Verzweifelter Trader vor Monitoren mit fallenden Kursen
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Dow bricht erneut ein Was ist eigentlich am Aktienmarkt los?

Stand: 09.02.2018, 08:46 Uhr

Der Dow hat am Abend schon wieder über 1.000 Punkte verloren. Dabei geht es der Wirtschaft prächtig, eine Finanzkrise ist auch nicht in Sicht. Was versetzt die Investoren denn dann so in Panik?

Zunächst kurz die Fakten: Nachdem der Dow am Montag knapp 1.200 Punkte verloren hat, geht es am Donnerstag Abend um gut 1.000 Punkte bergab. Damit hat der US-Leitindex seit seinem Höchststand am 26. Januar 10,4 Prozent verloren.

Doch warum nur? Es ist die Furcht vor der Rückkehr der Inflation und damit einer Anhebung der Leitzinsen, die die Anleger auf den Verkaufsknopf drücken lässt. Tatsächlich ist die Teuerungsrate in den Vereinigten Staaten zuletzt angezogen und über die von der Notenbank angestrebte Schwelle von zwei Prozent geklettert. Natürlich folgt daraus nicht automatisch eine Anhebung der Leitzinsen.

Beschleunigter Zinsanstieg befürchtet

Dennoch erwartet inzwischen eine steigende Zahl von Experten, dass die Fed in diesem Jahr - beginnend im März - die Leitzinsen viermal anheben wird, statt der zuvor erwarteten drei Schritte. In der Eurozone sind derlei Entscheidungen nicht zu befürchten. Hier wird die Europäische Zentralbank noch lange an der Nullzinspolitik festhalten.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Beschleunigt wurde der Ausstieg der Anleger am Abend in New York auch vom erneuten Anstieg der Renditen für amerikanische Staatsanleihen auf 2,884 Prozent und damit nur ein Tick unterhalb der am Montag erreichten 2,885 Prozent. Höhere Renditen für Staatsanleihen sind traditionell Gift für Aktienanlagen, weil sie damit an Attraktivität zulegen und als Alternative interessanter werden.

Tiefere Ursachen

Doch der Kurssturz an den Aktienmärkten hat noch tiefere Ursachen. Marktexperten zufolge haben sich die Bedingungen, die den Aufschwung der Aktienmärkte in den letzten Jahren ermöglichten, verändert. Dazu muss man kurz einen Blick zurück werfen.

Die Hausse der Aktienmärkte sei von vier Faktoren getragen worden, erklärt Vermögensverwalter Georg Graf von Wallwitz in seinem jüngsten "Börsenblatt für die gebildeten Stände". Dazu gehören...

  1. niedrige Zinsen aufgrund des Fehlens jeglichen Inflationsdrucks
  2. machten viele Unternehmen gute Gewinne
  3. profitierte die Welt von fallenden Rohstoffpreisen und einem steigenden Dollar
  4. sei die Vorsicht der Anleger nach den drei tiefen Einbrüchen an den Aktienmärkten zwischen 2001 und 2011 groß gewesen

Bild hat Risse

"Dieses Bild hat in den letzten Monaten allerlei Risse bekommen", so der Graf. Tatsächlich hat sich die Konjunktur deutlich erholt, in den USA genauso wie in Europa und Asien. Das führe zu höheren Lohnabschlüssen, die zwar prinzipiell gut sind aber zu steigenden Preisen führen könnte. Die Rohstoffpreise, allen voran die Ölpreise, sind kräftig gestiegen und dürften den Preisauftrieb weiter beschleunigen. Beides führt nun zu steigenden Zinsen, die nie gut sind für die Aktienkurse.

Gold, Öl, Industriemetalle

Gold, Öl, Industriemetalle. | Bildquelle: picture alliance / Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa, colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

Trotzdem besteht eigentlich kein Grund zur Panik, denn die Geldpolitik würde auch nach einem weiteren Anstieg der Leitzinsen akkomodierend bleiben. Fachleute sprechen von einer Normalisierung der Verhältnisse.

Derzeit liegt der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken in den USA bei 1,25 bis 1,50 Prozent. Sollte er bis Jahresende auf 2,25 bis 2,50 Prozent angehoben werden, könnte immer noch nicht von einer restriktiven Geldpolitik gesprochen werden. Auch ein drastisches Anziehen der Teuerungsrate ist vorerst nicht zu erwarten.

Ruhe bewahren

Eine Rückkehr zu den Verhältnissen in den 90ger Jahren, als die Bundesbank die Leitzinsen auf acht Prozent getrieben hatte, sind also nicht zu befürchten. Anleger sollten deshalb die Ruhe bewahren. Alle großen Firmen, die in den wesentlichen Indizes wie Dow, Nasdaq oder Dax zu finden sind, haben ein funktionierendes Geschäftsmodell und verdienen soviel Geld wie nie. Und ein Ende der guten Konjunktur, dem Treiber guter Firmengewinne, ist auch nicht in Sicht.

Die Wahrheit ist aber auch, dass die Volatilität zunächst hoch bleiben dürfte. Anleger brauchen also weiterhin starke Nerven und müssen mit Kursschwankungen von zehn Prozent auskommen. In Panik verfallen und aus dem Markt aussteigen, ist jedoch keine gute Lösung.

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Wohin geht der Aktienmarkt? Pro und Contra

Eurozeichen scheint in einem Auge auf

Pro: Gewinnaussichten
Man kann es drehen und wenden, langfristig bestimmen die Unternehmensgewinne, ob Aktien steigen oder fallen. An der Börse wird die Zukunft gehandelt, und folgt man den Ausblicken in der laufenden Berichtssaison, bleiben die Geschäftsaussichten der meisten Branchen für die kommenden Monate gut bis sehr gut, was die Kurse weiterhin unterstützt. Dabei hilft zweifellos auch die Trump'sche Steuerreform, die den amerikanischen Konzernen bis auf Weiteres sagenhafte Gewinne verheißt.

lg