Luis de Guindos beim Treffen der Eurogruppe der Finanzminister in Brüssel
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Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos wird EZB-Vizechef

Stand: 19.02.2018, 18:36 Uhr

Da könnte bald ein anderer Wind durch die Frankfurter Hallen der EZB fegen. Mit der heutigen Nominierung des Spaniers Luis de Guindos als Vizechef werden die Karten in der Führung der Bank neu gemischt.

Denn nachdem heute die Finanzminister der Eurozone den Spanier Luis de Guindos für den Posten des Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) vorgeschlagen haben, steigen die Chancen für Bundesbank-Chef Jens Weidmann, Bankchef Mario Draghi zu beerben. Dessen Amtszeit läuft am 31. Oktober 2019 ab. Da mit de Guindos nun ein Südeuropäer Vize-Chef wird, gilt Weidmann als Vertreter der nordeuropäischen Staaten als Favorit für den Posten.

Dr. Jens Weidmann

Chancen auf den EZB-Posten? Jens Weidmann. | Bildquelle: Deutsche Bundesbank

Unter einem EZB-Präsidenten Weidmann könnten die Zinsen in der Eurozone rascher anziehen, als dies bislang an den Märkten eingepreist wird. Luis de Guindos folgt dem jetzigen Vize Vitor Constancio, der nach achtjähriger Amtszeit ausscheidet.

Die Minister der 19 Euro-Länder unterstützten bei ihrem Treffen am Montag in Brüssel die Kandidatur des spanischen Finanzministers, wie der EU-Rat mitteilte. Kurz vor Beginn des Treffens hatte Irland die Kandidatur des einzigen Mitbewerbers für den Spitzenposten zurückgezogen.

Einstimmigkeit ist notwendig

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Nach einer Entscheidung der Eurogruppe müssen am Dienstag die Finanzminister aller 28 EU-Staaten den Vorschlag billigen. Entscheiden müssen über die Personalie letztlich die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfel im März. Der 58-Jährige de Guindos ist seit Ende 2011 Spaniens Finanzminister und hat damit hautnah die Finanzkrise miterlebt, die auch sein Land in schwere Turbulenzen brachte - unter anderem als Spanien-Chef der untergegangenen Investmentbank Lehman Brothers. 2015 hatte sich der Spanier erfolglos für den Posten des Vorsitzenden der Eurogruppe beworben.

Euro zieht wieder an

Die Gemeinschaftswährung liegt nach der Entscheidung der Eurogruppe wieder etwas besser im Markt bei knapp über 1,24 Dollar. Am Nachmittag war der Euro zwischenzeitlich unter diese Marke gefallen, nachdem die EZB erklärt hatte, in der Woche zum 16. Februar am Markt Anleihen im Volumen von 5,69 Milliarden Euro gekauft zu haben.

rm/afp