ZEW-Konjunkturklimaindex September: -22,5
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Stimmungsaufhellung im September ZEW-Konjunkturerwartungen machen Hoffnung

Stand: 17.09.2019, 11:40 Uhr

Die Einschätzung von Finanzprofis zur konjunkturellen Entwicklung in Deutschland ist im laufenden Monat deutlich besser ausgefallen als erwartet. Beim aktuellen ZEW-Index schwingt viel Hoffnung mit, für eine Entwarnung ist es aber deutlich zu früh.

"Die Zunahme der ZEW-Konjunkturerwartungen bedeutet keine Entwarnung bezüglich der Entwicklung der deutschen Wirtschaft im kommenden halben Jahr. Die Aussichten bleiben weiterhin negativ", so ZEW-Präsident Achim Wambach am Dienstag. Die "recht starken Befürchtungen" der Finanzexperten vom Vormonat im Hinblick auf den Handelskonflikt zwischen den USA und China hätten sich nicht bewahrheitet. Und: "Es besteht noch Hoffnung, dass sich ein ungeordneter Austritt Großbritanniens aus der EU doch noch vermeiden lässt."

Erwartungen besser, Lage mies

Der aktuelle Wert der ZEW-Konjunkturerwartungen liegt bei minus 22,5 Punkten, nach minus 44,1 Zählern im August. Das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat dazu 193 Analysten und Profi-Anleger befragt. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Anstieg auf minus 37,0 Zähler gerechnet.

Die Konjunkturlage bewerteten die Börsianer allerdings so schlecht wie seit Mai 2010 nicht mehr. Der entsprechende Teilindex sank auf minus 19,9 Punkte. Im Vormonat lag dieser Wert bei minus 6,4 Punkten.

Auch für die Eurozone stiegen die Erwartungen der Finanzprofis stark an. Der Erwartungsindikator für das Eurogebiet liegt im September bei minus 22,4 Punkten und damit 21,2 Punkte höher als im Vormonat. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Eurogebiet sinkt leicht um 1,1 Punkte auf einen neuen Wert von minus 15,6 Punkten.

Das Rezessionsgespenst

In den Einschätzungen der Umfrageteilnehmer spiegeln sich nicht nur aktuelle Krisen und Konfliktherde wie der Handelsstreit und der Brexit wider. Auch aktuelle Wirtschaftsdaten finden dabei ihren Niederschlag in der Stimmung. So war Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland im zweiten Quartal wegen schwächelnder Exporte um 0,1 Prozent geschrumpft. Für das laufende Sommerquartal zeichnet sich ein erneutes Minus ab, womit Deutschland erstmals seit dem Jahreswechsel 2012/13 in eine Rezession rutschen würde.

Ob dabei konjunkturelle Maßnahmen der Bundesregierung noch helfen können, gegenzusteuern bleibt abzuwarten. Laut ZEW-Präsident Wambach liegen einige Hoffnungen weiterhin auf der Geldpolitik der EZB. Diese versuche "durch eine weitere Lockerung der Geldpolitik die konjunkturellen Risiken im Eurogebiet zu reduzieren". Auch hier sind die Erfolgsaussichten aber noch vage.

Dax

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Am Finanzmarkt wurden die aktuellen Daten vom ZEW am Dienstagmittag eher achselzuckend zur Kenntnis genommen. Der Dax tendiert weiterhin leicht schwächer, bei 12.360 Punkten. Der Euro kämpft weiterhin mit der Marke von 1,10 Dollar.

AB