Ein fast leerer Luftballon mit dem Zeichen der Europäischen Union liegt in einer Pfütze

EU-Prognose Rezession von "historischem Ausmaß"

Stand: 06.05.2020, 11:56 Uhr

Die EU-Kommission rechnet wegen der Corona-Krise mit einer tiefen Rezession. "Europa erlebt einen wirtschaftlichen Schock, der seit der Großen Depression ohne Beispiel ist", erklärte Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni.

Die EU-Kommission geht in ihrer Frühjahrsprognose für das Jahr 2020 von einem Einbruch der EU-Wirtschaftsleistung von 7,7 Prozent aus. Die Wirtschaft dürfte im nächsten Jahr zwar wieder anziehen, sich aber nicht vollständig erholen: Im nächsten Jahr dürfte es um 6,3 Prozent bergauf gehen, wie die Brüsseler Behörde am Mittwoch mitteilte.  

"Alle EU-Länder sind betroffen, und es wird erwartet, dass alle Länder in diesem Jahr eine Rezession erleben werden", sagte EU-Vize-Kommissionspräsident Valdis Dombrovskis. Derzeit könnte man das Ausmaß des Abschwungs durch die Folgen des Coronavirus aber nur vorläufig abschätzen. 

Ungleiche Verhältnisse

Dabei dürften sowohl die Tiefe der Rezession als auch die Stärke der anschließenden Erholung in der EU äußerst ungleich ausfallen. Dies hänge ab vom Tempo der Lockerungen der Kontaktsperren, von der Bedeutung von Dienstleistungen wie Tourismus in jedem Land und von der Finanzkraft der Staaten, unterstrich Wirtschaftskommissar Gentiloni.  

Paolo Gentiloni

Warnende Worte von EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni. | Bildquelle: imago images / ZUMA Press

"Eine solche Divergenz stellt eine Bedrohung für den Binnenmarkt und die Euro-Zone dar - dennoch kann sie durch entschlossenes, gemeinsames europäisches Handeln abgemildert werden“, warnte der Italiener.  

Österreich, Luxemburg und Deutschland haben es besser

Die Kommission erwartet, dass es Italien, Spanien, Griechenland und Kroatien mit einem Einbruch des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von jeweils über neun Prozent und Frankreich mit minus 8,2 Prozent in diesem Jahr am stärksten treffen wird. Am widerstandsfähigsten sind demnach die Volkswirtschaften Luxemburgs und Österreichs mit einem Rückgang von jeweils rund 5,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Für Deutschland rechnet die Brüsseler Behörde mit einem Absturz des BIP von 6,5 Prozent in diesem Jahr und einer Erholung von 5,9 Prozent für 2021.  

Die große Mehrheit der Mitgliedstaaten werde Ende 2021 voraussichtlich ein niedrigeres Niveau an wirtschaftlicher Aktivität aufweisen als vor Ausbruch dieser Krise, betonte Gentiloni. 

Steigende Arbeitslosigkeit

Im gesamten Euro-Raum wird der Prognose zufolge die Arbeitslosigkeit spürbar zulegen - auf 9,6 Prozent im Jahresschnitt 2020, nach 7,5 Prozent 2019. Im nächsten Jahr dürfte die Quote dann wieder auf 8,6 Prozent fallen. 

Die Inflationsrate werde 2020 auf 0,2 Prozent einbrechen und im nächsten Jahr im Schnitt bei 1,1 Prozent liegen. Damit würde sie aber immer noch deutlich unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank von 2,0 Prozent bleiben.  

ag