Leere Verladedocks am Ningbo Beilun Hafen, Zhejiang, China

Weltkonjunktur China: Industrie-Gewinne fallen erstmals seit 2015

Stand: 27.12.2018, 09:32 Uhr

Die chinesische Volkswirtschaft, ein Motor der globalen Konjunktur, scheint immer mehr in Turbulenzen zu geraten. Der Handelskonflikt mit den USA hinterlässt langsam Spuren.

Die Gewinne der chinesischen Industrie sind im November erstmals seit fast drei Jahren zurückgegangen. Sie gaben um 1,8 Prozent nach, teilte das nationale Statistikamt mit. Es ist das erste Minus seit Dezember 2015. Experten begründeten die Entwicklung mit einem schwächeren Wachstum bei den Verkaufs- und Erzeugerpreisen sowie steigenden Kosten.

Ökonomen sahen darin einen weiteren Hinweis für die steigenden Risiken in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft im kommenden Jahr. Ein Großteil lässt sich auf den Handelsstreit mit den USA zurückführen, der Firmen vor Investitionen zurückschrecken lässt und das Verarbeitende Gewerbe unter Druck setzt.

Die chinesische Börse vollzog deshalb auch die positive Stimmung an den anderen Märkten nicht nach. Der CSI 300 mit den 300 wichtigsten Werten an Chinas Festlandsbörsen drehte am Donnerstag letztlich ins Minus und verlor 0,4 Prozent auf 2.990,51 Punkte.   

Industrieproduktion verliert Dynamik

Vor Weihnachten hatte bereits Daten zur Industrieproduktion sowie Einzelhandelszahlen enttäuscht: Die Industrieproduktion war im November weniger gewachsen als erwartet. Die Firmen stellten binnen Jahresfrist 5,4 Prozent mehr her, Analysten hatten allerdings einen Anstieg von 5,9 Prozent erwartet.

Auch der Einzelhandel legte weniger stark zu als erwartet. Das ist ein weiteres Warnsignal, dass die chinesische Wirtschaft an Fahrt verliert. Der Abwärtsdruck auf die globale Konjunktur nimmt offenbar zu.

Chinesische Wanderarbeiter auf einer Baustelle in Jiujiang

Chinesischer Arbeiter: Produktion verliert Dynamik. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Solides Wirtschaftswachstum angepeilt  

 Trotzdem wird China einem Berater der Zentralbank zufolge 2019 bei Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft vorsichtig sein. Der Berater Sheng Songcheng sagte dem "21st Century Business Herald", die Geldpolitik der Notenbank werde umsichtig bleiben, eine "Flutung" des Marktes mit billigem Geld werde es aber nicht geben.

Ansonsten würden Fonds wahrscheinlich verstärkt wieder in den Immobilien-Sektor investieren. Das würde zu einer weiteren Verteuerung in dem Bereich führen, in dem die Preise ohnehin schon stark angestiegen sind. Es gebe aber noch Raum für weitere Lockerungen der Reserve-Anforderungen bei Banken.

Das Land peilt für 2018 ein Wirtschaftswachstum von 6,5 Prozent an. Allerdings hat der Handelsstreit mit den USA zuletzt die Perspektiven deutlich eingetrübt.

ts/dpa/rtr