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EZB-Sitzung Mario Draghis Tanz auf dem Drahtseil

Stand: 26.10.2017, 08:12 Uhr

Vor der heutigen EZB-Sitzung steigt die Spannung: Wird EZB-Chef Mario Draghi wirklich den Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik bekannt geben? Ein Drahtseilakt für den Mann, der sich nicht gerne in die Karten schauen lässt.

Zwar erwartet kaum ein Marktteilnehmer, dass Draghi den Märkten einen konkreten Tapering-Plan wie in den USA präsentieren wird - mehrheitlich aber rechnen die meisten Experten damit, dass ab Januar zumindest das Volumen der Anleiherückkäufe gedrosselt wird.

Blick auf den Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt und den Main

Europäische Zentralbank in Frankfurt. | Bildquelle: picture alliance / dpa

In dieser Richtung hatte sich der EZB-Chef schon im Vorfeld geäußert, so dass sich das Überraschungsmoment diesbezüglich in Grenzen halten dürfte. Nicht das "Ob", sondern das "Wie" steht also am Donnerstag im Vordergrund. Hierzu schießen im Vorfeld der Ratssitzung die Gerüchte ins Kraut.

Bekanntlich kauft die EZB monatlich an den Märkten Anleihen für 60 Milliarden Euro auf. Alleine aus technischen Gründen ist aber eine Fortsetzung dieses ehrgeizigen Programms in dieser Höhe kaum mehr durchzuhalten, schreibt Analyst Christian Lips von der NordLB.

Lower for longer

Bezüglich des "Wie" werden mehrere Möglichkeiten diskutiert, wobei der Konsens eine moderatere, dafür aber länger laufende Drosselung der Käufe erwartet (lower for longer). Dabei könnte sich der Rat für eine Halbierung der monatlichen Käufe auf 30 Milliarden Euro ab Januar 2018 aussprechen, dies aber für einen relativ langen Zeitraum von bis zu neun Monaten. Im Gespräch waren zuvor auch Rückkäufe im Volumen von 40 Milliarden Euro monatlich über einen Zeitraum von sechs Monaten.

Eurozone

Europa. | Quelle: colourbox

Die wirtschaftliche Lage in der Eurozone hat sich in den vergangenen Jahren verbessert, das Risiko einer Deflation ist nicht mehr existent und die Konjunkturprognosen sind gut. Vor diesem Hintergrund ist eine Normalisierung der Geldpolitik angemessen", sagt Yves Longchamp vom Vermögensverwalter Ethenea. Doch egal, welches Tapering-Modell die EZB bevorzugen wird, weitere Lockerungsmaßnahmen dürften in jedem Fall nicht auf der Agenda stehen.

Zwischen Konjunktur, Inflation und Außenwirkung

Wie immer, wenn sich Draghi äußert, werden ihn die Märkte mit Argusaugen betrachten. Draghi dürfte sich daher trotz der erwarteten Reduzierung der Käufe weiter alle Möglichkeiten offen halten, wie das Notenbanker gerne tun. Schließlich ist die Inflationsentwicklung in der Eurozone alles andere als einheitlich und vom selbstgesteckten Ziel von zwei Prozent ist man noch weit entfernt.

Null Prozent Zinsen

Null Prozent Zinsen. | Bildquelle: boerse.ARD.de

Besonders hoch verschuldete Krisenstaaten wie Griechenland oder Italien dürften kein Interesse daran haben, dass Draghi massive Zinsfantasien lostritt, auch die Börse rechnet nicht damit. Andererseits drängen nordeuropäische Staaten, allen voran Deutschland, auf ein Ende der unbeliebten Nullzinsen, zumal dort die Inflationsraten schon deutlich höher liegen.

Bis zu einer Anhebung des Leitzinses in der Eurozone dürfte es aber noch länger dauern. Experten gehen nicht vor 2019 oder sogar 2020 davon aus. Am ehesten dürften im Zeitablauf zunächst die negativen Einlagenzinsen für Banken "angehoben" werden, ehe es zu einer Änderung des Hauptrefinanzierungssatzes, des Leitzinses, kommt.

Und schließlich dürfte Mario Draghi auch deshalb mit Vorsicht agieren, um negative Marktentwicklungen wie 2013 in den USA zu vermeiden. Bekannt unter dem Stichwort "Taper Tantrum" hatten die Märkte mit heftigen Schwankungen auf den relativ abrupten Kurswechsel der US-Notenbank unter dessen ehemaligen Chef Ben Bernanke reagiert.

Notenbanker dies- und jenseits des Atlantiks bereiten die Märkte daher mit langen Vorankündigungszeiten auf einen Wechsel der Geldpolitik vor. Ein permanenter Drahtseilakt für die Verantwortlichen. Draghi, der schon seit dem 1.11.2011 Präsident der EZB ist, dürfte diese Herausforderung aber so gut beherrschen wie kaum ein anderer.

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