ZEW-Konjunkturklimaindex Juni: -21,1

Pessimismus macht sich breit ZEW-Konjunkturerwartungen brechen dramatisch ein

Stand: 18.06.2019, 11:44 Uhr

Die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobenen Stimmungsdaten unter Finanzfachleuten haben sich in der neuesten Juni-Befragung dramatisch verschlechtert. Die Bewertung der aktuellen Lage hat sich dagegen nur marginal eingetrübt.

Es ist erneut ein gemischtes Stimmungsbild, das die vom Mannheimer Forschungsinstitut ZEW befragten Finanzexperten von der Konjunktur in Deutschland zeichnen.

So sind die Erwartungen im Juni auf minus 21,1 Punkte eingebrochen, nachdem sie im Mai nur leicht auf minus 2,1 zurückgegangen waren. Volkswirte hatten nur mit einem Rückgang auf minus 5,6 gerechnet. Damit befindet sich der Indikator mehr als je zuvor unter dem langfristigen Durchschnitt der ZEW-Konjunkturerwartungen.

Im gleichen Zeitraum hat sich die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage für Deutschland nur moderat verschlechtert auf 7,8 Punkte, nachdem sie noch im Mai bei 8,2 Punkten gelegen hatte.

"Erhöhte Unsicherheit"

"Der starke Rückgang der ZEW-Konjunkturerwartungen fällt zusammen mit einer erhöhten Unsicherheit mit Blick auf die zukünftige weltwirtschaftliche Entwicklung sowie einer substanziell schlechteren Konjunkturentwicklung in Deutschland zu Beginn des zweiten Quartals", kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach.

Die Verschärfung des Konfliktes zwischen den USA und China, das gestiegene Risiko eines militärischen Konfliktes im Nahen Osten und die höhere Wahrscheinlichkeit eines harten Brexit belasten laut dem ZEW den weltwirtschaftlichen Konjunkturausblick. Hinzu komme "eine substanziell schlechtere Konjunkturentwicklung" in Deutschland zu Beginn des zweiten Quartals, sagte Wambach.

Patrick Boldt, Volkswirt bei der Helaba, sprach von "massiv" enttäuschenden Konjunkturerwartungen. Sie hätten die Spekulationen auf eine EZB-Zinssenkung nicht vermindert. Der drastische Rückgang der Konjunkturerwartungen im Juni zeigt, dass die Finanzmarktexperten/-innen für die nächsten sechs Monate einen deutlichen Dämpfer für die deutsche Wirtschaft erwarten. Ähnlich hatte sich gestern auch die Bundesbank in ihrem neuesten Monatsbericht geäußert.

Rückfall in die Rezession befürchtet

"Die deutsche Wirtschaftsleistung dürfte im Frühjahr 2019 leicht zurückgehen", bekräftigte die Bundesbank in ihrem am Montag vorgelegten Monatsbericht Juni. Die "konjunkturelle Grundtendenz" sei "nach wie vor schwach", schreibt die Notenbank. "Ausschlaggebend hierfür ist der anhaltende Abschwung in der Industrie."

Das Münchner Forschungsinstitut Ifo sieht die Industrie bereits in der Rezession. Laut Prognose der Bundesbank wird die deutsche Wirtschaftsleistung im laufenden zweiten Quartal schrumpfen. Von Januar bis März war die Wirtschaft noch um 0,4 Prozent gewachsen.

Märkte reagieren kaum

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung befragt monatlich rund 200 Analysten und institutionelle Anleger nach ihren mittelfristigen Erwartungen zur Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung. Der ZEW-Index gibt die Differenz der positiven und negativen Einschätzungen für die künftige Wirtschaftsentwicklung in Deutschland auf Sicht von sechs Monaten wieder.

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An den Finanzmärkten wurden die neuen Konjunkturerwartungen eher achselzuckend zur Kenntnis genommen. Beflügelt von Äußerungen von EZB-Chef Mario Draghi, der eine Lockerung der Geldpolitik in Aussicht stellte, falls es zu einem Konjunktureinbruch in der Eurozone komme, legte der Dax am späten Vormittag kräftig zu. Gleichzeitig fiel der Euro unter die Schwelle von 1,12 Dollar.

lg