündel

Yuan. | Bildquelle: colourbox.de

Absichern gegen Wertverlust des Yuan?

Zwei Dinge dürften die Entwicklung in China befeuert haben: Zum einen der Handelsstreit mit den USA, der dafür sorgt, dass der chinesische Yuan im Vergleich zum Dollar von Tief zu Tief sackte. Er erreichte den niedrigsten Wert seit 2008. Die USA werfen Peking deshalb vor, den Kurs künstlich zu senken, um eigene Exporte günstiger zu machen. Das Stichwort lautet Währungsmanipulation.

Im Gegenzug versucht US-Präsident Donald Trump seit Monaten aggressiv, die US-Notenbank Fed zu weiteren Zinssenkungen zu bewegen. Das wiederum würde den Dollar schwächen. Aus dem Handelsstreit entwickelt sich ein Währungskrieg.

Die Nebenwirkungen dürften der chinesischen Regierung nicht gefallen. Die Schwäche des Yuan treibt die Nachfrage nach Kryptowährungen an, wie Marktteilnehmer berichteten. Die Auswirkungen der US-Zölle auf die chinesische Wirtschaft und ein sinkender Yuan veranlassten einige größere Investoren, Geld in Kryptowährungen umzuschichten, sagt Andy Cheung, Leiter der bei Chinesen beliebten Plattform OKEx in Malta gegenüber Reuters.

Der Libra-Schock

Ob es sich wirklich um chinesische Investoren handelt, ist allerdings nur Spekulation, da es an belastbaren und genauen Daten mangelt. In China herrschen strenge Kapitalkontrollen um zu verhindern, dass Gelder ins Ausland transferiert werden. Im Jahr 2017 untersagte China den Handel mit Bitcoins, auch das Schürfen soll mittlerweile verboten werden. Mining sei unsicher, verletze Gesetze und Vorschriften, verschwende Ressourcen und verschmutze die Umwelt, so die offizielle Begründung.

Auch die Ankündigung Facebooks, mit Libra eine eigene digitale Währung anbieten zu wollen, hat die chinesischen Verantwortlichen und die PBOC erschreckt, meinen Experten. "Libra hat auf Basis des riesigen Facebook-Mitgliedernetzwerks das Potenzial, zu einer globalen Digitalwährung für den Mainstream zu werden", meint Markus Demary, Senior Economist für Geldpolitik und Finanzmarktökonomik beim Institut der Deutschen Wirtschaft.

Facebook Libra

Facebook Libra. | Bildquelle: picture alliance/Bildagentur-online

Nicht nur in China klingeln die Alarmglocken: "Mit der Ankündigung Libras müssen die Regierungen, Regulierungsbehörden und Zentralbanken der Welt ihre Pläne in Bezug auf digitale Währungen beschleunigen", sagt Dave Chapman, Executive Director bei der BC Technology Group, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Sie müssten laut Chapman die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass von Privatunternehmen ausgegebene Währungen das Finanzsystem dramatisch stören. Die PBOC hat bereits angekündigt, das Libra unter Zentralbankaufsicht gestellt würde. Auch die EU befasst sich mit der Kryptowährung, die G7 ebenfalls.

Digitales Wettrüsten

Dass Chinas Regierung kein Interesse daran hat, dass eine Währung wie Libra ein Erfolg wird, die von westlichen Technologiefirmen wie Facebook, Uber, PayPal und Visa, MasterCard und 23 anderen Unternehmen ausgeben wird, liegt auf der Hand. Die Herrschaft über persönliche Daten der Bürger und die Kontrolle und Überwachung des Zahlungsverkehrs möchte China ungern mit anderen teilen. China könne, wenn es den Wettlauf mit den Amerikanern und Europäern gewinne, zum Technologieführer im Zahlungsbereich aufsteigen, so Demary gegenüber dem "Handelsblatt".

Donald Trump und Xi Jinping

Donald Trump und Xi Jinping: Wer ist hier der Boss?. | Bildquelle: picture alliance/Susan Walsh/AP/dpa

Das ist Facebook auch aufgefallen. David Marcus, im Konzern mit der Digitalwährung betraut, wies in einer US-Kongressanhörung darauf hin, dass, wenn die USA nicht rechtzeitig agierten, andere den Markt kontrollieren würden, die nicht die Werte der USA teilten. Und sein Chef Mark Zuckerberg hat wiederholt die chinesische Konkurrenz als Argument für Libra angeführt: Lieber Facebook als China, oder?

Natürlich hat sich Donald Trump ebenfalls dazu geäußert: "Die einzig wahre Währung ist der Dollar", behauptet der mächtigste Mann der Welt. Die brennende Frage lautet wohl so langsam: Wie lange noch?

ts