Jerome Powell

Wachwechsel am Potomac River Unterschätzt der Markt die Fed?

Stand: 30.01.2018, 09:01 Uhr

Die amerikanische Notenbank trifft sich am 30. und 31. Januar zu ihrer letzten Zinssitzung unter der Präsidentschaft von Janet Yellen. Besondere Ankündigungen sind nicht zu erwarten. Dennoch könnte die Fed für Überraschungen gut sein.

Zu den größten Warnern gehört Jan Hatzius, Chefvolkswirt bei Goldman Sachs. Er sagt, die amerikanische Wirtschaft laufe so gut, dass es zu viel des Guten werden könnte. Will heißen: Die Fed müsse den guten Lauf der Konjunktur etwas abbremsen - und die Zinsen eventuell doch rascher und stärker anheben als gedacht.

So rechnet er damit, dass die Notenbank den Leitzins in den kommenden zwei Jahren insgesamt acht Mal um jeweils 0,25 Prozentpunkte erhöhen dürfte, also einmal pro Quartal. Das ist mehr, als die Aktienanleger bis jetzt erwarten und bei ihren Planungen berücksichtigen.

Kein Grund zum Ausstieg

Hatzius verweist dabei auch auf einen Mentalitätswechsel. So sei auffallend, dass keynesianisch angehauchte Notenbanker, die früher für eine sehr expansive Geldpolitik gestanden hätten, jetzt eher auf der Seite der Bremser stünden. Bemerkenswerte Aussagen, allerdings ist das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft im vierten Quartal 2017 schwächer ausgefallen als erwartet: 2,6 Prozent statt den von Volkswirten erwarteten 2,9 Prozent. Auch hatte das annualisierte Wachstum im dritten Quartal noch 3,2 Prozent betragen. Überhitzung sieht anders aus.

Ein Grund zum Ausstieg aus dem Aktienmarkt sei eine Straffung der Geldpolitik ohnehin nicht, beruhigt Hatzius. Für ihn bleiben Aktien bei der Geldanlage weiterhin die erste Wahl. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Börsen mit graduellen Zinserhöhungen leben könnten. Vergleiche man die Erträge an den Aktienmärkten mit den realen Renditen von Anleihen, sei der Abstand immer noch groß.

Jan Hatzius

Jan Hatzius, Goldman Sachs. | Bildquelle: Unternehmen

Zu starres Inflationsziel?

Von der Ratssitzung Ende dieses Monats - der letzten unter Vorsitz von Janet Yellen - sind ohnehin keine Ankündigungen zu erwarten. Eine Pressekonferenz gibt es nicht.

Es sei daher interessanter, das Umfeld der Fed zu betrachten, meint Franck Dixmier, Chef des Anleihehandels bei der Fondsgesellschaft AGI. Die Erwartung weiterer Zinserhöhungen durch die Zentralbank habe sich in den letzten Wochen nicht abgeschwächt. Dies kontrastiere deutlich mit der relativen Unempfindlichkeit, mit der die Märkte zuvor auf Aussagen der Fed in Richtung Straffung der Geldpolitik reagiert haben. Im Klartext heißt das: Eine Anhebung des Leitzinses kann die Aktienmärkte nicht schrecken.

Janet Yellen

Janet Yellen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Dabei erwarten die Anleger nicht weniger als drei Zinserhöhungen für 2018 und stützen sich dabei auf eine vielversprechende Konjunktur, sowohl aus Wachstums- als auch aus Inflationsperspektive. Schließlich sind die Inflationserwartungen in den letzten Wochen gestiegen.

Was tut Jerome Powell?

Viel spannender sei der Amtsantritt von Jerome Powell. Er folgt am 4. Februar auf Janet Yellen an die Spitze der Fed. Marktexperten wie Franck Dixmier fragen sich, ob der neue Fed-Präsident eine Debatte über die Fortführung des von Vielen als zu starr angesehenen Inflationsziels lostreten wird.

Jerome Powell und Janet Yellen

Jerome Powell und Janet Yellen. | Bildquelle: picture alliance/AP Photo

Tatsächlich verharrt die Inflation - in den USA ebenso wie in der EU - trotz der guten Konjunktur unter dem von den Notenbanken als wünschenswert erachteten Ziel von 2,0 Prozent. Von daher müsse man sich die Frage stellen, ob die zu starre Auslegung dieses Ziels nicht kontraproduktiv sei, so Dixmier.

Viele neue Fed-Gouverneure erwartet

Allerdings ist die Berufung von Jerome Powell zum neuen Fed-Chef nur die prominenteste Personalie einer ganzen Reihe von Personalentscheidungen, mit denen Donald Trump den Kurs der künftigen Geldpolitik seines Landes beeinflussen kann. Innerhalb der ersten beiden Jahre seiner Amtszeit werden insgesamt sechs der sieben Sitze des Fed-Gouverneursrats neu vergeben. Ein solcher Umbruch in den Schlüsselpositionen der Notenbank ist in der Geschichte beispiellos.

"Auch wenn Befürchtungen, es könnten unqualifizierte Personen in den Rat der Fed berufen werden, bisher widerlegt wurden, werden spürbare Veränderungen nicht ausbleiben", glaubt Gavyn Davies, einer der Gründer und Chairman von Fulcrum Asset Management. Er prophezeit der Notenbank eine Art intellektuelle Verwandlung. "Bislang rekrutierten sich die Mitglieder des Gouverneursrats aus einer Gruppe weitgehend gleichgesinnter Wirtschaftswissenschaftler. Künftig dürften das Meinungsspektrum, die akademische Expertise und die beruflichen Vorerfahrungen der Mitglieder deutlich breiter aufgestellt sein." Als Folge davon sieht Davies weniger Zurückhaltung bei Zinsentscheidungen, sprich: die Geldpolitik könnte volatiler werden.

In diesem Sinne könnte sich die allgemeine Unberechenbarkeit von Donald Trump auch auf solch sensible Bereiche wie die Geldpolitik ausdehnen. Ob die Märkte dies goutieren werden?

lg