Mann lehnt an einer Wand mit US-Flagge

Keine schönen Aussichten Treibt Trump die USA in die Rezession?

von Angela Göpfert

Stand: 04.07.2018, 06:45 Uhr

Bislang hat noch jeder republikanische US-Präsident seit 1945 während seiner Amtszeit mindestens eine Rezession erlebt. Ist jetzt Donald Trump an der Reihe? Und wie groß ist seine Mitschuld?

Die Eskalation des Handelskonfliktes der USA mit dem Rest der Welt beunruhigt die Experten in den Bankenhäusern und Universitäten. Ihre Befürchtung: Der globale Handelskonflikt könnte eine Rezession in der größten Volkswirtschaft der Welt triggern und der zweitlängsten Aufschwungphase in der Geschichte der US-Wirtschaft ein jähes Ende bereiten.

Ein Dominostein nach dem anderen

Michelle Meyer, US-Ökonomin der Bank of America Merrill Lynch, erklärt, wie die Dominosteine nacheinander fallen könnten:

Die Zölle ließen die Kosten der Unternehmen drastisch steigen. Störungen in der Lieferkette und ein sinkendes Vertrauen der Konsumenten wie Unternehmenslenker wären die Folge. Die Unternehmen würden ihre Ausgaben drastisch zurückfahren. "Das würde zu einer Rezession wie aus dem Bilderbuch führen", so die Ökonomin.

R steht für Rezession

Gelbes Schild mit Aufschrift

Als Rezession bezeichnen Volkswirte eine konjunkturelle Abschwungphase. Eine Rezession ist dadurch gekennzeichnet, dass die Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zu den Vorquartalen nicht wächst oder schrumpft (stagnierendes oder sinkendes Bruttoinlandsprodukt).

Das beunruhigt die Experten

Schießt sich Donald Trump mit seinem Verständnis von Wirtschaftspolitik also am Ende ein Eigentor? Erste frühe Warnsignale deuten tatsächlich in diese Richtung.

Im Fokus der Experten steht dabei der Markt für amerikanische Staatsanleihen. Im Normalfall werfen langlaufende Zinspapiere eine höhere Rendite ab als Kurzläufer. Schließlich gehen Anleger, die sich länger binden, auch höhere Risiken ein. Das spiegelt sich in einer steigenden Zinsstrukturkurve wider.

Verlässlicher Frühindikator

Doch steigen die Zinsen am kurzen Ende über die langfristigen Sätze, ist das ein schlechtes Omen. Die Zinsstrukturkurve ist dann negativ oder invers – diese Ausprägung gilt als Vorbote einer Rezession.

Dabei hat sich der Bondmarkt als wahrlich verlässlicher Frühindikator für eine Konjunkturflaute erwiesen: Laut einer Studie der San Francisco Fed haben die USA seit 1955 neun Rezessionen erlebt. Jedes Mal war im Vorfeld eine inverse Zinsstrukturkurve zu beobachten.

Ob sich die Aussichten für die US-Konjunktur eintrüben - der Bondmarkt weiß mehr. | Quelle: colourbox

Risiken so hoch wie seit 2007 nicht mehr

Bezogen auf die aktuelle Situation bedeutet das: Ja, wir müssen mit einer Abkühlung der Konjunktur rechnen. Nein, eine Rezession steht nicht unmittelbar bevor.

US-Zinsstruktur-Kurve

Die US-Zinsstruktur-Kurve hat sich seit Jahresbeginn extrem abgeflacht. | Bildquelle: Wellenreiter-Invest.de, Grafik: boerse.ARD.de

Zwar ist die Differenz zwischen der Rendite zwei- und zehnjähriger US-Anleihen jüngst auf 0,33 Prozentpunkte und damit den tiefsten Stand seit 2007 gefallen. Die konjunkturellen Abwärtsrisiken für die größte Volkswirtschaft der Welt sind damit so groß wie kurz vor dem Ausbruch der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise nicht mehr.

Noch kein Grund zur Panik

Doch eine flachere Renditekurve ist in einem Zinserhöhungszyklus, in dem sich die US-Notenbank Fed nun einmal gerade befindet, etwas ganz Normales. Zinserhöhungen treiben die Zinsen am kurzen Ende in die Höhe.

Erst wenn der Renditespread zwischen 2- und 10-jährigen Anleihen auf null oder darunter fällt, besteht Anlass zur Sorge, unterstreicht Marktexperte Robert Rethfeld von "Wellenreiter-Invest".

2020 ist es soweit

Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Laut einer Umfrage unter führenden US-Ökonomen durch das "Wall Street Journal" dürften die USA spätestens im Jahr 2020 in die Rezession stürzen.

Federal Reserve-Gebäude in Washington D. C.

Löst die Fed die nächste Rezession aus? . | Quelle: picture-alliance/dpa

Als Hauptgrund geben die Experten die steigenden Zinsen in den USA an. Die negativen Auswirkungen eines Handelskonfliktes oder gar Handelskrieges haben sie in ihren Schätzungen kaum bis gar nicht berücksichtigt. Eine negative Überraschung scheint somit gut möglich.

Ist es Schicksal?

Fakt ist: Eine Rezession ist ein Schicksal, dem bislang noch kein republikanischer US-Präsident seit dem Zweiten Weltkrieg entrinnen konnte. Doch im Gegensatz zu seinen Vorgängern könnte es Donald Trump besonders schwer fallen, die Rezession mit fiskalischen Maßnahmen zu bekämpfen.

US-Präsidenten und -Rezessionen seit 1945

Jeder der sechs republikanischen Präsidenten seit 1945 erlebte mindestens eine Rezession. Dwight D. Eisenhower musste sogar mit gleich drei Rezessionen fertig werden. | Bildquelle: Pimco, Grafik: boerse.ARD.de

Denn bereits heute – während die US-Wirtschaft noch expandiert – feuert Trump mit Steuersenkungen & Co. aus allen Rohren. So steigt erstmals seit 70 Jahren das Haushaltsdefizit, obwohl die Arbeitslosenquote abnimmt.

Mit anderen Worten: Kommt es in ein bis zwei Jahren tatsächlich zu einer Rezession in den USA, könnten Trump schlichtweg die Mittel ausgehen, um die Konjunktur zu stimulieren. Eine Rezession würde unter diesen Voraussetzungen einen besonders schweren Verlauf nehmen.