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Auch Lage in der Eurozone bleibt angespannt Sentix: Anleger sehen Deutschland in der Rezession

Stand: 09.09.2019, 11:15 Uhr

Nach Einschätzung heimischer Anleger befindet sich die deutsche Konjunktur in einer so schlechten Verfassung wie seit Anfang des Jahrzehnts nicht mehr. In der Eurozone hellt sich die Stimmung dagegen leicht auf.

Der vom Analysehaus Sentix erhobene Konjunkturindikator für die aktuelle Lage in Deutschland fiel um fünf Punkte auf minus 10,5 Zähler - der niedrigste Stand seit März 2010, wie die Investment-Beratungsfirma am Montag im Rahmen ihrer monatlichen Umfrage unter mehr als 900 Anlegern mitteilte. "Aus einem Boom ist eine Rezession geworden und es deutet bislang nur wenig darauf hin, dass es Deutschland aus eigener Kraft zurück zu Wachstum schaffen kann", sagte Geschäftsführer Manfred Hübner.

Auch das Berliner Forschungsinstitut DIW erwartet, dass Deutschland im laufenden dritten Quartal in die Rezession rutschen wird. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte demnach um 0,2 Prozent schrumpfen. "Die Industrie steckt in der Krise und zieht langsam aber sicher auch die Dienstleister mit hinein", sagte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen vor wenigen Wochen. Die Nachfrageschwäche in wichtigen Absatzmärkten belastet demnach die exportabhängige Industrie.

Bereits im Frühjahr hatte es beim BIP ein Minus von 0,1 Prozent gegeben. Bei zwei Rückgängen in Folge wird von einer Rezession gesprochen. "In Deutschland muss man inzwischen davon ausgehen, dass die Wirtschaft nicht mehr wächst", sagte Hübner.

Erwartung der europäischen Anleger hellt sich auf

In der Eurozone hat sich die Anlegerstimmung Sentix zufolge dagegen nach drei Rückschlägen in Folge etwas erholt. Das Barometer stieg um 2,6 Punkte auf minus 11,1 Zähler. Im August war der Stimmingsindikator noch auf den tiefsten Stand seit Oktober 2014 gefallen.

Dies liege an einer deutlichen Verbesserung der Erwartungswerte. Analysten hatten im September mit einer besseren Stimmungslage gerechnet. Sie waren aber nur von einem leichten Anstieg des Indikators um 0,3 Punkte auf minus 13,4 Punkte ausgegangen.

Eurozone nicht weit entfernt von einer Rezession

Manfred Hübner Sentix

Manfred Hübner, Geschäftsführer des Analysehauses Sentix. | Quelle: Unternehmen

Die Beurteilung der aktuellen Lage hat sich allerdings noch einmal eingetrübt. "Euroland bleibt damit nah an einer Rezession", so Sentix-Chef Hübner.

Tatsächlich bekommt die Wirtschaft der Euro-Zone immer mehr die Folgen des Zollstreits zwischen den USA und China zu spüren. Das BIP legte zwischen April und Juni nur noch um 0,2 Prozent zu. Damit halbierte sich das Wachstum, das zu Jahresbeginn noch bei 0,4 Prozent lag.

Wegen der Konjunkturflaute wird am kommenden Donnerstag fest mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB) gerechnet. Die US-Notenbank Fed hatte ihren Leitzins bereits Ende Juli gesenkt und steuert nach Ansicht von Finanzmarktteilnehmern auf eine weitere Zinssenkung zu.

tb/rtr/dpa-AFX