Industriebrache

Autos & Co. Mega-Krise in der Industrie

Stand: 05.06.2020, 11:01 Uhr

Nach einer jahrelangen Rekordjagd hat die aktuelle Krise die deutsche Industrie mit voller Wucht getroffen. Die Unternehmen mussten den stärksten Rückgang seit Beginn der Statistik im Jahr 1991 verkraften.

Die Industrie erhielt im April 25,8 Prozent weniger Bestellungen als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Ökonomen hatten im Schnitt nur mit einem Minus von 19,7 Prozent gerechnet, nachdem es bereits im März einen starken Rückgang von 15 Prozent gegeben hatte. "Im Shutdown-Monat April hat sich der Einbruch der industriellen Auftragseingänge erwartungsgemäß noch einmal verstärkt", erklärte das Ministerium. Im Jahresvergleich brachen die Auftragseingänge im April um 36,6 Prozent ein. Hier war im Schnitt ein Rückgang von 29,7 Prozent erwartet worden.

Die Aufträge aus dem Inland gingen im April im Vergleich zum Vormonat um 22,3 Prozent zurück. Die Auslandsaufträge verringerten sich um 28,1 Prozent. Überproportional nahmen die Auftragseingänge aus der Eurozone ab, die um 30,6 Prozent sanken. In wichtigen Ländern der Eurozone wie Frankreich, Italien und Spanien wurden besonders scharfe wirtschaftliche Beschränkungen in der Corona-Krise eingeführt. Die Auftragseingänge aus dem restlichen Ausland fielen um 26,7 Prozent.

Autoindustrie am Krückstock

Besonders die Autoindustrie litt unter der Coronakrise. "Dort wurde ein Auftragsniveau erzielt, das dem des Jahres 1993 entspricht", sagte DekaBank-Volkswirt Andreas Scheuerle. Hier zeichnet sich aber ab Mai ebenfalls eine Besserung ab. Während im April praktisch keine Autos produziert worden seien, erreichte das Niveau im Mai immer knapp 40 Prozent des Vorjahresdurchschnitts, wie Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen sagte.

Daneben wurden die Hersteller von Investitionsgütern getroffen. Die Aufträge sanken um 30,6 Prozent. Bei den Herstellern von Vorleistungsgütern lag der Auftragseingang um 22,7 Prozent niedriger als im Vormonat. Im Bereich der Konsumgüter gingen die Aufträge moderater um 11,4 Prozent zurück.

"Auch wenn die Zahlen von ihrer Größenordnung her natürlich niederschmetternd sind, so ist es doch ein gutes Zeichen, dass sich der Konsumbereich so gut hält", erklärte Martin Moryson, Chefvolkswirt Europa bei der Fondsgesellschaft DWS. "Die gute Einkommensentwicklung der letzten Jahre, das Kurzarbeitergeld und auch die im Konjunkturpaket vorgesehene Mehrwertsteuersenkung, all das sollte dazu beitragen, dass die Konsumentenstimmung nicht ins Bodenlose stürzt." Die Achillesferse bleibe die starke Exportorientierung der deutschen Wirtschaft.

"Der April dürfte den traurigen Tiefpunkt der Rezession markiert haben", ergänzte Scheuerle.

Langsam nach oben

Dennoch dürfte die Erholung noch dauern. Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen rechnet im Mai lediglich mit einem leichten Anstieg der Aufträge gegenüber dem April. Er verweist auf bereits veröffentlichte konjunkturelle Frühindikatoren für den Mai. "Bremsen dürfte dabei insbesondere eine weiter äußerst schwache Nachfrage aus den anderen Euro-Ländern, wo die Lockdown-Maßnahmen häufig später und langsamer gelockert wurden als in Deutschland", schrieb Solveen.

ME/dpa/rtr