Präsident der Federal Reserve Jerome Powell
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Offen für Zinssenkungen US-Notenbank ignoriert Trumps Poltern

Stand: 20.06.2019, 09:30 Uhr

Der Leitzins der Fed bleibt unverändert, die US-Notenbank hat sich aber eine Tür für Zinssenkungen offen gehalten. Fed-Boss Powell hat dem Druck des Präsidenten standgehalten. Ob Trump seinen Notenbankchef bei weiterem Nichtgefallen austauschen kann, ist übrigens umstritten.

Die amerikanischen Währungshüter haben auf ihrer Zinssitzung den geldpolitischen Schlüsselsatz am Mittwoch in der Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent belassen. Zugleich ist fast die Hälfte der Währungshüter der Ansicht, dass in der zweiten Jahreshälfte niedrigere Zinsen angemessen sein dürften. Im Mittel blieb das Führungspersonal jedoch bei der Prognose, dass das Niveau so bleiben könnte.

"Diese Entscheidung ist keine Überraschung", sagte Michael McCarthy, Chefstratege beim Handelshaus CMC Markets. Für den Aktienmarkt seien die Signale gemischt. "Wachstumssorgen sind der Grund, warum die Fed vorsichtiger wird. Während niedrigere Zinsen für Aktieninvestitionen sprechen, setzen Konjunktursorgen den Geschäften der Firmen zu."

Man ist nicht mehr "geduldig"

Im Begleittext zu der geldpolitischen Entscheidung hatte die Fed das Schlüsselwort "geduldig" gestrichen, das bislang eine anhaltende Zinspause signalisiert hatte. Fed-Chef Jerome Powell stellte jüngst eine "angemessene Reaktion" auf konjunkturelle Auswirkungen des internationalen Handelsstreits in Aussicht gestellt und damit die Tür für Zinssenkungen aufgestoßen.

Im vergangenen Jahr hob die Fed wegen der brummenden Wirtschaft den geldpolitischen Schlüsselsatz vier Mal an - zuletzt im Dezember. US-Präsident Donald Trump hatte sich massiv darüber beklagt: Er hält das Zinsniveau für "viel zu hoch". Die Währungshüter hätten zudem "keine Ahnung", twitterte er jüngst.

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Powell will bleiben

Powell signalsierte jetzt seine Bereitschaft für Zinssenkungen, falls diese notwendig werden sollten. Der wirtschaftliche Gegenwind habe zuletzt zugenommen, sagte er nach der Zinsentscheidung der Fed. Er verwies auf die Unsicherheit durch die Handelskonflikte und das nachlassende Weltwirtschaftswachstum. Es sei aber wichtig, dass die Notenbank auf jüngste Konjunkturdaten nicht überreagiere. Man wolle zunächst noch weitere Daten abwarten. Er versicherte, dass die Fed vorbereitet sei, um das Wirtschaftswachstum zu stützen.

Powell sagte ferner, dass die Inflation langsamer als zuvor erwartet steige. Er machte zugleich deutlich, dass die Ratsmitglieder noch nicht über das Ausmaß künftiger Zinssenkungen diskutiert hätten. Powell ließ an die Adresse Trumps gerichtet auch wissen, dass er seine vierjährige Amtszeit erfüllen wolle: "Ich denke, das Gesetz ist eindeutig. Ich habe ein vierjähriges Mandat und beabsichtige voll und ganz es zu erfüllen."

Donald Trump

Der Dealmaker Donald Trump findet: Die Notenbanker haben ja keine Ahnung. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Trump fühlt sich ermächtigt

US-Präsident Donald Trump geht vor dem Hintergrund seiner Kritik an der Zinspolitik der Federal Reserve einem Medienbericht zufolge davon aus, dass er grundsätzlich das Recht zu einer Ablösung von Notenbank-Chef Jerome Powell habe. Trump sei der Ansicht, er könne Powell zu einem Notenbank-Direktor im Fed-Führungsgremium degradieren, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Er habe aber derzeit nicht die Absicht dazu. Unter Experten ist umstritten, ob der Präsident Powell ablösen kann.

Die Finanzmärkte reagierten jedenfalls erfreut: An der Wall Street hatte der Leitindex Dow Jones rund ein halbes Prozent fester geschlossen. Der Euro legte ziemlich deutlich zu und die Renditen der US-Anleihen geben nach. Der Dax reagiert auf die Aussicht auf künftige Zinssenkungen mit kräftigen Kursgewinnen. Auch in Asien fühlten sich die Investoren zum Aktienkauf ermutigt.

rtr/rm/ts

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Was Ökonomen zum Fed-Entscheid sagen Galerie

Dr. Thorsten Polleit, Degussa Chefvolkswirt

Dr. Thorsten Polleit, Degussa Chefvolkswirt
"Die Fed steht unter Druck, seit US-Präsident Donald Trump bereits mehrfach die US-Geldpolitik als zu strikt angeprangert hat und auch die Besorgnisse zunehmen, eine Verschärfung des Handelsstreites zwischen den USA und China könne die Konjunkturen belasten. Unaufgeregt betrachtet empfehlen die derzeitigen harten US-Konjunkturdaten aber keine Zinssenkung. Die Fed-Entscheider werden daher vermutlich von nun an nach Gründen suchen, die Zinssenkungen rechtfertigen – und man wird sie entweder finden; und sollte die Datenlage es nicht hergeben, wird man sich vermutlich auf wachsende Sorgen um eine mögliche Konjunkturverlangsamung berufen."