Börse Riad, Saudi Arabien

Mehr als Öl und Sand Anlegen in Saudi-Arabien?

Stand: 17.08.2018, 16:05 Uhr

Als Region für die Aktienanlage stand Saudi-Arabien in den vergangenen Jahren nicht gerade in der ersten Reihe. Das hat sich in diesem Jahr bereits geändert. Die Aussichten für weitere Steigerungen des saudischen Aktienmarktes schätzen Experten als durchaus gut ein.

Auf dem Schirm vieler großer Investoren ist Saudi-Arabien wohl erst im laufenden Jahr erschienen. Gleich in drei Indizes für Emerging Markets ist das Land 2018 aufgenommen worden. Im Februar hat FTSE-Russell Saudi-Arabien den Status eines Emerging Markets zuerkannt, im Juni folgte dann MSCI und seit Ende Juli betrachtet auch die Ratingagentur Standard & Poor's das Land offiziell als aufstrebenden Staat.

Aramco-Börsengang erst mal auf Eis

Die Börse Riad wird 2019 in den wohl wichtigsten Index MSCI Emerging Markets aufgenommen. Zunächst sollen die börsennotierten Unternehmen des arabischen Landes einen Anteil von 2,6 Prozent halten. Der Anteil kann aber auf 4,4 Prozent steigen, wenn es tatsächlich zum Billionen-Börsengang des weltgrößten Ölproduzenten Aramco kommt. Die Börsenpläne für Aramco, das einen Marktwert von bis zu zwei Billionen Dollar haben könnte, liegen derzeit allerdings auf Eis. Der Grund: Durch den gestiegenen Ölpreis haben die Saudis die Aufnahme von frischen Mitteln über das IPO derzeit gar nicht nötig - die Dollar-Milliarden aus Ölerlösen sprudeln wieder in ausreichendem Maß.

Für Experten ist es eine ausgemachte Sache, dass die Aufnahme in die wichtigen Indizes mit weiteren Kursgewinnen einhergehen dürften. Laut der Fondsgesellschaft T. Rowe Price rückt damit vor allem der Bankensektor in den Fokus internationaler Anleger. Das Land verfüge über "qualitativ hochwertige saudische Banken", die derzeit vom Wirtschaftsaufschwung profitierten. Auch Branchen wie der Gesundheitssektor gelten als interessant. Dorthin dürften in den kommenden Jahren Milliarden an Dollar fließen, mit dem Ziel, das Versorgungsniveau der schnell wachsenden, jungen Bevölkerung zu verbessern.

Investieren nicht direkt möglich

Derzeit dürfen sich nur Anleger aus den Golfstaaten und wenige qualifizierte ausländische Investoren direkt in Aktien engagieren, die an der Börse in Riad gelistet sind. In der Vergangenheit konnten Anleger vor allem über so genannte MENA-Fonds (Middle East & North Africa) an der Entwicklung im arabischen Raum teilhaben. Aktienfonds mit Schwerpunkt auf Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAR) am Persischen Golf haben in den vergangenen zehn Jahren sehr robust performt. Allerdings wuchsen die Fondsprodukte wegen der geopolitisch heiklen Situation selten auf Anlagevolumina über 100 Millionen Dollar an.

Einer der arriviertesten dieser Fonds ist der Magna MENA-Fonds (WKN A1W8A4) des kanadischen Schwellenländer-Spezialisten Fiera. Der Fonds ist seit 2011 am Markt und investiert zu 50 Prozent in Saudi-Arabien mit dem Schwerpunkt Finanzen, Konsumtitel und Gesundheitsaktien. 20 Prozent entfallen auf Aktien aus Dubai, 13 Prozent auf Ägypten und sechs Prozent auf Kuwait. Der Fonds ist allerdings mit jährlichen Gesamtgebühren von rund drei Prozent belastet.

Mit ETF am Golf streuen...

Wer sich diese Kosten zum Teil sparen und zudem noch stärker aus die Golfregion fokussieren will, kann zu einem Indexfonds der DWS, einem Xtracker greifen. Der Xtrackers MSCI GCC Select Swap (WKN A12B98) bündelt große und mittlere Unternehmen aus dem Nahen Osten und vereint Titel aus Bahrain, Kuwait, Oman, Qatar, Vereinigte Arabische Emirate und Saudi-Arabien. Der saudische Anteil liegt dabei bei rund 65 Prozent. Branchentechnisch liegt der Löwenanteil der Mittel in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Grundstoffe und Telekom. Die Gesamtkostenquote liegt hier bei 0,65 Prozent jährlich.

... oder gezielt auf Saudi-Arabien setzen

Aber auch 100 Prozent Anlage in Saudi-Arabien sind inzwischen möglich. Ein ETF des Marktführers iShares (WKN A2AKZX) zielt auf den MSCI Saudi-Arabien. Das Produkt wird allerdings vor allem an der US-Börse NYSE gehandelt, deutsche Anleger können über die Börsenplätze Berlin und Düsseldorf den ETF auch hierzulande kaufen. Allerdings liegt der Spread (Differenz zwischen An- und Verkaufspreis) nicht selten bei vier bis fünf Prozent. Unter Umständen kann sich damit der Kauf direkt in New York lohnen. Oder der Anleger wartet, bis mehr Indexfonds auf Saudi-Arabien erhältlich sind - das dürfte nur eine Frage der Zeit sein.

AB