Ausblick 2018: Japan

Ausblick Japan Der Nikkei lässt die Muskeln spielen

Stand: 16.01.2018, 13:22 Uhr

Japanische Aktien stehen hoch im Kurs: Der Nikkei hat wieder ein Niveau erreicht, an das sich nur noch die wirklich älteren Semester erinnern können. Wird es in diesem Jahr weiterhin so rasant nach vorne gehen?

Im vergangenen Jahr legte der Nikkei um 19,1 Prozent zu. Damit übertraf er den Dax recht deutlich, der es im vergangenen Jahr auf 12,5 Prozent brachte. An der Wall Street rückte der Dow Jones immerhin um etwa 25 Prozent vor. Aber das war gestern. Der Nikkei notiert derzeit nur noch knapp unter 24.000 Punkten. Das ist der höchste Stand seit 1991. Ist das  japanische Potenzial damit langsam ausgereizt?

Aktuell ist der niedrige Yen-Kurs sozusagen das Pfund, mit dem Japan wuchern kann. Schließlich ist die dortige Wirtschaft wie die deutsche in besonderer Weise vom Export abhängig. Ein niedrigerer Yen-Kurs macht es japanischen Firmen leichter, ihre Waren im Ausland zu verkaufen. Steht Japans Aktienmarkt damit vor dem siebten Gewinnjahr in Folge?

US-Dollar in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
112,52
Differenz relativ
+0,01%
Euro in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
132,19
Differenz relativ
+0,02%
Nikkei 225: Kursverlauf am Börsenplatz Tokio SE für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
23.869,93
Differenz relativ
+0,82%

„Japan ist attraktiv bewertet“

Zunächst ist deshalb das globale Wachstum gefragt. Nach Ansicht vieler Experten wird die Weltwirtschaft auch im laufenden Jahr boomen. Eine wesentliche Grundvoraussetzung für Japans Stärke sollte damit gegeben sein.

Diese Ansicht vertritt auch Peter Harrison, Group Chief Executive bei Schroders: „Die Bewertungen sind nahezu überall sehr hoch und werden von der niedrigen Inflation sowie den besonders niedrigen Zinsen gestützt. Einer der wenigen attraktiv bewerteten Aktienmärkte ist Japan. Sowohl in Japan als auch in Europa dürften die Aktienkurse von steigenden Gewinnmargen profitieren, die sich anderen Teilen der Welt angleichen könnten.“

Und wieder Goldlöckchen

Norihiro Fujito, Ssenior Investment Strategist bei Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities Co, pflichtet dieser These bei. Dank des globalen Wachstums würden japanische Unternehmen vermutlich zweistellige Wachstumsraten halten, so der Fachmann.

Japan Premier Shinzo Abe gilt als einer der Väter des Erfolgs. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Auch Goran Vasiljevic, Mitglied der Geschäftsführung bei Lingohr und Partner Asset Management stellt fest: „Lange Zeit galt in Japan das Gewinnwachstum als Fremdwort. Heute jedoch sind hier höhere Gewinnzuwächse als in Regionen mit höherer Bewertung, stärkerer Verschuldung und ähnlicher Profitabilität zu finden.“ Auch für die nächsten Jahre seien die Schätzungen positiv.

Fujito erwartet, dass der Nikkei im Mai ein Niveau von 25.000 Punkten erreichen wird - das sollte seiner Ansicht nach der höchste Stand bleiben. Die meisten Expertenschätzungen bewegen sich in diesem Bereich. Hilfreich ist auch die extrem expansive Geldpolitik der Bank of Japan, die ihre Schleusen so weit geöffnet hat wie noch nie. Und ein Ende ist nicht abzusehen. „Ich denke, das Goldlöckchen-Szenario wird auch 2018 weitergehen, die Aktienkurse werden weder besonders stark steigen, noch stark fallen", meint  Masahiro Ichikawa, Senior Strategist bei Umitomo Mitsui Asset Management Co.

Auch Japans Wachstum wohl solide

Nach Ansicht der Fachleute von BofA Merrill Lynch wird das japanische Wachstum 2018/19 jeweils rund 1,5 Prozent betragen. Grund dafür sei eine anhaltende Erholung der privaten Nachfrage. Je mehr Wachstum, desto besser: Japan hat unter allen Industriestaaten mit rund 240 Prozent der Wirtschaftsleistung die höchste Staatsverschuldung.

Die Experten der Helaba sind nicht ganz so optimistisch. Analystin Ulrike Bischoff geht von einem Wachstum von einem Prozent aus. Sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen würden bei ihren Ausgaben eine Zurückhaltung an den Tag legen, die nicht ganz zu den positiven Stimmungsindikatoren passe, so Bischoff. Der private Verbrauch werde 2018 unterdurchschnittlich wachsen. Wir werden sehen.              

Einkaufen in Tokio: Shoppen für das BIP. | Quelle: picture-alliance/dpa

Was passiert in China?

Die Risiken für Japan sind im Wesentlichen die gleichen wie für den Rest der Welt: Zum einen ist die Zinspolitik der USA zu beachten. Sollten die Zinsen stärker anziehen als Fachleute erwarten, könnte das Folgen für das globale Wachstum haben, den US-Aktienmarkt belasten und letztlich Kosten für Investitionen verteuern. Immerhin wäre ein stärkerer Dollar aber auch im Interesse Japans.

Auch was in China passiert, bleibt wichtig. Sollte die dortige Konjunktur unerwartet abkühlen, wäre ebenfalls die globale Wirtschaft in Turbulenzen – mit Folgen für Japan. Nicht zuletzt sollte man die Lage in Nordkorea nicht vergessen. Aufgrund der Nähe zu Japan könnten Konflikte sich dort schärfer auswirken als anderswo.     

ts