Arbeitslose in Denver

Wende am Arbeitsmarkt? Riesen-Überraschung: Weniger Arbeitslose in Amerika

Stand: 05.06.2020, 17:40 Uhr

Die neueste Statistik aus Amerika sendet unerwartet positive Signale: Die Arbeitslosenquote ist überraschend gesunken. Zudem wurden zahlreiche neue Jobs geschaffen.

Das dürfte die Trump-Regierung freuen: Die Arbeitslosenquote ging von 14,7 Prozent im April auf 13,3 Prozent im Mai zurück. Das teilte das amerikanische Arbeitsministerium am frühen Nachmittag mit. Experten hatten mit einem Anstieg auf 19,8 Prozent gerechnet. Im April hatte die Arbeitslosenquote noch den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen nach dem Zweiten Weltkrieg erreicht.

2,5 Millionen neue Jobs

Wie aus einer getrennt ermittelten Umfrage hervorgeht, wurden im vorigen Monat sogar rund 2,5 Millionen Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. Ökonomen hatten hingegen mit einem Abbau von acht Millionen Jobs gerechnet. Im April waren noch extrem viele Arbeitsplätze abgebaut worden. Der Rückgang von 20,7 Millionen war der stärkste seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1939.

Die Corona-Pandemie hat den jahrelangen Boom auf dem US-Jobmarkt abrupt beendet und zu Massenarbeitslosigkeit geführt. In der vergangenen Woche stellten 1,877 Millionen Bürger einen Antrag auf staatliche Stütze. Erstmals seit Mitte März waren es damit immerhin weniger als zwei Millionen.

Trump: US-Wirtschaft zurück auf dem Wachstumspfad

US-Präsident Donald Trump beglückwünschte sich selbst auf Twitter zu dem "wirklich großartigen Job-Bericht". Auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz äußerte er sich überzeugt, dass die US-Wirtschaft damit auf den wichtigen Wachstumspfad zurückkehren werde. Die Pandemie sei nun "weitgehend" überstanden. Die pessimistischen Prognosen von Ökonomen zum Arbeitsmarkt im Mai hätten sich als "die wohl falschesten in der gesamten US-Geschichte" erwiesen.

Die Ökonomen reagierten tatsächlich verblüfft auf die Jobdaten. "Das ist eine völlige Überraschung", meinte Analyst Bernd Krampen von der NordLB. "Nach dem Kahlschlag im April und der größten Stellenstreichung in der Geschichte folgt der stärkste Beschäftigungsaufbau in der Geschichte". "Die USA scheinen schneller durch die Krise zu kommen als befürchtet", glaubt Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner. Die Lockerung der Kontaktbeschränkungen und das allmähliche Wiederanfahren der Wirtschaft habe Arbeitgeber offenbar dazu bewogen, einen Teil der entlassenen Belegschaft wieder zurückzuholen, ."Allerdings ist der Weg zurück noch weit, wurden doch im März und April zusammen über 22 Millionen Personen entlassen."

Börsen und US-Dollar ziehen an

Die nicht so schlimm wie befürchtet ausgefallenen Arbeitsmarktdaten lösten an den Finanzmärkten einen neuen Euphorie-Schub aus. Die US-Börsen eröffneten deutlich fester. Der Dax baute seine Gewinne aus und kletterte über 12.800 Punkte. Der US-Dollar wertete auf. Der Euro fiel zeitweise unter 1,13 US-Dollar.

Dax

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Trotz der Freude Trumps über den Arbeitsmarktbericht ist die US-Wirtschaft wohl noch nicht über den Berg. Volkswirt Ulrich Wortberg von der Helaba verwies darauf, dass im Mai auch die Stundenlöhne nachgaben: "Möglicherweise werden schlechter bezahlte Jobs wieder verstärkt aufgebaut. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Verbesserung am Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten fortsetzt", schrieb Wortberg in einem Kurzkommentar.

ME/ nb