EZB-Präsident Mario Draghi bei einer Anhörung beim Europäischen Parlament in Brüssel
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Ratssitzung der EZB Sendet Draghi ein neues Signal?

Stand: 08.03.2018, 10:55 Uhr

Seit Jahresbeginn hat die EZB ihre monatlichen Anleihekäufe auf 30 Milliarden Euro halbiert. Bisher läuft das Programm bis September. Und was folgt dann? Der Markt erwartet erste Signale.

Experten dämpfen jedoch die Erwartungen. So könnte die sogenannte "Forward Guidance", mit der die Zentralbank Hinweise auf ihre künftige Geldpolitik gibt, einen kleinen Hinweis auf das absehbare Ende der EZB-Wertpapierkäufe enthalten. Eindeutige Aussagen werden dabei nicht erwartet.

Carsten Brzeski, Ökonom der ING, erwartet eine feine Änderung der Sprachregelung der EZB, um zu signalisieren, dass sie auf dem Weg in Richtung Ausstieg ist. Dabei könnte sie ihren sogenannten "Easing Bias" fallen lassen. Damit ist die Option in ihrem Ausblick gemeint, die monatlichen Anleihenkäufe notfalls erneut auszuweiten.

Angst vor einem Handelskonflikt

Denkbar ist auch, dass die Notenbank aus Vorsicht noch abwartet, bevor sie ihre Guidance anpasst. Ein Grund könnte in der aufkommenden Angst vor einem globalen Handelskonflikt liegen, ausgelöst durch die angekündigten Einfuhrzölle der USA auf Stahl und Aluminium. Hinzu kommt, dass sich die wirtschaftlichen Frühindikatoren in den vergangenen Wochen, wenngleich von hohem Niveau aus, etwas eingetrübt haben.

Nicht zuletzt spricht auch die zuletzt wieder gesunkene Inflationsrate im Eurorum für eine abwartende Haltung. Zwar ist die Wirtschaft der Eurozone im vergangenen Jahr um 2,3 Prozent gewachsen, doch hat sich die Inflation im Februar - der massiven Geldspritzen der Notenbank zum Trotz - den dritten Monat in Folge abgeschwächt. Die Teuerungsrate sank auf 1,2 Prozent von 1,3 Prozent im Januar. Sie hat sich damit weiter von dem Ziel der EZB entfernt, die als optimalen Wert für die Wirtschaft knapp zwei Prozent ansieht.

"Geduld und Beharrlichkeit"

Als Hindernis für eine baldige Korrektur der Geldpolitik gilt auch der nicht gerade europafreundliche Wahlausgang in Italien, immerhin die drittgrößte Volkswirtschaft des Euroraums. Zudem fürchten die Notenbanker auch die Reaktion der Märkte. Gerade der jüngste Einbruch der Aktienkurse in Amerika habe gezeigt, wie sensibel die Märkte inzwischen selbst auf die leisesten Signale einer restriktiveren Geldpolitik reagieren.

EZB-Gebäude in der Dämmerung

EZB-Gebäude. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Mario Draghi werde deshalb abermals "Geduld und Beharrlichkeit" einfordern, glauben viele Volkswirte. Das bedeutet, dass die Zentralbank ihre geldpolitische Normalisierung sehr langsam und vorsichtig vollziehen wird, glauben die Fachleute der UBS. Und am Leitzins, der seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegt, werde die Zentralbank in diesem Jahr ohnehin nicht rütteln - sehr zum Verdruss einiger Bundesbank-Nostalgiker aus Deutschland.

lg