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"Vor Absturzgefahren in Acht nehmen" Stimmen zum Ifo-Index

Dr. Friederike Köhler-Geib

Friederike Köhler-Geib, KfW
"Die Unternehmen arbeiten sich Stück für Stück aus dem tiefen Rezessionstal heraus. Ihre Stimmung steigt zum zweiten Mal kräftig an. Der Weg zurück nach oben folgt jedoch einem schmalen Pfad, auf dem man sich trotz massiver wirtschaftspolitischer Sicherungsmaßnahmen jederzeit vor Absturzgefahren in Acht nehmen muss."

"Vor Absturzgefahren in Acht nehmen" Stimmen zum Ifo-Index

Dr. Friederike Köhler-Geib

Friederike Köhler-Geib, KfW
"Die Unternehmen arbeiten sich Stück für Stück aus dem tiefen Rezessionstal heraus. Ihre Stimmung steigt zum zweiten Mal kräftig an. Der Weg zurück nach oben folgt jedoch einem schmalen Pfad, auf dem man sich trotz massiver wirtschaftspolitischer Sicherungsmaßnahmen jederzeit vor Absturzgefahren in Acht nehmen muss."

Alexander Krüger, Chefvolkswirt Bankhaus Lampe

Alexander Krüger, Bankhaus Lampe
"Die Stimmungsaufhellung ist ein Wendesignal ohne großen Wert. Es liegt nahe, dass diese sich bessert, wenn nach dem Stillstand wieder produziert und verkauft werden darf. Die Geschäftslage hat davon aber nur wenig profitiert, nicht zuletzt wohl auch wegen der schwierigen Auftragslage und der angespannten finanziellen Situation. Dass die Erwartungen so kräftig gestiegen sind, kommt angesichts der Corona-bedingt noch bestehenden hohen Unsicherheit etwas überraschend. Und die Unsicherheit dürfte sich vorerst halten: So zeigen etwa die Ereignisse im Kreis Gütersloh, dass die Pandemie jederzeit wieder aufflammen kann."

Andreas Scheuerle, Deka Bank

Andreas Scheuerle, Dekabank
"Der konjunkturelle Tiefpunkt vom April liegt hinter uns, und der Pulsschlag der Wirtschaft steigt wieder etwas an. Die wirtschaftliche Lage beginnt sich zu normalisieren. Doch von einer Normalität sind wir noch weit entfernt. Die Coronafolgen belasten weiterhin die Wirtschaft über Maßnahmen des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz, Abstandsregeln im Handel oder Maskenpflicht.

In weiten Teilen der Welt wütet das Coronavirus mit unverminderter Stärke weiter, und eine zweite Infektionswelle in Deutschland ist jederzeit möglich. Die schwache Erholung der Ifo-Geschäftslage kündet hiervon. Aktuell überwiegt das Prinzip Hoffnung: Die Wirtschaft setzt auf die massive Unterstützung durch die Geld- und Fiskalpolitik sowie auf das Ausbleiben einer zweiten Infektionswelle."

Ulrich Wortberg, Helaba

Ulrich Wortberg, Helaba
"Die Stimmung unter den deutschen Unternehmen hat sich im laufenden Monat weiter verbessert, was mit den Lockerungen der Corona-Beschränkungen zu erklären ist. Das Schlimmste der Krise liegt hinter uns und mit der deutlichen Stimmungsaufhellung werden Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung geschürt. In diesem Zusammenhang sei auf den Anstieg der Erwartungskomponente hingewiesen. Von einer Rückkehr zur Normalität kann allerdings noch nicht gesprochen werden, denn die Indexniveaus sind weiterhin vergleichsweise niedrig."

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank

Thomas Gitzel, VP-Bank
"Nach den Lockerungsmaßnahmen herrscht allgemeine Erleichterung. Firmenlenker atmen durch. Das Wiederanfahren der Wirtschaft verspricht für das zweite Halbjahr wieder höhere Umsätze. Überschwängliche Freude kommt aber nicht auf. Der Stachel sitzt tief. Der erste Schock ist zwar überwunden, doch das wirtschaftliche Schleudertrauma macht sich jetzt richtig bemerkbar. Die deutsche Volkswirtschaft wird an den Folgen der Pandemie noch längere Zeit leiden. Bis sich die konjunkturellen Wunden schließen, können noch Jahre ins Land gehen."

Dr. Klaus Wohlrabe, Ifo-Institut

Klaus Wohlrabe, Ifo-Institut
"Wir rechnen ab dem dritten Quartal wieder mit Wachstum. Im Sommerquartal könnte es zu einem Plus von um die sieben Prozent reichen." Im zu Ende gehenden zweiten Vierteljahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt hingegen wegen der Corona-Krise im zweistelligen Bereich eingebrochen sein. "Wir haben das Tal durchschritten, den Tiefpunkt haben wir hinter uns, es geht wieder aufwärts."

Offen sei aber, wie schnell sich die Konjunktur von der schlimmsten Rezession der Nachkriegszeit wieder erhole. "Die Lage in der Industrie ist immer noch sehr schlecht – besonders in den Kernbereichen Maschinenbau, Auto, Chemie und Elektrotechnik. Die Erwartungen verbessern sich in der Industrie zwar deutlich – sie sind aber nur weniger pessimistisch und noch nicht optimistisch." Immerhin seien die Exporterwartungen deutlich gestiegen. "Die Unternehmen hoffen, dass die Öffnung bei vielen Handelspartnern das Exportgeschäft beleben wird." China etwa sei schon wieder auf einem normalen Niveau.

Nach wie vor schlecht gehe es Hotels und Gaststätten. "Sie profitieren noch nicht sehr stark vom Ende des Lockdowns", sagte Wohlrabe. "Die Leute gehen auch noch nicht Autos kaufen. Der Kfz-Einzelhandel ist noch immer unzufrieden." Besser würden die Geschäfte mit Möbeln, Einrichtungsgegenständen und Elektrotechnik. "Hier ist die Kauflaune deutlich besser."

Jens-Oliver Niklasch, LBBW

Jens-Oliver Niklasch, Landesbank Baden Württemberg
"Das Tief war im zweiten Quartal, ab dem dritten Quartal dürfte es mit den Wirtschaftsdaten kräftig aufwärts gehen." Für die Wirtschaftsleistung der Vor-Corona-Zeit dürfte es aber so schnell nicht reichen, denn es gebe noch Teilbereiche in der Wirtschaft, in denen keine Lockerung in Sicht sei. Zudem bestehe das Risiko einer zweiten Infektionswelle.

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