Tangotänzer in Buenos Aires
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Kursfeuerwerk in Buenos Aires Argentiniens Börse tanzt Tango

von Notker Blechner

Stand: 12.12.2017, 11:07 Uhr

Zu den besten Aktienmärkten weltweit zählt in diesem Jahr die Börse in Buenos Aires. Der liberal-konservative Präsident Mauricio Macri hat Argentinien zurück auf Wachstumskurs gebracht. Das Land am Rio de la Plata wird in den nächsten Monaten im Rampenlicht stehen.

Anfang Dezember hat Argentinien die G20-Präsidentschaft von Deutschland übernommen. Höhepunkt wird im November 2018 der G20-Gipfel in Buenos Aires sein, zu dem die mächtigsten Staatschefs der Welt kommen. Derzeit findet in der argentinischen Hauptstadt die WTO-Welthandelskonferenz statt.

Wirtschaft wächst wieder

Für die internationalen Konferenzgäste hat sich Buenos Aires besonders herausgeputzt. Sie sollen sehen, dass es im einstigen Pleite-Staat wieder aufwärts geht. Die Wirtschaft kommt zunehmend in Fahrt. 2017 soll das Bruttoinlandsprodukt um drei Prozent zulegen. In der ersten Jahreshälfte wuchs die Wirtschaft um 1,1 Prozent, nachdem sie im Vorjahreszeitraum noch um zwei Prozent geschrumpft war.

Der seit zwei Jahren amtierende Präsident Macri hat das Land wieder auf marktwirtschaftlichen Kurs gebracht und der dirigistischen Wirtschaftspolitik der Kirchner-Ära ein Ende gesetzt. Die Beschränkungen im Devisenverkehr wurden beseitigt, der Wechselkurs wieder freigegeben und das Haushaltsdefizit reduziert. Die Rückkehr zu den freien Märkten und die Aufhebung von Preisstopps führte kurzfristig zu einer schmerzhaften Anpassungsrezession.

Noch lebt zwar nach wie vor fast ein Drittel der Bevölkerung (laut offizieller Statistik) in Armut, die Arbeitslosigkeit ist weiterhin sehr hoch, doch die meisten Argentinier glauben, dass es ihnen bald besser gehen wird. Bei den jüngsten Zwischenwahlen errang deshalb Macris Regierungsbündnis "Cambiemos" ("Lasst uns verändern") einen Sieg. Die Chancen sind dadurch gestiegen, dass Macri im Parlament Unterstützung für seine Reformpolitik bekommt. Der Präsident plant die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts, ein neues Kapitalmarktgesetz und Steuersenkungen für Firmen.

Börse setzt auf Macri-Reformen

Für seine liberale Wirtschaftspolitik hat Macri an der Börse reichlich Vorschusslorbeeren bekommen. Seit seiner Wahl hat sich der Kurs des Leitindex' Merval nahezu verdoppelt. Allein in diesem Jahr liegt das Plus bei 65 Prozent. Damit hat Argentinien unter den lateinamerikanischen Börsen die Nase vorn. Auch weltweit zählt  das Land zu den absoluten Outperformern.

Merval

Merval. | Bildquelle: boerse.ARD.de, Grafik: boerse.ARD.de

Der Höhenflug könnte auch 2018 weitergehen. Investmentbanken wie Morgan Stanley prophezeien für das kommende Jahr einen weiteren Kursanstieg um 28 Prozent - in Dollar. Neben den Macri-Reformen könnte auch die Wiederaufnahme Argentiniens in den MSCI-Index der Schwellenländer zusätzlichen Schub der Börse bringen. Momentan gilt das Land noch als "Frontier Market".

Fragiles Schwellenland

Wegen der Abhängigkeit von ausländischen Kapitalzuflüssen und von den Agrarrohstoffpreisen zählt Argentiniern zu den fünf fragilen Schwellenmärkten der Welt. Steigen die Zinsen in den USA, wird es für Argentinien schwerer, sein Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren. Da half es auch wenig, dass die Ratingagentur Moody's die Bonität von B auf B+ anhob.

Trauma mit Argentinien-Anleihen

Manche deutsche Privatanleger dürften schlechte Erinnerungen an Argentinien haben. Als das Land 2001 bankrott ging, wurden Zins- und Rückzahlungen für argentinische Staatsanleihen eingestellt. 2005 gab es einen Schuldenschnitt, bei der die Gläubiger auf zwei Drittel ihrer Forderungen verzichten sollten. Noch heute warten viele deutsche Anleihen-Besitzer auf ihr Geld. Macri hat zwar seit seinem Amtsantritt versprochen, ausländischen Gläubigern, die den Schuldenschnitt nicht mitgemacht haben, zwischen 150 und 170 Prozent des Nennwerts der Anleihen zurückzuzahlen. Deutsche Anleger gingen aber leer aus.

Im Frühjahr 2016 kehrte das südamerikanische Land an den Kapitalmarkt zurück und begab Anleihen über 16,5 Milliarden Dollar. Anleger rissen sich um Anleihen zu einem Zins von 6,8 Prozent.

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Investieren in Argentinien Attraktives Schwellenland

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