Donald Trump

Zollspirale des Grauens Trump – eine Gefahr für die Weltwirtschaft?

von von Thomas Spinnler

Stand: 21.08.2018, 15:02 Uhr

Heute Sanktionen gegen Russland, morgen neue Strafzölle gegen China, im November möglicherweise neue Iran-Sanktionen – zahlreiche Länder stehen auf der Abschussliste des US-Präsidenten. Nicht wenige Experten sehen in Trump ein Risiko für die globale Konjunktur.

Heute Russland, morgen China: In diesen Tagen dreht Donald Trump die Zölle- und Sanktionen-Schrauben noch einmal ein Stückchen weiter. Ab heute dürfen weder amerikanische Gasturbinen-Triebwerke, Elektronik noch Kalibriergeräte nach Russland ausgeführt werden. Sanktionen, die Trump eigentlich nicht will, zu denen er aber gezwunden ist.

Ganz anders sieht es da im Verhältnis zwischen Trump und China aus. Ab dem 23. August werden Strafzölle von 25 Prozent auf chinesische Importe im Umfang von dann insgesamt 50 Milliarden Dollar, also rund 43 Milliarden Euro, erhoben. Betroffen sind hunderte Produkte, darunter Motorräder, Traktoren, elektronische Schaltungen und Agrarbedarf. Wir wissen, was daraufhin passieren wird: China kündigte an, weitere US-Importe mit Gegenzöllen zu belegen.

Hauptsache es wird gesprochen?

Immerhin unternimmt China einen Anlauf zum Dialog. Die Regierung schickt jetzt eine Delegation unter Führung des stellvertretenden Handelsministers für Gespräche nach Washington. Solange an dieser Front miteinander gesprochen werde, sei das eine gute Nachricht, kommentierte ein Experte beim Vermögensverwalter J.P. Morgan Asset Management.

Reicht schon das Reden? Schließlich gehört mindestens Zuhören zu einem gelingenden Dialog - und meistens auch Kompromissbereitschaft zu erfolgreichem Verhandeln. Nach allem was man heute weiß, gehören diese Fähigkeiten vermutlich nicht unbedingt zu Trumps hervorstechendsten Qualitäten.    

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters dämpft Trump dann auch gleich alle Erwartungen an die Gespräche. Der US-Präsident unterstrich, dass vermutlich nicht viel dabei herauskomme. Er habe einen „langen Atem“, ließ er die Welt wissen. Den wird er vermutlich auch brauchen.

US-Präsident Donald Trump (r.) und der chinesische Präsident Xi Jinping

US-Präsident Donald Trump (r.) und der chinesische Präsident Xi Jinping: Ob Gespräche auf höchster Ebene sinnvoll wären? . | Bildquelle: picture alliance / MAXPPP

Noch wackelt China nicht

Denn zumindest bislang halten sich die ökonomischen Folgen des Konflikts für China noch in Grenzen - auch wenn die Experten von Metzler eine leichte Wachstumsverlangsamung feststellen: „Die Strafzölle belasten die chinesische Wirtschaft, die Währungsschwäche federt jedoch einen Teil dessen wieder ab“, schreibt Edgar Walk, Chefvolkswirt von Metzler Asset Management.     

Ermutigend sind für China auch frische ZEW-Konjunkturdaten. In der aktuellen Umfrage des China Economic Panel (CEP) von ZEW und der Fudan Universität (Shanghai) erholen sich die Konjunkturerwartungen nach erheblichen Rückgängen wieder. Die chinesische Wirtschaft scheine trotz des Handelskonflikts mit den USA derzeit noch recht robust zu sein. Bislang seien kaum negative Effekte auf das Wachstum zu erkennen, heißt es.

Sicherlich sind das Momentaufnahmen und die meisten Experten rechnen damit, dass sich das chinesische Wachstum, auch infolge des Handelskonflikts, verlangsamen wird. Aber das gilt nicht nur für China, sondern für die ganze Welt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte im Juli vor einer Eskalation des von Trump initiierten Handelsstreits gewarnt: Im schlimmsten Falle könnte das weltweite Wirtschaftswachstum um einen halben Prozentpunkt niedriger ausfallen, so IWF-Chefin Christine Lagarde.

Christine Lagarde, geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF)

Christine Lagarde, IWF. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Wer zuerst zuckt, verliert

Die Weltwirtschaft gleiche derzeit einem großen Pokertisch, an dem mehrere Spiele mit hohen Einsätzen gespielt würden, meint Adrien Pichoud, Chief Economist und Portfoliomanager bei SYZ Asset Management. Das wichtigste Spiel werde zwischen den USA und China ausgetragen: „Beide Seiten sind bereit, die Einsätze zu erhöhen, um die andere Partei dazu zu zwingen, Farbe zu bekennen.“

Haben die USA dabei das bessere Blatt? Noch brummt die US-Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit ist extrem niedrig, die Unternehmensgewinne sprudeln, wie die jüngste US-Berichtsaison gezeigt hat. Aber sorgenfrei sind selbst US-Experten keineswegs. Eine aktuelle Umfrage der Vereinigung für Betriebswirtschaft (Nabe) zeigt, dass mehr als 90 Prozent von 251 befragten US-Ökonomen glauben, dass die von Washington erhobenen Strafzölle auf importierte Produkte sowie Androhungen weiterer Maßnahmen „negative Folgen für die amerikanische Wirtschaft“ hätten.

US-Handelsdefizit mit China

US-Handelsdefizit mit China. | Grafik: boerse.ARD.de

„Quod licet Iovi, non licet bovi“

Ahnt Trump, dass die US-Wirtschaft das Tempo nicht halten wird? Im Reuters-Gespräch verstieg er sich zu Äußerungen über den Kurs der US-Notenbank, die Experten irritierten. Er kritisierte die straffere Geldpolitik der Fed und den Präsidenten Jerome Powell: Er sei nicht davon begeistert, dass Powell die Zinsen erhöhe.

Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer fasst zusammen: „Trump befürchtet jetzt offenbar, dass höhere Zinsen der US-Konjunktur schaden können.“ Und mehr noch, er wünscht sich, dass die Fed ihm helfe. Damit stellt er unverblümt ihre als hohes Gut geltende Unabhängigkeit in Frage und schickte so den Dollar zumindest zeitweise auf Talfahrt.

Ein Devisenhändler aus Washington meinte dazu, Trumps Fed-Kommentare sähen exakt aus wie ein Versuch das zu tun, was wir anderen vorwerfen: Durch Intervention die Abwertung der Währung herbeizuführen. „Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt“: Dass Trump so tickt, wissen wir nicht erst seit dem Gespräch mit Reuters.

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