Donald Trump
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Die Notenbank im Visier des Präsidenten Trump poltert: Springt die Fed?

von Thomas Spinnler

Stand: 19.06.2019, 06:45 Uhr

Donald Trump hat die amerikanische Notenbank wieder einmal scharf kritisiert und zu einer Zinssenkung gedrängt. Der US-Präsident treibt ein gefährliches Spiel mit der Fed. Sie läuft Gefahr, Vertrauen an den Märkten zu verspielen und als verlängerter Arm Trumps wahrgenommen zu werden.

Das Zinsniveau sei viel zu hoch, die Notenbanker haben keine Ahnung, die Geldpolitik sei lächerlich und schuld an der aktuellen Stärke des Dollar: Das einzige Problem, das Amerikas Wirtschaft habe, sei die Fed, sie sei ihre größte Bedrohung. US-Präsident Donald Trump, wie wir ihn kennen: wahnsinnig meinungsstark. Auch den Vorsitzenden der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, knöpft er sich immer mal wieder persönlich vor: "Er ist meine Wahl - und ich stimme ihm überhaupt nicht zu", sagte er unlängst in einem TV-Interview mit dem Sender ABC.

Angesichts dieser massiven Breitseiten aus dem Weißen Haus ist es kaum verwunderlich, dass sich die Akteure an den Finanzmärkten sorgen. Schließlich ist die Unabhängigkeit der Zentralbanken von politischer Mitsprache ein hohes Gut, das es zu verteidigen gilt. Die Notenbanken sollen ihre Entscheidungen ausschließlich nach ökonomischen Gesichtspunkten treffen - so jedenfalls die Idealvorstellung.

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell: Einer muss den Job ja machen. | Bildquelle: Imago

Trump-Tiraden mit Nebenwirkungen

Das hat Folgen, denn die Märkte reagieren sensibel auf das permanente Einmischen in die Geldpolitik. Und die Fed ebenso, denn sie wird darauf bedacht sein müssen alles tun, um den schädlichen Eindruck zu vermeiden, sie ließe sich von Trumps Tiraden treiben. "Der Druck von US-Präsident Trump macht den Notenbankern das Leben nicht einfacher. Schließlich soll es nicht so aussehen, als würde die Fed die Zinsen auf Wunsch des Präsidenten senken", kommentiert Milan Cutkovic, Marktbeobachter beim Brokerhaus AxiTrader.

Wie Christian Henke vom Brokerhaus IG vermutet, wäre es sogar möglich, dass die permanenten Zinssenkungsforderungen Trumps das Gegenteil bewirken und die Senkung verschoben wird: "Damit könnte der Verdacht einer Beeinflussung seitens der US-Regierung vermieden werden." Über mangelnde Spannung lässt sich angesichts des aktuellen Zinsentscheids also wirklich nicht klagen.

Und Stefan Kreuzkamp, Chief Investment Officer bei der Fondsgesellschaft DWS stellt fest: "Egal, ob die Währungshüter dem Drängen Trumps nach niedrigeren Zinsen folgen oder nicht, ihr Handeln wird nicht frei vom Verdacht sein, politisch motiviert zu sein."

Jerome Powell und höhere Zinsen Audio

B5 Börse vom 11.6: Trump vs. US-Notenbank

Zwei oder dreimal abwärts?

Allerdings ist nach Ansicht der Mehrheit der Fachleute und Fed-Beobachter mit einer Zinssenkung an diesem Mittwoch nicht zu rechnen, es wird eher von Juli ausgegangen. "Spätestens im September dürfte die Fed zur Tat schreiten. Der Zinswende werden andere folgen", meint Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner. Mittlerweile wird für dieses Jahr über insgesamt zwei Abwärtsschritte spekuliert, selbst von drei Zinssenkungen ist gelegentlich schon die Rede.  

Im vergangenen Jahr hatte die Notenbank den Leitzins vier Mal angehoben, zuletzt im Dezember auf die Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent. Die ausgezeichnete konjunkturelle Lage machte die Zinsanhebungen erforderlich. Im Augenblick scheint sich die Konjunktur etwas abzukühlen, auch hausgemachte Probleme wie der Handelsstreit mit China gelten mehr und mehr als Belastungsfaktor.    

Zinsvergleich Eurozone versus USA

Zinsvergleich Eurozone versus USA. | Bildquelle: boerse.ARD.de

Die Wirtschaft ist zu stark für eine Zinssenkung

Stefan Kreuzkamp von der DWS wirft einen Blick auf die ökonomische Fakten: "Schaut man auf das duale Mandat der Fed, nämlich Vollbeschäftigung und Preisstabilität sicherzustellen, geht zumindest vom ersten Ziel derzeit kein Handlungsbedarf aus. Die Arbeitslosenquote liegt mit 3,6 Prozent auf Rekordtief."

Bei der Preisstabilität gebe es eine Diskrepanz zwischen aktuellen Zahlen und Erwartungen. "Zwar tendierten die US-Inflationszahlen dieses Jahr etwas schwächer, doch pendelt die Kerninflationsrate bereits seit rund drei Jahren zwischen 1,7 und 2,3 Prozent. Allerdings sind die Inflationserwartungen innerhalb der vergangenen zwei Monate um fast einen halben Prozentpunkt zurückgegangen."

Sein Kollege Mark Haefele, Chief Investment Officer bei UBS Global Wealth Management, bringt es auf den Punkt: "Aus unserer Sicht sind die ökonomischen und finanziellen Bedingungen zu stark für eine Zinssenkung, obwohl die Inflationserwartungen unterhalb des Zielkorridors sind."

Federal Reserve Bank (FED) in der Zinsspirale
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boerse vor acht vom 12.06.2019: Vertrauen in die Fed ist ein hohes Gut

Das Dilemma der Fed

Die US-Notenbank stecke in einem Dilemma, lautet das Fazit der Analysten der DZ Bank. "Es liegt nicht im Interesse der Notenbanker, jegliche Leitzinssenkungsphantasie im Keim zu ersticken. Dies könnte weitergehende Rezessionsängste des Marktes heraufbeschwören." Die Fed werde aber auch nicht die Erwartungen von schnellen und kräftigen Leitzinssenkungen beflügeln wollen. "Demzufolge muss der Spagat gelingen, die Tür für eine mögliche expansivere Geldpolitik zu öffnen, ohne allzu besorgt zu klingen", lautet die Schlussfolgerung der Experten.

Twitter-Seite von Donald Trump

Twitter-Seite von Donald Trump: Hier ist immer was los. | Bildquelle: picture alliance / NurPhoto

Bisher hat kein Präsident die Unabhängigkeit der US-Notenbank so sehr attackiert wie Donald Trump. Er wird damit zu einem weiteren Faktor, der in Betracht zu ziehen ist. Aber daran, dass man gegenwärtig einen genauso scharfen Blick auf Trumps Twitter-Account wie auf die ökonomischen Daten werfen muss, hat sich die Finanzwelt eigentlich längst gewöhnt.