IWF-Chefin Christine Lagarde

EZB hält ihr Pulver trocken Madame Lagarde schwächt die Börsen

Stand: 30.04.2020, 16:04 Uhr

Der Zauber der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde ist dahin. Auch diesmal konnte sie mit ihren geldpolitischen Ankündigungen die Finanzmärkte nicht überzeugen. Die erhoffte Ausweitung ders Notkaufprogramms blieb aus.

Zwar machte Madame Lagarde am Donnerstag nicht die "Madame Lagaffe" (ungefähr mit "Tölpel" zu übersetzen), wie bei der letzten Pressekonferenz Mitte März, als sie verkündete, die Europäische Zentralbank (EZB) sei nicht dazu da, um Renditeaufschläge zu schließen. Aber erneut blieb ihr Auftritt auf der virtuellen Pressekonferenz relativ blass. "Die EZB ist entschlossener denn je", verkündete sie am Nachmittag im EZB-Tower in Frankfurt. Der EZB-Rat sei voll und ganz bereit, den Umfang des PEPP getauften Notfall-Anleihenkaufprogramms zu erhöhen und dessen Zusammensetzung zu verändern - um so viel wie nötig und für so lange wie nötig. Doch vorerst warten die Währungshüter ab und halten ihr Pulver trocken.

"Zinssenkung durch die Hintertür"?

Nur den Banken öffnete die EZB am Donnerstag ihre Tür. Sie stellte ihnen mehrere neue Liquiditätsspritzen an, um günstige Finanzierungsbedingungen sicherzustellen. Im Kern werden die Refinanzierungskosten der Banken weiter gesenkt. Unter bestimmten Bedingungen erhalten die Banken sogar eine Art Prämie für eine hohe Kreditvergabe, weil die Refinanzierungskosten dann unterhalb des negativen Einlagensatzes der EZB liegen.

Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, sprach von "einer kleinen Zinssenkung durch die Hintertür". Banken, die ihr Kreditbuch hinreichend ausdehnen, müssten jetzt für längerfristige Liquidität von der EZB unter bestimmten Bedingungen jetzt weniger negative Zinsen zahlen. Dazu komme ein neues Liquiditätsangebot der EZB mit einem Zins von minus 0,25 Prozent. "Damit wird der Hauptrefinanzierungssatz, der unverändert bei null Prozent liegt, noch weniger wichtig für die Liquiditätsversorgung."

Ähnlich positiv äußerte sich Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW, sieht vor allem die neuen Liquiditätsspritzen positiv. "Die EZB hat noch eine volle Breitseite Liquidität auf die Märkte abgefeuert", sagte er. "Was wir jetzt haben, kommt einer weiteren Zinssenkung gleich."

Dax rutscht ab

Trotzdem hatten sich die Börsianer etwas mehr erhofft, insbesondere eine Ausweitung des Notkaufprogramms, das angeschlagenen Ländern wie Italien helfen soll. Der Dax sackte um 1,7 Prozent ab und fiel unter die Marke von 11.000 Punkten. Der EuroStoxx 50 fiel ähnlich stark. Der Euro sank nach dem EZB-Entscheid auf 1,0834 Dollar, erholte sich dann aber wieder.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1737
Differenz relativ
-0,36%
EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.980,35
Differenz relativ
-2,94%

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.681,26
Differenz relativ
-3,17%

Die von einigen erhoffte Aufstockung der Wertpapierkäufe wäre verfrüht, sagte Commerzbank-Anlagestratege Christoph Rieger. Schließlich ließen sich die Effekte der bisherigen Maßnahmen nur schwer abschätzen. Außerdem verringere sie den Druck auf die Regierungen, Hilfsprogramme aufzulegen und ihre Staaten zu reformieren.

Eurozone könnte um bis zwölf Prozent schrumpfen

EZB-Chefin Lagarde warnte vor einem massiven wirtschaftlichen Einbruch in diesem Jahr. "Die Euro-Zone ist mit einem Schrumpfen der Wirtschaft in einem Umfang und in einer Geschwindigkeit konfrontiert, die in Friedenszeiten bislang beispiellos ist", sagte die Französin. Laut Prognosen der Notenbank dürfte die Wirtschaftsleistung um fünf bis zwölf Prozent schrumpfen.

Die EZB hat in den vergangenen Wochen bereits umfangreiche Maßnahmen zur Eindämmung der wirtschaftlichen Folgen der Viruskrise beschlossen. Dazu gehören unter anderem große Liquiditätsspritzen für Banken sowie zusätzliche Käufe von Staatsanleihen und anderen Titeln bis zum Jahresende. Damit summieren sich die für dieses Jahr geplanten Anleihenkäufe inzwischen auf 1,1 Billionen Euro. Auch die Regeln für Sicherheiten, die Geldhäuser für den Erhalt von Notenbank-Krediten einreichen müssen, wurden gelockert.

Rund um den Globus sind derzeit die großen Notenbanken als Feuerlöscher gefragt, um den Kreditfluss am Laufen zu halten und sicherzustellen, dass es zu keinen Finanzierungsengpässen in Folge der Krise kommt. Die US-Notenbank Fed legte unter anderem ein 2,3 Billionen Dollar schweres Notprogramm auf und senkte die Leitzinsen auf die Spanne von null bis 0,25 Prozent.

nb