Jerome Powell und die Zinsen

Angst vor einer Abkühlung der US-Konjunktur Muss die Fed jetzt die Zinsen senken?

Stand: 04.01.2019, 11:22 Uhr

Die jüngsten Negativ-Botschaften aus der amerikanischen Wirtschaft lassen am Finanzmarkt Zweifel aufkommen, ob die US-Notenbank die Zinsen wie geplant weiter anheben wird. Erste Experten rechnen sogar damit, dass die Fed den umgekehrten Weg gehen muss.

Die Rendite der zweijährigen US-Staatsanleihen fiel am Donnerstag erstmals seit 2008 unter den derzeitigen effektiven US-Zinssatz von 2,4 Prozent. "Das ist eine große Sache", sagte Ian Lyngen, US-Zinsexperte bei BMO Capital Markets. "Der Markt sagt der Fed damit, dass sie irgendwann in den kommenden 24 Monaten nicht nur ihren Zinserhöhungskurs stoppen muss, sondern sogar aktiv mit Zinssenkungen beginnen muss."

Auch nach Daten der Fed-Beobachter der CME Group beendet die US-Notenbank ihre weitere Leitzins-Anhebung vorerst. Demnach taxieren die Finanzmärkte die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung inzwischen auf null Prozent - sowohl kurzfristig Ende Januar als auch bis Ende des Jahres.

Gleichzeitig erwartet der Markt mit einer steigenden Wahrscheinlichkeit eine leichte Senkung der Zinsen auf die Spanne von 2,0 bis 2,25 Prozent. Zwar liegt diese für das nächste Treffen der Fed lediglich bei 4,8 Prozent, bis Ende 2019 rechnen die Fed-Beobachter allerdings zu 43,1 Prozent mit einer Zinssenkung.

Sorgen über Zustand der US-Wirtschaft

Mit einer Senkung der Leitzinsen könnte die Fed einen möglichen Konjunktureinbruch abfedern. Zu dem Rendite-Rutsch und dem erneuten Kursrückgang am US-Aktienmarkt hatten zuletzt neben dem verfehlten Umsatz-Ziel von Apple, das dem iPhone-Hersteller den schlechtesten Handelstag seit 2013 bescherte, auch unerwartet schwache US-Konjunkturdaten beigetragen.

So ist der Einkaufsmanager-Index der US-Industrie auf 54,1 Punkte gefallen, nach 59,3 im Vormonat, wie aus der jüngsten Firmenumfrage des Institute for Supply Management (ISM) hervorgeht. Derart stark war das Barometer seit Oktober 2008 nicht mehr eingebrochen. Es liegt nun auf dem niedrigsten Niveau seit November 2016. Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang auf 57,9 Zähler gerechnet.

Die US-Leitindizes brachen daraufhin ein. Schon in den vergangenen Wochen standen die Märkte unter Druck, auch angesichts von Sorgen über den Zustand der US-Wirtschaft und der Angst vor einer Abkühlung der Konjunktur.

Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
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Würgt die Fed den Aufschwung ab?

Die US-Notenbank hat angesichts der bislang rund laufenden Konjunktur in den USA ihren Leitzins stufenweise angehoben, allein 2018 satte viermal. Zuletzt wurde er im Dezember auf die Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent heraufgesetzt. Die Fed selbst stellte für das laufende Jahr zwei weitere Erhöhungen in Aussicht.

An den Märkten hatten diese Szenarien bereits im Dezember für eingetrübte Stimmung gesorgt. Manche Investoren und auch US-Präsident Donald Trump fürchten, die Zentralbank könnte die amerikanische Konjunktur mit einer zu straffen Geldpolitik abwürgen. Trump hat die Fed und deren von ihm selbst nominierten Chef Jerome Powell deswegen scharf kritisiert.

Durch die mehrstufige Anhebung der Zinsen hat die US-Notenbank andererseits in der sich voraussichtlich abschwächenden Weltkonjunktur Möglichkeiten für den Notfall - im Gegensatz zur Europäischen Zentralbank. Der EZB sind angesichts ihrer anhaltenden Nullzinspolitik die Hände gebunden.

tb