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Regierung kürzt Wachstumsprognosen Rezessionsgespenst in Japan gesichtet

Stand: 18.12.2018, 08:41 Uhr

Die Befürchtungen um eine globale Konjunkturabkühlung lasten schwer auf den Weltbörsen. Und sie scheinen nicht unberechtigt zu sein, wie Aussagen der japanischen Regierung am Dienstag zeigen. Die Börsen in Fernost reagierten entsprechend.

Anleger in Asien haben am Dienstag Reißaus genommen und die wichtigsten Indizes in die Tiefe gezogen. In Tokio schloss der Nikkei-Index 1,8 Prozent tiefer bei 21.115 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index fiel um zwei Prozent auf den tiefsten Stand seit Mai 2017. Die Börsen in Chinas Metropolen Shanghai und Shenzhen gaben jeweils rund ein Prozent nach.

Wachstum fast halbiert

Nikkei 225 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Tokio SE für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
21.706,83
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Der Handelsstreit, aber auch einige Naturkatastrophen trüben die Perspektiven für die japanische Wirtschaft. Die Regierung senkte am Dienstag ihre Wachstumserwartungen deutlich nach unten. Im Fiskaljahr 2018, das im kommenden März endet, wird nur noch mit einem Plus von 0,9 Prozent gerechnet. Bisher hatte die Regierung in Tokio noch 1,5 Prozent erwartet. Im Fiskaljahr 2019 dürften es dann 1,3 Prozent sein, statt der bislang geschätzten 1,5 Prozent. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt war von Juli bis September so stark geschrumpft wie seit vier Jahren nicht mehr.

Der Blick der Volkswirte ist dabei auch auf die wichtige Volkswirtschaft China gerichtet. Der chinesische Präsident Xi Jinping sei bei seiner viel beachteten Rede zum 40. Jahrestag der Wirtschaftsreformen konkrete Antworten auf weitere Reformen schuldig geblieben, so Analyst Jonas Short vom Broker Everbright Sun Hung Kai. Damit steht für die Experten die Rolle der wichtigen Konjunkturlokomotive in der Region zur Debatte.

Auch US-Konjunktur bremst

Die Rezessionsgefahr ist derzeit der größte Ballast auch für die Finanzmärkte. In den USA schauen die Analysten seit Wochen auf eine bedrohliche Zinsstruktur: In den USA werfen kürzer laufende Staatsanleihen annähernd so viel Rendite ab wie länger laufende. In der Vergangenheit war dies oft ein Zeichen für eine deutliche konjunkturelle Abkühlung oder Rezession. Im dritten Quartal hatte die US-Wirtschaft bereits an Schwung verloren. Zwischen Juli und September stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,5 Prozent. Im Frühjahr hatte es noch zu einem Plus von 4,2 Prozent gereicht. 

Deutschland, die größte Volkswirtschaft der Eurozone, schrammt offenbar zunächst knapp an einer "technischen Rezession" vorbei. Im dritten Quartal war das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) erstmals seit dreieinhalb Jahren geschrumpft. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Experten von einer Rezession.

Die Bundesbank hat allerdings in der vorigen Woche ihre Wachstumsprognosen gesenkt. Sie erwartet für 2018 jetzt nur noch einen kalenderbereinigten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,5 Prozent. Im Juni hatte sie noch ein Plus von 2,0 Prozent geschätzt. Für nächstes Jahr wird nun ein Wachstum von 1,6 (bisher 1,9) Prozent erwartet, ebenso für 2020. Handelskonflikte, Brexit und die Krise wichtiger Schwellenländer wie der Türkei dämpfen derzeit die Nachfrage nach Waren "Made in Germany".

AB