Rote Ampel vor US-Flagge

Mahnende Stimmen Shutdown: Droht gar eine Rezession?

Stand: 25.01.2019, 13:08 Uhr

Seit dem 22. Dezember haben hunderttausende Staatsbedienstete in den USA keinen Lohn mehr erhalten - mit dramatischen Folgen für die Betroffenen. Doch auch der volkswirtschaftliche Schaden wächst von Tag zu Tag.

Selbst die Wirtschaftsberater von Präsident Trump vom Council of Economic Advisers (CEA) warnen vor den verheerenden wirtschaftlichen Folgen des Shutdown: Demnach drosselt die Haushaltssperre die Wachstumsrate - die im dritten Quartal 2018 bei 3,4 Prozent lag - um 0,13 Prozentpunkte pro Woche, und damit doppelt so stark wie gedacht.

Seit Beginn des Streits ging also bereits gut ein halber Prozentpunkt verloren. Sollte das so weitergehen, sagte CEA-Chef Kevin Hassett, sei ein vorübergehender Abschwung nicht auszuschließen.

2,5 Milliarden Dollar entgangen

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Andere Experten sind noch pessimistischer. Die "Torheit" des Shutdowns habe "reale Folgen" für die US-Konjunktur, schreibt Bernard Baumohl, der Chefökonom der Economic Outlook Group: Er drohe das Wirtschaftswachstum "aus der Bahn zu werfen". Die Ratingagentur Standard & Poor’s schätzt, dass der US-Wirtschaft bereits 2,5 Milliarden Dollar entgangen sind.

Deshalb könnte das Wachstum im ersten Quartal 2019 auf unter zwei Prozent fallen, warnte auch Moody's-Chefvolkswirt Mark Zandi und fügte hinzu: "Das ist Futter für eine Rezession."

Auch Jamie Dimon warnt

Auch Jamie Dimon, Vorstandschef von JPMorgan, der größten US-Bank, läutete kürzlich die Alarmglocke. Trotz der eigentlich stabilen US-Konjunktur könnte der Shutdown das Wachstum stoppen und eine Rezession auslösen. "Sollte die Haushaltssperre das gesamte erste Quartal über andauern, fällt die Wachstumsrate auf Null", so Dimon im Gespräch mit CNBC.

Zum Vergleich: Als im Herbst 2013 unter Obama die Arbeit in Teilen der Regierungsbehörden für 16 Tage zum Erliegen kam, wurde das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,3 Prozent gebremst. Der Schaden belief sich laut Ratingagenturen auf 24 Milliarden Dollar. Diesmal werde die Summe "deutlich höher liegen", erklärte ein Diplomat des Außenministeriums unter Berufung auf intern zirkulierende Kalkulationen.

Ein Viertel des Regierungsapparats betroffen

Tatsächlich trifft die Haushaltssperre zwar "nur" ein Viertel des US-Regierungsapparats, rund 800.000 Angestellte. Die Folgen bekommen aber auch zehntausende privater Zulieferer, Handwerker und andere Vertragsfirmen zu spüren, weil sie keine Aufträge mehr bekommen oder ihre Arbeit nicht mehr entlohnt werden kann.

Derweil sind gestern die Anführer der Republikaner und der Demokraten im Senat zusammen gekommen, um einen Ausweg aus der Krise zu suchen. Trump teilte mit, "sollten sie zu einer vernünftigen Vereinbarung kommen, würde ich sie unterstützen". Im zentralen Streitpunkt - der vom Präsidenten geforderten Mauer an der Grenze zu Mexiko - zeichnete sich aber keine Lösung ab.

lg