Gebäude der FED in Washington
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US-Notenbank macht Ernst Fed zieht die Zügel an

Stand: 21.09.2017, 09:05 Uhr

Wie erwartet will die Fed ab Oktober mit dem Abbau ihrer auf 4,5 Billionen Dollar angeschwollenen Bilanz beginnen. Auch eine weitere Leitzinsanhebung noch in diesem Jahr steht auf der Agenda. Der Euro geht in die Knie.

Die zuvor um die Schwelle von 1,20 Dollar pendelde Gemeinschaftswährung verlor nach dem Zinsentscheid in Washington deutlich an Wert und fiel in der Spitze bis auf 1,1865 Dollar zurück. Die US-Notenbank hat zwar den Leitzins unverändert gelassen, signalisierte am Abend aber einen weiteren Zinsschritt im Dezember. Der Schlüsselsatz für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bleibt zunächst in der Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent.

Die Rahmenbedingungen für eine straffere geldpolitische Linie scheinen jedoch günstig: Die Wirtschaft wuchs zuletzt so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. Doch der als zu niedrig empfundene Preisauftrieb bereitet den Währungshütern Kopfschmerzen: Sie streben eine Inflationsrate von zwei Prozent an, doch diese Marke ist noch nicht in Sichtweite. Laut Yellen ist es den Währungshütern ein "Rätsel", warum die Preise trotz der guten Arbeitsmarktlage nicht stärker anziehen.

Zudem beginnt die Fed mit dem Abbau ihrer in den Jahren nach der Finanzkrise auf 4,5 Billionen Dollar angeschwollenen Bilanz. Das bereits von langer Hand vorbereitete Manöver soll ab Oktober anlaufen. Die Fed macht damit einen Schritt hin zur Normalität, da sie lange die Konjunktur mit einer Geldflut gestützt hat.

Vorsichtiger BIlanzabbau

Diese wird nun erstmals etwas eingedämmt. Auslaufende Wertpapiere aus dem Bestand der Notenbank werden dann zu einem Teil nicht mehr ersetzt. Die bislang konstant gehaltene Bilanzsumme kann so nun monatlich um zweistellige Milliardensummen schrumpfen. Der Abbau erfolgt schrittweise, wobei sich das Tempo mit der Zeit erhöht: Das Fed-Portfolio soll zunächst um monatlich zehn Milliarden Dollar reduziert und das Tempo dann sukzessive auf 50 Milliarden gesteigert werden.

Zurzeit befinden sich in der Notenbankbilanz Staatsanleihen im Wert von knapp 2,5 Billionen Dollar und mit Hypotheken besicherte Wertpapiere (MBS) im Wert von knapp 1,8 Billionen Dollar. Der Bilanzabbau wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen, weil die Fed eine sehr vorsichtige Vorgehensweise gewählt hat, um die Märkte nicht zu destabilisieren.

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Die Fed steckt in einem Dilemma. Zwar ist die Arbeitslosigkeit stark zurückgegangen auf 4,3 Prozent, während die Wirtschaft um über zwei Prozent wächst. Allerdings verharrt die Inflation unter der Zielmarke von zwei Prozent. Für dieses Jahr erwartet die Notenbank im MIttel einen Preisanstieg von 1,5 Prozent.

Die Anleger an der Wall Street reagierten am Abend zunächst gelassen auf die Ankündigungen der Notenbank, entsprechen sie doch weitgehend den Erwartungen. Der Dow Jones-Index drehte zunächst leicht ins Minus auf 22.325 Punkte, schloss aber dann auf einem neuen Rekordstand bei 22.413 Punkten.

Volkswirte begrüßen Fed-Entscheidung

Hörfunk-Moderatorin Franka Welz
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ARD-Börse: Historische Wende - Fed startet Abbau der Geldschwemme

"Die Entschlossenheit der Fed, die Normalisierung der Geldpolitik voranzutreiben, ist zu begrüßen. Der nun konkreter absehbare Bilanzabbau mindert das Risiko, dass Donald Trump seine geplanten Steuersenkungen mit der Notenpresse finanzieren kann", erklärte ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann.

Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank kommentierte: "Heute war die Tatsache, dass die Fed überhaupt etwas angekündigt hat, fast wichtiger als die Frage nach den Details. Jetzt ist sowohl für die amerikanische als auch für die europäische Zentralbank der Weg in Richtung Zinsnormalisierung bereitet – und das ohne größere Risiken für den Wechselkurs. Eine Gelegenheit, die genutzt werden musste."

lg/AB