Industrielandschaft mit Fabrikschornsteinen im Abendrot

Überraschend starkes Produktionsplus Lebenszeichen von der Industrie

Stand: 09.01.2020, 11:14 Uhr

Lichtblick aus der Industrie: Trotz der Handelskonflikte haben die deutschen Unternehmen im November ihre Produktion unerwartet kräftig gesteigert. Dagegen schrumpften die Exporte. Vor allem die Maschinenbauer leiden.

Waren die Rezessionsängste übertrieben? Im November haben die Betriebe ihre Gesamtproduktion so stark gesteigert wie seit Mai 2018 nicht mehr. Sie fuhren ihre Herstellung um 1,1 Prozent hoch, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Analysten hatten zwar einen Zuwachs erwartet, waren aber im Schnitt nur von einem Anstieg um 0,8 Prozent ausgegangen.

Innerhalb des Industriesektors gab es weitere Lichtblicke: So stieg die Produktion von Investitionsgütern im November um 2,4 Prozent im Monatsvergleich und die von Konsumgütern um 0,5 Prozent. In der Bauindustrie gab es gar einen Zuwachs um 2,6 Prozent. Einen Dämpfer gab es hingegen bei Vorleistungsgütern, deren Produktion um 0,5 Prozent schrumpfte.

Noch keine Trendwende

Im Oktober war die deutsche Industrieproduktion noch um ein Prozent gesunken. Das Statistische Bundesamt revidierte die Daten nach oben. Zuvor war für Oktober ein Dämpfer um 1,7 Prozent gemeldet worden.

Trotz der guten Produktionsdaten sehen Ökonomen noch kein Ende der Schwäche in der deutschen Industrie. "Die Lage in der deutschen Industrie ist nach wie vor unbefriedigend", sagte LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch. Der wichtige Wirtschaftszweig sei "weiter im Abwärtstrend", warnte Commerzbank-Analyst Marco Wagner. "Doch selbst nach einer Stabilisierung wird Deutschland nur einen sehr blutleeren Aufschwung erleben."

Exporte um über zwei Prozent gesunken

"Die Konjunkturschwäche in der Industrie ist noch nicht überwunden", betonte auch das Bundeswirtschaftsministerium. Wie schwer sich viele Betriebe vor allem mit dem Auslandsgeschäft tun, zeigen Daten zum Export. Die Ausfuhren sanken im November um 2,3 Prozent zum Vormonat und damit so kräftig wie seit April 2019 nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahresmonat betrug das Minus gar 2,9 Prozent. In den ersten elf Monaten legten die Ausfuhren lediglich um 0,7 Prozent zu. Vor allem Drittländer wie die USA und China sorgten für Impulse. Das Geschäft mit Euro-Partnern oder anderen EU-Staaten hingegen stagnierte weitgehend.

"Nach den beiden guten Vormonaten ist die Euphorie bei den Exporteuren wieder verflogen", sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Der Außenhandel dürfte die Konjunktur im Schlussquartal 2019 wohl nur leicht gestützt haben.

Zweistellige Auftragseinbußen im Maschinenbau

B5-Moderator Gabriel Wirth

B5 Börse 11.12 Uhr: Deutscher Maschinenbau unter Druck

Besonders hart traf es den deutschen Maschinenbau. Wie der Branchenverband VDA mitteilte, gab es für die Hersteller im November 15 Prozent weniger Aufträge als im Vorjahresmonat. Die Orders aus dem Ausland gingen um 14 Prozent zurück, die Inlandsbestellungen schrumpften um 15 Prozent. Eine Wende ist noch nicht in Sicht. Für 2020 rechnet der VDMA mit einem Rückgang der Produktion um zwei Prozent.

nb