Ausblick 2018 China bleibt ein Kraftpaket

Stand: 05.12.2017, 15:28 Uhr

Wer wissen will, wie das kommende Jahr an den Finanzmärkten laufen wird, der sollte sich auch für China interessieren. Experten sind ziemlich optimistisch: Obwohl das Wachstum etwas nachlassen dürfte, stehen dem Aktienmarkt schwungvolle Zeiten bevor.

Bislang vermochte die Kraft des chinesischen Wachstums immer wieder zu überraschen. Wie in den beiden Vorjahren wuchs die chinesische Wirtschaft 2017 voraussichtlich um 6,8 Prozent. Damit übertrifft sie die Prognosen, die selbst in der Partei das Ziel nur bei 6,5 Prozent gesetzt hatten.

Für das kommende Jahr rechnen viele Experten allerdings wieder einmal damit, dass das Konjunkturtempo leicht abnimmt. Laut einer Reuters-Umfrage unter Fachleuten dürfte das Wachstum im kommenden Jahr etwa bei 6,4 Prozent liegen. Liegen die Fachleute diesmal richtig?  

Ein kontrollierter Rückgang

Die Experten von Macquarie unterstreichen, wie wichtig die Konjunktur gerade für die Legitimität der herrschenden Partei ist. "Weil sowohl die Investitionen in Infrastruktur und Immobilienmarkt zurückgehen dürften, glauben wir, dass die Politik weiterhin in Sektoren der New Economy investieren wird, das bedeutet unter anderem in Halbleiter, Flugzeuge, oder neue Energien und damit angetriebene Autos." Sie rechnen damit, dass das Wachstum von aktuellen 6,8 Prozent auf 6,1 Prozent im vierten Quartal 2018 schrumpfen dürfte – eine Art kontrollierter Rückgang.

Brückenbaustelle in Zenghzou in der Provinz Henan, China

Brückenbaustelle in Zenghzou: Gebaut wird in China immer, auch wenn die Investionen in Infrastruktur zurückgehen sollten. | Bildquelle: Imago

Auch Helaba-Analyst Patrick Franke geht von gebremstem Wachstum aus. "Für 2018 rechnen wir mit einem Wachstum von 6,5 Prozent, denn die Regierung wird wohl konjunkturpolitisch graduell den Fuß vom Gas nehmen." Die Probleme Chinas fasst Franke so zusammen: "Die Verschuldung, insbesondere der Staatsunternehmen, hat drastisch zugenommen." Chinas Gesamtverschuldung werde im Jahr 2019 rund 292 Prozent des Bruttosozialprodukts betragen, so eine Bloomberg-Umfrage unter Volkswirten. Im Jahr 2008 waren es noch 162 Prozent.

Wirtschaft im Wandel: Chinas Risiken

Laut Franke ist auch der Immobilienmarkt unverändert ein potenzielles Stabilitätsrisiko. Der Boom im Wohnungsbau sei schon lange vorbei, die Preisdynamik lasse deutlich nach. Hinzu komme noch das Dauerproblem der industriellen Überkapazitäten, der sogenannten Zombie-Firmen.

Die Fachleute von Vanguard Research fassen die Lage so zusammen: Die fortgesetzten Anstrengungen Chinas, die Wirtschaft von einer kapitalintensiven Exportökonomie zu einer mehr konsumorientierten Wirtschaft zu transformieren, bleibe ein Risiko. Mehr zum Thema Schuldenkrise in China und den Bestrebungen, die Wirtschaft zu transformieren, lesen Sie hier.

Wachstum-der-Handelsumsätze-in-China

Konsumorientierte Wirtschaft: Wachstum der Handelsumsätze in China. | Bildquelle: CEIC, BIS, Macquarie Research, Grafik: boerse.ARD.de

Zu den Downside-Risiken für China zählt Ju Yen Tan, Senior Fixed Income Portfoliomanager bei T. Rowe Price, neben einer starken Verlangsamung der Wirtschaft auf dem Rücken des scharfen finanziellen Vorgehens der Regierung auch Zinserhöhungen der Fed, die zu chinesischen Kapitalabflüssen führen könnten, sowie einen möglichen Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China.

Neuigkeiten an Chinas Aktienmarkt

Marktbericht neutral
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Börse 9.00 Uhr Überschuldungsgefahr in China

Am Aktienmarkt wird es für Investoren einige interessante Veränderungen geben. Obwohl der chinesische Aktienmarkt hinter dem US-Markt und noch vor der Eurozone nach Marktkapitalsierung der zweitgrößte der Welt ist, ist es für Privatanleger nicht leicht, direkt in chinesische Aktien zu investieren. Das empfinden viele Investoren wohl als bedauerlich.

Chinesischer Präsident Xi Jinping

Chinesischer Präsident Xi Jinping. | Bildquelle: Imago

Besonders das Investieren in chinesische Festlandswerte ist nur beschränkt möglich. Sie umfassen rund drei Viertel aller chinesischen Aktien. Beispielsweise hat der CSI 300, in dem die 300 wichtigsten Werte aus Festland-China notiert sind, in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 20 Prozent zugelegt. Der Hongkong-Index Hang Seng kletterte binnen Jahresfrist um fast 30 Prozent. Einige Experten fürchten bereits ein Heißlaufen.     

In den vergangenen Jahren war es Ausländern allerdings schrittweise vereinfacht worden, in chinesische Aktien zu investieren. Auf dem jüngsten Parteikongress hatte Chinas Präsident Xi Jingping zudem eine weitere Öffnung und Liberalisierung der Finanzmärkte angekündigt.

Was 2018 passieren wird  

Bereits im Juni 2017 hatte der Indexanbieter MSCI beschlossen, ab 2018 Festlandaktien in seine Indizes aufzunehmen – ein Schritt, der von der Finanzwelt sehr begrüßt wurde. Die Bedeutung chinesischer Aktien werde daher in den nächsten Jahren steigen, kommentierten die Analysten von Metzler.

Gutgelaunte Privat-Anleger in einem Broker-Büro in Fuyang City, Anhui, Ost-China

Aktienboom in China. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Außerdem können Anleger ab 2018 an der Frankfurter Börse in chinesische Aktien investieren. Die deutsch-chinesische Börse Ceinex will so genannte D-Shares listen lassen. Das "D" steht für das chinesische Wort "déguó", also Deutschland. Die Deutsche Börse stellt ihre Technik für Ceinex zur Verfügung und ist mit 40 Prozent am deutsch-chinesischen Gemeinschaftsunternehmen beteiligt - mehr Möglichkeiten für Anleger also, abseits von Indexfonds oder gemanagten Aktienfonds in Chinas Aktienmarkt zu investieren.

Viele Experten sind positiv gestimmt

Und wie sind die Aussichten für den Aktienmarkt? Wenn es um spannende Chancen am chinesischen Markt gehe, drehe sich alles um den steigenden Konsum im Reich der Mitte, meint Charlie Awdry, Portfoliomanager für China bei Janus Henderson.  

In den letzten Tagen haben einige US-Investmentbanken ihre Prognosen erhöht. Jonathan Garner, Marktstratege bei Morgan Stanley, erwartet, dass der Hang Seng Index Ende 2018 31.500 Punkte erreicht. Zuvor hatte Garner noch mit 29.000 Punkten gerechnet. Den CSI 300 sieht er bei 4.500 Zählern. Aktuell liegt der Index knapp über 4.000 Punkten. Die Fachleute von Goldman Sachs sind für den Hang Seng noch optimistischer. Sie prognostizieren einen Rekord bei 32.000 Punkten zum Jahresende 2018. Haupttreiber: Der New-Economy-Sektor.

ts