Industrie Kunjunktur

ZEW-Index auf Viereinhalb-Jahres-Hoch Deutsche Konjunktur – Ende der Talfahrt?

Stand: 21.01.2020, 11:42 Uhr

Finanzmarktexperten sind so positiv für die deutsche Konjunktur gestimmt wie seit Juli 2015 nicht mehr. Das nährt Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Aufwärtsbewegung.

Die Konjunkturerwartungen für die nächsten sechs Monate stiegen im Januar überraschend kräftig um 16 Zähler auf plus 26,7 Punkte, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 194 Analysten und Anlegern mitteilte.

Damit wurde der Marktkonsens klar übertroffen: Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Anstieg auf 15 Zähler gerechnet. Auch die aktuelle Lage bewerteten die Börsianer deutlich besser. Hier liegt der neue Wert bei minus 9,5 Punkten – 10,4 Punkte oberhalb des Wertes vom Vormonat.

ZEW-Konjunkturklimaindex Januar 2020 26,7

ZEW-Konjunkturklimaindex Januar 2020. | Bildquelle: ZEW, Grafik: boerse.ARD.de

Handelsdeal als Stimmungsturbo

"Der abermalige starke Anstieg der ZEW-Konjunkturerwartungen beruht vor allem auf der kürzlich erfolgten Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. "Dies nährt die Hoffnung, dass die aus dem Handelsstreit resultierenden Belastungen für die deutsche Wirtschaft geringer sein werden als zuvor gedacht."

Der Ausblick habe sich damit zwar aufgehellt, deute aber nach wie vor auf ein unterdurchschnittliches Wachstum hin.

Nur eine "blutleere Aufwärtsbewegung"?

Mit dieser Einschätzung steht der ZEW-Experte nicht allein da. So rechnen die Ökonomen der Commerzbank für 2020 mit einer "blutleeren wirtschaftlichen Aufwärtsbewegung". Ökonomen der Allianz erwarten, dass erst ab dem kommenden Jahr der anziehende Welthandel das Wachstum in Deutschland wieder auf ein solideres Fundament stellen dürfte.

Die Bundesbank hatte am Montag in ihrem Monatsbericht bereits Anzeichen für ein Ende der Talfahrt der deutschen Industrie erkannt.

Warten auf den Ifo

Mehr Klarheit über die künftige konjunkturelle Entwicklung Deutschlands dürfte der wichtigste deutsche Frühindikator, der Ifo-Geschäftsklimaindex, liefern. Der Ifo-Index für Januar steht am kommenden Montag zur Veröffentlichung an.

"Sollte dieser Index zulegen, würden sich die Zeichen für eine allmähliche konjunkturelle Beschleunigung mehren", unterstreicht Helaba-Ökonom Ulrich Wortberg.

ag

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Die wichtigsten deutschen Konjunkturindikatoren boerse.ARD.de erklärt

Ifo-Geschäftsklimaindex
Der weitaus wichtigste konjunkturelle Frühindikator in Deutschland ist der Geschäftsklimaindex des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo). Entsprechend aufmerksam verfolgen auch die Börsianer den Index, der gegen Ende jedes Monats veröffentlicht wird.

Für den Index befragen die Wirtschaftsforscher rund 9.000 deutsche Unternehmen, wie sie die aktuelle Geschäftslage und die Erwartungen für die kommenden sechs Monate einschätzen. Die Gegenwart müssen die Unternehmen mit "gut", "befriedigend" oder "schlecht" beurteilen. Bei dem Blick in die nahe Zukunft darf es gemäß Fragebogen "besser", "gleich" oder "schlechter" laufen. Das Ifo-Institut saldiert die Prozentanteile der positiven und negativen Antworten, gewichtet diese nach Branchen und bildet dann den Mittelwert. Das Ergebnis wird ins Verhältnis zum Basisjahr 2015 gesetzt.

Die Marktteilnehmer blicken fast ausschließlich auf die Veränderung des Gesamtindex im Vergleich zum Vormonat. Steigt der Index, hellt sich die Konjunkturlage in Deutschland auf. Sinkt er, trüben sich die Aussichten ein. Als besonders aussagekräftig gilt die Tendenz über mehrere Monate. Steigt der Ifo-Index drei Mal in Folge, lässt dies einen Konjunkturaufschwung erwarten.