Verschiedene Euroscheine brennen
Audio

Konjunkturerwartungen weiter negativ ZEW: Ölpreisanstieg schürt Inflationsängste

Stand: 15.05.2018, 11:41 Uhr

Die Inflationserwartungen für Deutschland haben im Mai erheblich angezogen. Und das ist nicht der einzige Belastungsfaktor für die deutsche Wirtschaft.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland haben im Mai auf ihrem Fünfeinhalb-Jahres-Tief vom April verharrt: Mit minus 8,2 Punkten lagen sie deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt von plus 23,4 Punkten.

Im April war das wichtige Konjunkturbarometer erstmals seit Juli 2016 wieder in den negativen Bereich abgerutscht.

ZEW-Konjunkturindex Mai 2018: -8,2

Stagnation auf niedrigem Niveau . | Bildquelle: ZEW, Grafik: boerse.ARD.de

Steigende Rohölpreise

»Die Wirkung der relativ guten Werte für die deutschen Exporte und die Produktion im März 2018 wurden in der aktuellen Umfrage von neuen politisch getriebenen Unsicherheiten überlagert. Die Kündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die Vereinigten Staaten und die Befürchtungen einer weiteren Eskalation des Handelskonflikts mit den USA sowie weiter steigender Rohölpreise haben die Konjunkturerwartungen für Deutschland belastet.«

ZEW-Präsident Achim Wambach

Steigende Inflationserwartungen

Audio allgemein - Startbild
Audio

ARD-Börse: Wachstum verlangsamt sich

Der Ölpreisanstieg hat bei den befragten Finanzmarktexperten offensichtlich neue Inflationsängste geschürt. Der entsprechende Indikatorwert liegt um 12,5 Punkte höher als im Vormonat und erreicht damit einen neuen Wert von 66,5 Punkten.

Kein Wunder, sind Benzin, Diesel und Heizöl doch ein wichtiger Bestandteil des Warenkorbs, mit dessen Hilfe die Inflation berechnet wird.

An den Finanzmärkten rufen die um 11 Uhr veröffentlichten ZEW-Zahlen keine großen Reaktionen hervor. Der Dax notiert weiterhin leicht im Minus, der Euro tendiert oberhalb von 1,19 Dollar seitwärts.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.341,00
Differenz relativ
-0,11%
Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1411
Differenz relativ
-0,06%

Steigender Euro

Dabei sind die steigenden Ölpreise und Inflationserwartungen gegenwärtig nicht die einzigen Belastungsfaktoren für die deutsche Wirtschaft. Die heute früh veröffentlichten Zahlen zum deutschen BIP zeigen: Die deutsche Wirtschaft leidet auch gehörig unter dem starken Euro.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
1,1411
Differenz relativ
-0,06%

Im ersten Quartal hatte sich das Wirtschaftswachstum unerwartet deutlich auf 0,3 Prozent gegenüber dem vierten Quartal abgeschwächt. Bremsspuren hinterließ vor allem der Außenhandel.

"Das stützt unsere Einschätzung, dass die deutsche Wirtschaft gegenwärtig unter dem starken Euro leidet, der in den zurückliegenden zwölf Monaten um neun Prozent aufwertete und die hierzulande produzierten Güter aus Sicht ausländischer Kunden verteuerte", kommentiert Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Die deutsche Wirtschaft befinde sich mitten in einer Wachstumsdelle.

ag

1/5

Die wichtigsten deutschen Konjunkturindikatoren boerse.ARD.de erklärt

Ifo-Geschäftsklimaindex
Der weitaus wichtigste konjunkturelle Frühindikator in Deutschland ist der Geschäftsklimaindex des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo). Entsprechend aufmerksam verfolgen auch die Börsianer den Index, der gegen Ende jedes Monats veröffentlicht wird.

Für den Index befragen die Wirtschaftsforscher rund 9.000 deutsche Unternehmen, wie sie die aktuelle Geschäftslage und die Erwartungen für die kommenden sechs Monate einschätzen. Die Gegenwart müssen die Unternehmen mit "gut", "befriedigend" oder "schlecht" beurteilen. Bei dem Blick in die nahe Zukunft darf es gemäß Fragebogen "besser", "gleich" oder "schlechter" laufen. Das Ifo-Institut saldiert die Prozentanteile der positiven und negativen Antworten, gewichtet diese nach Branchen und bildet dann den Mittelwert. Das Ergebnis wird ins Verhältnis zum Basisjahr 2015 gesetzt.

Die Marktteilnehmer blicken fast ausschließlich auf die Veränderung des Gesamtindex im Vergleich zum Vormonat. Steigt der Index, hellt sich die Konjunkturlage in Deutschland auf. Sinkt er, trüben sich die Aussichten ein. Als besonders aussagekräftig gilt die Tendenz über mehrere Monate. Steigt der Ifo-Index drei Mal in Folge, lässt dies einen Konjunkturaufschwung erwarten.