Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Bekämpfung der Corona-Folgen Was macht die Fed eigentlich alles?

Stand: 08.04.2020, 08:48 Uhr

Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie hat die amerikanische Notenbank billionenschwere Maßnahmen angekündigt. Am Abend wird die Fed das Protokoll ihrer letzten Zinssitzung am 15. März veröffentlichen.

Während noch Ende Februar führende Mitglieder der amerikanischen Notenbank erwarteten, dass die Corona-Pandemie keine größeren wirtschaftlichen Verwerfungen auslösen würde als eine Grippe-Epidemie, vollzogen sie bereits wenige Tage später eine Kehrtwende um 180 Grad.

Mehr noch: Es folgte eine "Bazooka" nach der anderen. So gab die Fed am Nachmittag des dritten März, eine halbe Stunde nach Handelsbeginn an der Wall Street, und völlig überraschend eine Zinssenkung bekannt. Der Leitzins wurde um einen halben Prozentpunkt auf eine Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent abgesenkt.

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Dabei war die nächste reguläre Sitzung der Notenbank, bei der über die Höhe des Leitzinses entschieden werden sollte, eigentlich erst zwei Wochen später. Doch angesichts dramatischer Probleme an den Finanzmärkten konnten die Notenbanker auch diesen Termin nicht einhalten. So verkündete die Fed bereits am Abend (Ortszeit) des 15. März die zweite Zinssenkung, um einen Prozentpunkt auf einen Korridor von 0,00 bis 0,25 Prozent.

Gigantisches Anleihekaufprogramm

Zudem beschloss die Notenbank ein Anleihekaufprogramm im Wert von 700 Milliarden Dollar. Banken gewährt sie vorübergehend Notfallkredite - wie nach der großen Finanzkrise 2008. Bereits Mitte des März hatte sie die Geldspritzen für Banken durch sogenannte Repo-Geschäfte erhöht. "Nach jedem historischen Standard war Art und Umfang dieser Maßnahmen außergewöhnlich", sagte Nathan Sheets, Chefökonom bei PGIM Fixed Income.

Die Notenbank begründete die Entscheidungen mit "höchst ungewöhnlichen Störungen auf den Finanzmärkten", die es zu beheben gelte. Dazu gehörten eine enorme Volatilität der Renditen von Staatsanleihen sowie ein Zusammenbruch der Liquidität über das gesamte Anleihen-Angebot hinweg (am stärksten bei den Papieren mit langen Laufzeiten).

Massivste Anleihekäufe ihrer Geschichte

Adler am Gebäude der Federal Reserve in Washington

Federal Reserve in Washington. | Bildquelle: Imago

Angesichts derart dramatischer Verwerfungen hat die Fed die bisher massivsten Anleihekäufe ihrer Geschichte eingeleitet. Vom 12. März bis zum 3. April habe die Notenbanken US-Schatzpapiere im Wert von einer Billion Dollar gekauft, schätzen Experten wie Christopher Jeffery vom Vermögensverwalter LGIM. Die Fed hat innerhalb von drei Wochen mehr Treasuries gekauft als in den schlimmsten zwölf Monaten nach der Finanzkrise. Damals habe die Notenbank in den zwölf Monaten bis August 2011 rund 870 Milliarden Dollar für den Ankauf von Anleihen aufgewendet, so Jeffery.

Ein paar Zahlen verdeutlichen die Bedeutung der jüngsten Maßnahmen. So hielt die Fed Ende Februar US-Anleihen und Schuldverschreibungen im Wert von zwei Billionen Dollar. Dieser Bestand hat sich innerhalb von zwei Wochen um 50 Prozent, also eine Billion, erhöht.

Tatsächlich hat sich die Bilanz der amerikanischen Notenbank infolge ihrer Maßnahmen gegen die Corona-Krise massiv aufgebläht. Wie aus Angaben der Fed hervorgeht, beläuft sich ihre Bilanzsumme mittlerweile auf 5,81 Billionen Dollar - ein einsamer Rekord. Verglichen mit einer Woche zuvor ergibt sich ein Anstieg um gut eine halbe Billion Dollar.

Verschuldungsregel gelockert

Und das ist noch nicht alles. Anfang April lockerte die Notenbank eine wichtige Verschuldungsregel für große US-Banken. Seitdem zählen US-Staatsanleihen nicht mehr zu den Vermögensgegenständen, die die großen Banken mit Kapital unterlegen müssen. Die Lockerung soll ein Jahr Bestand haben und werde den Kapitalbedarf der Banken um rechnerisch zwei Prozent verringern, so die Fed.

Mit dem Schritt soll gegen Engpässe auf dem amerikanischen Markt für Staatsanleihen vorgegangen werden. Dieser Markt ist für den ordnungsgemäßen Ablauf des amerikanischen und auch des weltweiten Finanzsystems von hoher Bedeutung. US-Staatsanleihen sind eine äußerst begehrte und liquide Anlageform, gerade in ungewissen Zeiten wie der aktuellen Krise.

Powell spricht am Donnerstag

Als weiteres Ziel der Maßnahme gibt die Notenbank deshalb an, die Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen zu stützen. In der Corona-Krise haben sowohl Unternehmen als auch private Haushalte einen hohen Bedarf an kurzfristigen Krediten, etwa um Einnahmeausfälle aufgrund Betriebsschließung oder temporärer Arbeitslosigkeit auszugleichen.

Ob die Maßnahmen ausreichen? Fed-Chef Jerome Powell will übermorgen über die Entwicklung der Konjunktur informieren. Powells Rede findet im Rahmen eines Webcasts statt, der von der in Washington ansässigen Denkfabrik Brookings Institution organisiert werde.

lg