ZEW-Konjunkturklimaindex Juni: -24,5
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Finanzprofis pessimistischer ZEW-Konjunkturerwartungen noch düsterer

Stand: 16.07.2019, 11:24 Uhr

Handelskonflikte, Iran-Konflikt, schwache Konjunktursignale aus den USA, China und Europa: Kein Wunder, dass Analysten und Fondsmanager immer skeptischer werden, was die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland und Europa angeht. Der aktuelle Wert ist sogar noch schlechter als befürchtet.

Gegenüber dem Juni ging der Index der ZEW-Konjunkturerwartungen für den aktuellen Monat noch einmal um 3,4 Punkte zurück auf jetzt minus 24,5 Punkte. Erwartet hatten die Volkswirte zwar einen Rückgang, den hatten sie im Schnitt aber nur auf minus 22 Punkt veranschlagt.

Auch die "Lage" ist schlecht

Bei der Einschätzung der aktuellen Lage ist die Schere zwischen den Prognosen und dem tatsächlich ermittelten Index sogar noch deutlich größer. Während die Prognosen hier im Schnitt von plus 5,0 Punkten ausgingen, sackte der Lageindex von 7,8 auf minus 1,1 Zähler nach unten.

"Insbesondere die Fortsetzung des Negativtrends bei den Auftragseingängen der deutschen Industrie dürfte die Finanzmarktexperten in ihrem Konjunkturpessimismus bestätigt haben", kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach. Eine nachhaltige Eindämmung der Unsicherheitsfaktoren für die exportorientierten Branchen der deutschen Wirtschaft sei derzeit nicht in Sicht. "Der Irankonflikt scheint sich eher zu verschärfen und der anhaltende Handelsstreit zwischen den USA und China ist eine Belastung nicht nur für die chinesische Wirtschaftsentwicklung. Auch bei der Ausgestaltung des Brexits ist kein Fortschritt zu erkennen", so Wambach, ähnlich pessimistisch wie die befragten Finanzprofis.

Beim ZEW-Index werden bis zu 350 Analysten und institutionelle Anleger nach ihren mittelfristigen Erwartungen bezüglich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung befragt.

Schlechte Vorlage für den Ifo-Index

Volkswirte der Banken stimmen dem ZEW-Chef in ihrer Beurteilung des Umfrageergebnisses zu. "Die Konjunkturerwartungen enttäuschen erneut. Verantwortlich dafür dürfte die Verunsicherung durch den Irankonflikt sein. Zudem sind die von den USA ausgehenden Handelskonflikte noch nicht gelöst. Die Konjunktursorgen bleiben somit bestehen", kommentiert etwa Patrick Boldt von der Helaba. Damit sei auch die Indikation für den Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland negativ, das am Donnerstag nächster Woche veröffentlicht wird. Laut Boldt werden durch die Daten Spekulationen auf eine EZB-Zinssenkung Ende dieses Monats "tendenziell verstärkt".

An den Aktien- und Devisenmärkten wurden die Daten am Dienstagvormittag allerdings eher achselzuckend zur Kenntnis genommen. Der Dax verharrte wenig bewegt auf seinem Vortagsniveau bei 12.400 Punkten. Der Euro verlor nach einem schwachen Morgen gegenüber dem Dollar nur wenig weiter.

AB