Chinesischer Börsianer vor Kurstafel hält sich die Hand vors Gesicht

Chinesische Bullen wieder eingefangen Chinas Aktienmarkt: Warnschuss der Partei?

Stand: 11.03.2019, 10:12 Uhr

Die Hoffnung auf Entspannung im US-Handelsstreit sorgte seit Wochen für einen veritablen Aufschwung an Chinas Börsen. Am Freitag folgte ein ziemlicher jäher Sturz. Experten meinen, Chinas Regierung will verhindern, dass der Markt weiter heiß läuft.

Seit Jahresbeginn hat der SSE Composite, der Leitindex der Shanghaier Börse, rund 25 Prozent zugelegt. Der Abwärtstrend seit Anfang 2018 scheint gebrochen, der Hunger der Chinesen auf Aktien groß. Insbesondere weil in den vergangenen Wochen an den Märkten die Einschätzung vorherrschte, die Beilegung des Handelsstreits mit den USA sei nur noch eine Frage der Zeit.

Aktuelle Aussagen vom Wochenende über die derzeitigen Verhandlungen zwischen China und USA deuten darauf hin: „Die Gespräche haben substanzielle Fortschritte in einigen wichtigen Fragen gemacht“, sagte der Vizehandelsminister Wang Shouwen am Samstag. Der Wirtschaftsberater des US-Präsidenten Donald Trump, Larry Kudlow, äußerte sich ebenfalls optimistisch und hält eine Einigung bis April für möglich. "Ich glaube, wir machen große Fortschritte", sagte Kudlow.

Shanghai Composite: März 2018 bis März 2019

Shanghai Composite. | Bildquelle: boerse.ARD.de

Die Regierung will die Konjunktur stützen   

Hinzu kommt, dass die anhaltenden chinesischen Konjunktursorgen die Hoffnung auf stützende Maßnahmen der Regierung schüren. Im Jahr 2018 fiel Chinas reales Wachstum auf 6,6 Prozent, das niedrigste Wachstum seit 1990. Die Unwägbarkeiten durch den Handelskrieg mit den USA setzen der zweitgrößten Volkswirtschaft zunehmend heftiger zu. Chinas Ausfuhren insgesamt gingen im Februar überraschend deutlich um 20,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück. Die Importe verringerten sich um 5,2 Prozent.

Die jüngsten Aktivitätsdaten mit ihrer nachlassenden Wachstumsdynamik dürften weiter Druck auf die Regierung beziehungsweise Notenbank ausüben, um fiskalisch als auch monetär die chinesische Konjunktur zu unterstützen, meinen die Fachleute von Allianz Global Investor.

Am Wochenende hatte die chinesische Notenbank Schritte zur Ankurbelung der Kreditvergabe angekündigt. Die Regierung will zudem mit zusätzlichen Infrastruktur-Investitionen gegen die aktuelle Konjunkturschwäche ankämpfen. Der Leitindex der Börse Shanghai stieg daraufhin am Montag um 1,9 Prozent auf 3.026 Punkte.

Donald Trump und Xi Jinping

Donald Trump und Xi Jinping. | Bildquelle: Imago

Ein Weckruf zum Wochenende

Dass Anleger gleichwohl Vorsicht walten lassen sollten, zeigen die Kursverluste vom vergangenen Freitag, als der SSE Composite um mehr als vier Prozent einknickte. Der größte chinesische staatliche Wertpapierhändler hatte seinen Kunden geraten, Aktien eines staatlichen Versicherungskonzerns zu verkaufen.

„So etwas passiert in China nicht ohne Zustimmung der Partei“, kommentiert Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. „Die Verkaufsempfehlung wertete der Markt daher als Zeichen, dass Peking die heiß gelaufenen Börsen abkühlen möchte. Solange Unklarheit herrscht, ob Peking noch stärker am Markt intervenieren will, rate ich Anlegern zur Vorsicht.“

Shanghai Stock Exchange

Shanghai Stock Exchange. | Bildquelle: Imago

Es sei Zeit, dass die Aktienrally eine Pause mache, staatliche Regulatoren seien besorgt über einen Markt, der fanatisch wächst, meint ein chinesischer Analyst. Die Autoritäten wünschten einen aktiven Markt, keinen überaktiven, so der Fachmann.

Anleger, die in chinesische Aktien investieren wollen, müssen sich also darüber im Klaren sein, welche überragende Rolle die „Autoritäten“ in China spielen. Es genügt nicht, sich mit den Unternehmen zu  befassen, man muss sich auch in die Befindlichkeiten und Einschätzungen der Partei einfühlen.

ts