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Nach dem Notenbanktreffen in Jackson Hole Wie machen Fed und EZB weiter?

von Bettina Seidl

Stand: 27.08.2017, 11:55 Uhr

Viel gesagt haben die Notenbanker nicht auf dem wohl wichtigsten Treffen ihrer Zunft in Jackson Hole, jedenfalls nicht zur Geldpolitik. Aber Zurückhaltung sagt ja oft mehr als alle Worte. EZB-Chef Mario Draghi jedenfalls bleibt erst mal auf lockerem Kurs.

Von sich aus hätte er nichts gesagt. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi schnitt das Thema Geldpolitik in seiner Rede auf der Notenbank-Konferenz in Jackson Hole in den USA nicht an. Dort konzentrierte auf die Gefahren des Protektionismus. Er warnte vor den negativen Folgen einer Abschottungspolitik im Welthandel. Und er warnte davor, die Regulierung der Finanzwirtschaft aufzuweichen. "Insbesondere, wenn die Geldpolitik locker ist, birgt eine lasche Regulierung die Gefahr finanzielle Schieflagen zu befördern", sagte Draghi.

Signal gegen Trump

Das gleiche Anliegen hatte auch die Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen. Sie sprach sich in ihrer Rede dafür aus, die Bankenregulierung nicht zu stark zurückzufahren. Und sie warnte davor, die Lehren aus der jüngsten Finanzkrise zu vergessen. Bei manchen Menschen sei offenbar die Erinnerung verblasst, wie teuer die Krise gewesen sei.

Janet Yellen, den Kopf auf die Hand gestützt, schaut nachdenklich

Janet Yellen warnt vor Trumps Plänen. | Bildquelle: Imago

Donald Trump

Donald Trump will die Wall Street-Reform aufheben. | Bildquelle: picture alliance / Evan Vucci/AP/dpa

Das geht klar an die Adresse von Donald Trump, der sich mit Deregulierungsplänen trägt. Durch die nach der Finanzkrise eingeführten Gesetze habe die Finanzaufsicht zu viel Macht. Das behindere die US-Banken und bremse so die Wirtschaft.

Yellen vertedigte in ihrer Rede die Regulierung gegen Kritik. Sie verwies auf Studien, wonach das Wirtschaftswachstum durch die Regulierung des Finanzsektors nicht belastet worden sei. Gleiches gelte für die Verfügbarkeit von Krediten oder die Liquidität an den Finanzmärkten. Vielmehr sei das Finanzsystem durch die Regulierung robuster geworden, etwa gegen Turbulenzen an den Finanzmärkten.

In Sachen Geldpolitik hüllte sich Yellen aber in Schweigen. Laut Paul Asworth, US-Analyst bei Capital Economics, könnte der bisher für Dezember erwartete nächste Zinsschritt der Fed nun in Frage stehen, falls der US-Kongress in Sachen Anhebung der Schuldenobergrenze zögere. Damit blieben Aktien nach wie vor etwa im Vergleich zu Anleihen attraktiver. So geriet der Dollar schon am Freitagnachmittag - im Zuge des Schweigens von Yellen - unter Druck.

EZB bleibt locker

Draghi musste sich erst bitten lassen, in Sachen Geldpolitik. Erst in der Fragerunde im Anschluss an die Rede gab es ein paar Brocken. Draghi betonte die Notwendigkeit einer zunächst weiterhin lockeren Geldpolitik. Obwohl die wirtschaftliche Erholung fortschreite, sei weiterhin ein bedeutsames Niveau an Unterstützung durch die Geldpolitik gerechtfertigt, sagte Draghi. Die Annäherung der Inflationsrate an den Zielwert der EZB von knapp zwei Prozent sei noch nicht selbsttragend. Das milliardenschwere Anleihekaufprogramm der Notenbank habe bisher gut funktioniert. Im Grunde wiederholte Draghi nur Altbekanntes.

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An den Börsen hatten sich manche Investoren Hinweise von Draghi erhofft, wie es vor allem mit den in Deutschland umstrittenen Anleihekäufen der Euro-Notenbank weitergeht. Dazu hielt sich Draghi aber bedeckt. Reaktionen gab es dennoch an den Finanzmärkten. Der Euro weitete nach dem Auftritt des EZB-Chefs seine zuvor erzielten Kursgewinne aus und stieg bis auf 1,1942 Dollar, den höchste Stand seit Januar 2015. "Die Leute haben sich gefragt, ob er sich gegen die Euro-Stärke stemmen würde", sagte Keith Lerner, Marktstratege von SunTrust Advisory Services in Atlanta. "Und das tat er nicht."

7. September ist Draghi-Tag

Nun ist wohl der 7. September der große Draghi-Tag. Dann kommt der Rat der EZB zu seiner nächsten Sitzung zusammen. Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Notenbank dann Tacheles redet. Zum Jahreswechsel läuft das billionenschwere Anleihenkaufprogramm der EZB aus. Erwartet wird, dass die EZB die Käufe ab Januar 2018 schmaler ausfallen lässt, sofern Konjunktur- und Inflationsentwicklung mitspielen. Und im September dürfte sie die Finanzmärkte auf diesen neuen Kurs vorbereiten.