US-Berichtssaison 1. Quartal

Steuerreform wirkt sich aus Rettet die US-Berichtssaison den Bullenmarkt?

Stand: 13.04.2018, 13:41 Uhr

Die heute beginnende US-Bilanzsaison dürfte eine der besten der letzten Jahre werden. Doch haben die Unternehmen wirklich so gut gewirtschaftet?

Die Zahlen von JPMorgan erfreuen die Anleger, konnte die größte US-Bank ihren Gewinn in den ersten drei Monaten des Jahres um über ein Drittel steigern. Auch die Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes sowie die zahlreichen Techfirmen sind die Erwartungen hoch.

Schätzungen zufolge dürften die Ergebnisse der S&P 500-Unternehmen im ersten Quartal um 17 Prozent steigen, soviel wie seit dem ersten Quartal 2011 nicht mehr. Doch dieser starke Anstieg erklärt sich nicht allein durch die gute Geschäftsentwicklung oder gesunkene Kosten. Vielmehr werden die Renditen nach oben verzerrt durch die US-Steuerreform.

Zahlen genau anschauen

Sie ist Anfang dieses Jahres in Kraft getreten und zeigt erstmals ihre Auswirkungen auf die Bilanzen der Unternehmen. Danach ist ihr Körperschaftssteuersatz auf 21 von 35 Prozent gesunken. Gleichzeitig gibt es neue Regeln für Abschreibungen, Verlustvorträge und die steuerliche Behandlung von konzerninternen Zahlungen zwischen den USA und Auslandsgesellschaften. Die Auswirkungen auf die Konzernbilanzen sind daher unterschiedlich.

Anleger sollten sich deshalb die von den Firmen vorgelegten Zahlen genau anschauen, um zu sehen, wie hoch der Anteil der Steuerreform an den ausgewiesenen Ergebnissen war.

Geringeres Ergebniswachstum ohne Steuerreform

Analysten schätzen, dass sich die Ergebnisse der im S&P 500 notierten Firmen im ersten Quartal ohne die Steuerreform "nur" um elf Prozent verbessern würden, und nicht um 17 Prozent. Den Berechnungen zufolge hätte das Ergebnis pro Aktie 34,50 Dollar betragen, statt der nun erwarteten 36,54 Dollar je Aktie.

Verzerrt werden die Quartalszahlen vermutlich auch durch die Tatsache, dass zahlreiche Firmen die Effekte - positive wie negative - der Steuerreform bereits vorgezogen haben und in ihren Bilanzen des vierten Quartals 2017 verbucht haben. So gibt es zahlreiche Profiteure wie den Onlinehändler Amazon, den Medienkonzern Time Warner, den Pharmakonzern Pfizer oder die Bank Wells Fargo. Anderen hingegen, wie den Investmentbanken JPMorgan und Goldman Sachs entstanden milliardenschwere Belastungen.

Bronzebulle bei der Börse in New York

Wall Street Bulle. | Bildquelle: picture alliance/Ulrich Baumgarten

Bullenmarkt dürfte an Fahrt verlieren

Dieser Wirrwarr aus positiven und negativen Auswirkungen der Steuerreform dürfte sich das ganze Jahr über fortsetzen. Insgesamt schätzen US-Analysten, dass die im S&P 500 enthaltenen Unternehmen in diesem Jahr ihre Ergebnisse um 20 Prozent steigern werden, die Effekte der Steuerreform mit eingerechnet.

Fazit: Bei den US-Bilanzen ist nicht alles Gold, was glänzt. Vielmehr dürfte der Glanz in Wahrheit etwas matter ausgefallen sein als es scheint. Klar, die US-Wirtschaft brummt und die Firmen erwarten in der Mehrzahl ein zweistelliges Gewinnwachstum. Doch spätestens im kommenden Jahr dürften die Steigerungen bescheidener ausfallen.

Schon erwarten die Analysten der Bank of America, dass die Zahl der Firmen mit negativem Ausblick zunehmen wird. Noch aber überwiegen die positiven Meldungen. Für den Aktienmarkt bedeutet das: Der Bullenmarkt dürfte etwas an Fahrt verlieren.

lg