Jerome Powell

Spannendes Rennen um den Chefposten der Fed Wird Powell der mächtigste Banker der Welt?

Stand: 30.10.2017, 15:48 Uhr

Am Dienstag und Mittwoch treffen sich die US-Notenbanker, um über die weiteren Zinsschritte zu beraten. Wichtiger dürfte aber eine Personalentscheidung sein. Noch in dieser Woche will US-Präsident Trump den neuen Fed-Chef nominieren. Die besten Chancen hat ein Republikaner.

Der 64-jährige Jerome Powell, den Freunde und Weggefährten einfach nur "Jay" nennen, hat laut Medien im Rennen um den begehrten Chefposten der Fed die Nase vorn. Präsident Donald Trump favorisiere den Fed-Direktor, berichtete die Finanzagentur Bloomberg am Wochenende unter Berufung auf mehrere Insider.

Mit Powell würde ein Währungshüter an die Spitze der mächtigsten Notenbank der Welt rücken, der bereits seit Jahren in deren Führungsetage sitzt. "Als Chef dürfte er wohl die Politik der schrittweisen Normalisierung der Geldpolitik fortsetzen, die Amtsinhaberin Janet Yellen eingeleitet hat", meinen die Volkswirte der UniCredit. Powell gilt als Taube, also als Verfechter einer großzügigen lockeren Geldpolitik.

Trumps Casting-Show

Trump will bis zum 3. November entscheiden, wer ab Februar die US-Notenbank führen soll. Dann endet die Amtszeit von Janet Yellen. Trump sagte am Freitag in einer Videobotschaft auf Instagram, dass er in dieser Woche das Geheimnis lüften werde. "Es wird eine Person werden, die hoffentlich einen fantastischen Job machen wird. Ich habe jemanden Speziellen im Auge, und ich denke, dass alle sehr beeindruckt sein werden", erklärte Trump vielsagend. Der Senat muss Trumps Wahl noch bestätigen.

Zuletzt hat der US-Präsident den Kreis der Anwärter für den Spitzenjob bei der Fed auf drei Personen eingegrenzt: Powell, den Wirtschaftsprofessor John Taylor und Amtsinhaberin Janet Yellen. Die 71-Jährige hat aber nur geringe Chancen, da Trump sie im Wahlkampf als Erfüllungsgehilfin des früheren demokratischen US-Präsidenten Barack Obama bezeichnet hat. In den letzten Monaten ruderte Trump zurück und erklärte, er schätze Yellen. "Ich mag sie sehr, ich mag sie wirklich sehr", bekannte er Ende Oktober. Aber jeder US-Präsident will seine eigenen Spuren hinterlassen. Insofern spreche einiges gegen eine Verlängerung der Amtszeit Yellens, heißt es aus Insiderquellen.

Taylor größter Konkurrent

Daher dürfte es auf einen Zweikampf zwischen Powell und Taylor hinauslaufen. Im Gegensatz zu Powell gilt der 70-jährige Taylor als "Falke", der für einen restriktiven geldpolitischen Kurs eintritt. Der Wirtschaftsprofessor hat die nach ihm benannte "Taylor-Regel" erfunden. Dabei handelt es sich um eine Formel, die den optimalen Leitzins anhand des Verhältnisses von Preisniveau und Produktion bestimmen soll. Würde Taylor neuer Fed-Chef, könnte er die Zinsen weitaus schneller anheben als Yellen und andere "Tauben". Das wäre ein positives Signal für den Dollar, meint die Commerzbank.

Taylor konnte im Kongress auf die Unterstützung zahlreicher konservativer Republikaner zählen. Bei den US-Notenbankern dürfte er dagegen mit seinen Vorstellungen anecken. Denn er war jahrelang ein Kritiker der Fed-Geldpolitik und monierte, dass die Entscheidungen zu wenig regelgebunden getroffen werden.

Powell geldpolitisch "unbeschriebenes Blatt"

Powell dürfte dagegen auf breite Akzeptanz im Führungszirkel der US-Notenbanker und im Kongress stoßen. Da er wohl eher eine Linie wie Yellen fahren würde, die von den Demokraten mitgetragen wurde, gilt er als Kompromisskandidat, der bei in beiden politischen Lagern Anklang finden könnte. Sein Problem ist allerdings sein unscharfes geldpolitisches Profil. Bisher war Powell vor allem mit Regulierungsfragen befasst. Geldpolitisch sei der 64-jährige Fed-Direktor ein unbeschriebenes Blatt, meint Commerzbank-Devisenexperte Ulrich Leuchtmann.

Trump scheint denn auch ziemlich unschlüssig zu sein, für wen er sich entscheiden soll. Fast wie in einer Casting-Show betreibt er die Wahl des künftigen Notenbankchefs. In der vergangenen Woche soll er angeblich die Senatoren der Republikanischen Partei aufgefordert haben, per Handzeichen abzustimmen, ob sie Powell oder Taylor an der Fed-Spitze haben wollen. Dabei soll es eine Mehrheit für Taylor gegeben haben.

Börse präferiert Powell

Als wahrscheinlich gilt, dass Taylor Vize-Fed-Chef wird, wenn Powell zum neuen Vorsitzenden der Fed gewählt wird. Für die Wall Street dürfte wohl Powell die beste Wahl sein, da er eine Fortsetzung der geldpolitischen Linie von Yellen garantiert. Taylor hingegen wäre eine Belastung für die Börse, wenn er die Zinszügel stärker anziehen sollte.

Für die Buchmacher ist jetzt schon klar, wer die Nase vorn hat: Jerome Powell. Aktuell liegt er mit 76 Prozent klar vorn. Ökonom Taylor landet abgeschlagen bei 13 Prozent.

Zinsschritt erst im Dezember?

Angesichts der wichtigen Personalie rückt die Zinssitzung der Fed am Dienstag und Mittwoch in den Hintergrund. Mit einer weiteren Zinserhöhung ist dort nicht zu rechnen. Allerdings könnten die Währungshüter deutlichere Hinweise zu einem Zinsschritt im Dezember geben. Die Mehrheit der Experten ist überzeugt, dass dann der Leitzins zum fünften Mal seit Ende 2015 angehoben wird - auf 1,25 bis 1,5 Prozent.

nb