Janet Yellen umgeben von Zinsprozentzeichen
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Unschöne Nebenwirkungen Wehe, wenn die Fed den Geldhahn zudreht!

von Angela Göpfert

Stand: 12.12.2017, 13:30 Uhr

Die Fed dürfte am Mittwoch den Leitzins zum dritten Mal in diesem Jahr anheben. Anleger sollten das Risiko weiterer Zinsanhebungen für den Aktienmarkt besser nicht unterschätzen.

Für Volkswirte und Anleger ist die dritte Zinsanhebung der amerikanischen Notenbank in diesem Jahr bereits ausgemachte Sache: Der Leitzins wird demnach diese Woche um 25 Basispunkte auf 1,25 bis 1,5 Prozent steigen. Doch wie geht es 2018 weiter?

Hier könnte die Pressekonferenz von Janet Yellen am Mittwochabend nach der zweitägigen Sitzung des FOMC-Offenmarktausschusses Klarheit bringen. Könnte. Wird sie aber wohl nicht. Denn die gute Frau hat schon bald nicht mehr das Sagen bei der Fed. Im Februar wird sie von ihrem Kollegen Jerome Powell an der Spitze der US-Notenbank abgelöst.

Jerome Powell und Janet Yellen

Jerome Powell wird ab Februar 2018 die Geschicke der amerikanischen Geldpolitik leiten. | Bildquelle: picture alliance/AP Photo

Inflation zieht wieder an

Eines steht allerdings fest: Knackpunkt der künftigen Fed-Politik unter Jerome Powell ist die Inflationsrate. Würde sie steigen, wäre die Fed gezwungen, die Zinsen am kurzen Ende weiter anzuheben.

Zuletzt hatte sich die Inflationsrate in den USA mit 1,8 Prozent dem Fed-Jahresziel von 2,0 Prozent angenähert. Hintergrund ist gute wirtschaftliche Entwicklung.

Alle Augen auf die Wolke!

Weiteren Aufschluss über die Entwicklung des Leitzinses dürften nun die Prognosen der einzelnen Ratsmitglieder der Fed für 2018 geben, die am Mittwochabend in der sogenannten Punktewolke ("Dotplot") zeitgleich mit der Zinsentscheidung veröffentlicht werden.

"Falls die Mehrheit der Ratsmitglieder nun vier statt bislang drei Zinsschritte erwartet, sollte der US-Dollar spürbar zulegen", sagt Experte Manuel Andersch von der BayernLB.

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Zinserhöhungen als Todesstoß für Bullenmärkte

Würde die Fed im kommenden Jahr tatsächlich massiv an der Zinsschraube drehen, so ginge das an den Aktienmärkten sicherlich nicht spurlos vorüber. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Bullenmärkte sind nie an Altersschwäche, sondern an Zinserhöhungen gestorben. Die Weltwirtschaftskrise 1929 und die Finanzkrise 2008 sind zwei prominente Beispiele.

Zwischen 2004 und 2006 hat die Fed den Leitzins um 4,25 Prozentpunkte (von 1,0 auf 5,25 Prozent) erhöht. Laut Manfred Schlumberger, Co-Leiter des StarCapital-Portfoliomanagements, hat dies im Jahr 2008 zum Platzen der Immobilienblase in den USA geführt.

Bemerkenswert: Bis zu diesem Zeitpunkt stieg der US-Aktienmarkt S&P 500 um fast 50 Prozent. Tatsächlich scheinen Zinserhöhungen nur sehr stark verzögert auf die Aktienkurse zu wirken.

Die Luft wird dünner

Vor diesem Hintergrund sind Warnungen vor einem baldigen Crash infolge künftiger Zinserhöhungen zum jetzigen Zeitpunkt völlig übertrieben. Dafür müsste die Fed auf dem Zinserhöhungspfad schon wesentlich rascher und drastischer voranschreiten.

Wir befinden uns aktuell im zweitlängsten Bullenmarkt aller Zeiten. In seinem Lauf hat er all jene Investoren belohnt, die ihre Ängste und Befürchtungen unterdrückt und stur gekauft haben.

Eines ist aber auch klar: Ein Ende ist allmählich absehbar. Die Entwicklung der amerikanischen Inflationsrate wird damit zum Schlüsselthema für die Börsen im kommenden Jahr.