Verliebtes Pärchen mit Sturm im Hintergrund

Goldlöckchen in Bedrängnis Vorsicht vor dem Valentinstag!

von Angela Göpfert

Stand: 13.02.2018, 11:53 Uhr

Hoffentlich haben Sie keine allzu emotionale Verbindung zu Ihren Aktien. Der Tag für Verliebte dürfte nämlich zum nächsten großen Test für die Aktienmärkte werden.

Am 14. Februar wird sich das Schicksal der Aktienmärkte entscheiden. Zumindest für die kurzfristige Kursentwicklung kommt den für 14:30 Uhr anstehenden amerikanischen Inflationsdaten eine ungeheure Bedeutung zu.

Ökonomen gehen davon aus, dass die Verbraucherpreise im Januar in den USA um 0,3 Prozent im Vergleich zum Dezember gestiegen sind. Selbst eine Zahl, die nur leicht über den Erwartungen liegt, könnte die Märkte erschüttern.

Von wegen Goldlöckchen…

Um das zu verstehen, müssen wir uns die Gründe für den seit nunmehr bald neun Jahren währenden Bullenmarkt nochmals vor Augen führen: moderates Wachstum, moderate Inflation, niedrige Zinsen – so sieht in der Tat das perfekte Umfeld für Investitionen aus.

Doch von diesem "Goldilocks" genannten Szenario entfernen sich die Aktienmärkte zurzeit immer weiter.

Historischer Kursverlust

Wir erinnern uns: Der nach Punkten größte Kursverlust in der Geschichte des Dow Jones, den der amerikanische Leitindex vor gut einer Woche eingefahren hat, war eine direkte Folge steigender Inflationserwartungen gewesen.

Laut dem jüngsten US-Arbeitsmarktbericht waren die Löhne im Januar so stark gestiegen wie seit mehr als achteinhalb Jahren nicht mehr.

Händler auf dem Parkett der New York Stock Exchange bedeckt mit der Hand seine Augen

Am 5. Februar war der Dow Jones um 4,6 Prozent oder 1.175 Punkte eingebrochen. | Bildquelle: picture alliance / dpa, EPA

Raus aus Aktien, rein in Anleihen

Doch warum fürchten Aktien-Anleger die Inflation so sehr? Ganz einfach: Die steigenden Inflationserwartungen schüren auch die Zinserwartungen.

An den Märkten wird nun mit einer aggressiveren Gangart der US-Notenbank Fed gerechnet. Diese dürfte die Zinsen im laufenden Jahr voraussichtlich dreimal erhöhen, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu verhindern.

Steigen aber die Zinsen, wird den Aktienmärkten Liquidität entzogen, da viele Investoren ihr Geld wieder umschichten - raus aus Aktien, rein in Anleihen.

Zinserhöhungen –wie viele dürfen es denn sein?

Laut dem Fed Watch Tool der CME Group rechnen derzeit 78 Prozent der Marktteilnehmer mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 1,5 bis 1,75 Prozent auf der nächsten Fed-Sitzung am 21. März. Bis zum Jahresende werden noch ein bis zwei Zinserhöhungen eingepreist. Aktuell rechnet jeweils rund ein Drittel der Marktteilnehmer für den Dezember 2018 mit einem Leitzins von 1,75 bis 2,00 respektive 2,0 bis 2,25 Prozent.

1929 und 2008 mahnen zur Vorsicht

Ein Blick in die Geschichte zeigt: Bullenmärkte sind nie an Altersschwäche, sondern an Zinserhöhungen gestorben. Die Weltwirtschaftskrise 1929 und die Finanzkrise 2008 sind zwei prominente Beispiele.

Zwischen 2004 und 2006 hat die Fed den Leitzins um 4,25 Prozentpunkte (von 1,0 auf 5,25 Prozent) erhöht. Das hat 2008 zum Platzen der Immobilienblase in den USA geführt.

Bemerkenswert: Bis zu diesem Zeitpunkt, also noch rund zwei Jahre lang, stieg der US-Aktienmarkt S&P 500 um fast 50 Prozent. Tatsächlich scheinen Zinserhöhungen nur sehr stark verzögert auf die Aktienkurse zu wirken.

Gebäude der FED in Washington

Die Fed - hier wird über die Zukunft der globalen Aktienmärkte entschieden . | Bildquelle: picture alliance / dpa

Crashpropheten übertreiben maßlos

Vor diesem Hintergrund sind die derzeit allgegenwärtigen Warnungen vor einem baldigen Crash und einem Ende des Bullenmarktes zum jetzigen Zeitpunkt völlig übertrieben. Dafür müsste die Fed auf dem Zinserhöhungspfad schon wesentlich rascher und drastischer voranschreiten, als es sich bislang abzeichnet.

Wir befinden uns aktuell im zweitlängsten Bullenmarkt aller Zeiten. In seinem Lauf hat er all jene Investoren belohnt, die ihre Ängste und Befürchtungen unterdrückt und bei Kursrückgängen stur gekauft haben.

Fearless Girl und Börsenbulle vor der New York Stock Exchange

Ein bisschen mutiger - so wie das "fearless girl" - könnten Anleger schon sein . | Bildquelle: picture alliance / newscom

Das Schlüsselthema für die Börse 2018

Eines ist aber auch klar: "Buy the dip" wird 2018 nicht mehr automatisch und in allen denkbaren Konstellationen funktionieren. Die Entwicklung der amerikanischen Inflationsrate ist und bleibt das Schlüsselthema für die Börsen 2018.

Privatanleger tun daher gut daran, jede Daten-Veröffentlichung mit Argus-Augen zu verfolgen. Doch bitte mit der für Langfristanleger nötigen Distanz und dem Wissen, dass Kursrückgänge auch Kaufgelegenheiten sein können.

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