Container im Hafen
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Gewinnwarnungen und Auftragsflaute Steht Deutschland vor der Rezession?

Stand: 09.07.2019, 10:24 Uhr

Gewinnwarnungen wie die des Chemie-Giganten BASF, sinkende Industrieaufträge, schlechte Stimmung in Unternehmen: Die Zeichen mehren sich, dass Deutschland vor einem deutlichen Konjunkturknick steht. Kein Wunder, dass auch die Anleger verunsichert sind.

Den Dax belastet am Dienstag vor allem die Gewinnwarnung von BASF, doch sie strahlt weiter über den Leitindex hinaus. BASF erwartet einen Rückgang des operativen Ergebnisses (Ebit) von bis zu 30 Prozent. Hauptgrund ist die schwächelnde Nachfrage aus der Autoindustrie.

Industrie in der Schwächephase

Die Chemiebranche gilt als sehr konjunktursensibel, das zeigen am Montag auch die der Branchenvertreter Lanxess und Evonik, die ebenfalls im Takt mit der BASF-Aktie sinken. Für Anleger gab es in den vergangenen Tagen gleich mehrere Signale dafür, dass insbesondere in der Industrie einiges im Argen liegt. So hat am Wochenende der Schmierstoff-Hersteller Fuchs Petrolub vor noch schwächeren Ergebnissen im laufenden Jahr gewarnt. Die Aktie rutschte so deutlich ab wie die des Anlagenbauers Washtec, der seit gestern für das laufende Jahr nur noch von stagnierenden Umsätzen im laufenden Jahr ausgeht. Und Aussagen des Motorenbauers Deutz zu den aktuellen Aussichten sorgen am Dienstag für zweistellige Kursverluste.

Das Bild dünner Orderbücher setzt sich aber auch bei anderen Dax-Schwergewichten neben BASF fort. Siemens-Aktien gaben am Freitag wegen eines "unerwartet schwachen Auftragseingangs" in der Industrie nach. Und beim Industriekonzern Thyssenkrupp rechnen Analysten wie David Varga vom Bankhaus Metzler mit einer Gewinnwarnung in den kommenden Wochen.

Aufträge sacken ab

Die Rezession, die von einigen Beobachtern bereits heraufbeschworen wird, scheint in der deutschen Industrie bereits konkret zu sein. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe gingen im Monat Mai um 2,2 zurück, nachdem es zuvor zwei Monate lang eine Stagnation gegeben hatte. Zuletzt lag das Auftragsniveau um rund sieben Prozent unter dem durchschnittlichen Level des Jahres 2018.

In der Autoindustrie stellen sich die Firmen bereits auf ein Minus von einem Prozent im Neugeschäft ein. Der Verband der Maschinenbauer erwartet 2019 einen Produktionsrückgang von zwei Prozent. Viele Forschungsinstitute haben ihre Erwartung für das Wirtschaftswachstum bereits gesenkt, bei plus 0,5 Prozent liegen die Schätzungen der Bundesregierung und der EU-Kommission für das BIP (Bruttoinlandsprodukt) noch. Gut möglich, dass eine weitere Senkung der Aussichten bald ansteht.

Die Stimmung wird immer schlechter

Leere Verladedocks am Ningbo Beilun Hafen, Zhejiang, China
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Konjunktursorgen trüben die Stimmung

Die Stimmung unter den Börsen-Profis zur deutschen Konjunktur jedenfalls sinkt dramatisch: Die Anlegerstimmung in der Eurozone hat sich im Juli erheblich verschlechtert. Der vom Analysehaus Sentix erhobene Konjunkturindikator fiel um 2,5 Punkte auf minus 5,8 Zähler, wie Sentix am Montag mitteilte. Das ist der tiefste Stand seit November 2014.

"Trotz der vermeintlichen Beruhigung an den Aktienmärkten und Wiederaufnahme der Zollgespräche zwischen den USA und China geben die Lage- und Erwartungswerte nach", so Sentix-Geschäftsführer Patrick Hussy. In Deutschland ist die Lage sogar noch düsterer. Der Index sank in der größten Volkswirtschaft der Eurozone auf den tiefsten Stand seit November 2009. Hussy: "Eine Rezession in Deutschland scheint unausweichlich."

AB