Christine Lagarde

Ratssitzung der Euro-Notenbank EZB will erstmal abwarten

Stand: 10.09.2020, 15:46 Uhr

Wie erwartet hat die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer heutigen Sitzung keine weiteren Hilfsprogramme für die Wirtschaft der Eurozone beschlossen. Die Märkte reagieren kaum. Nur der Euro klettert auf neue Höhen.

Dennoch erklärten die Euro-Wächter, notfalls stehe die EZB bereit, alle ihre geldpolitischen Instrumente anzupassen. Die Notenbank hatte im Zuge des beispiellosen Konjunktureinbruchs in Folge der Corona-Krise gigantische Hilfsmaßnahmen aufgelegt. Im Juni stockte sie ihr großes Pandemie-Anleihenkaufprogramm PEPP um 600 Milliarden Euro auf 1,35 Billionen Euro auf und verlängerte die Käufe bis Ende Juni 2021.

Der Konjunktureinbruch im zweiten Quartal war etwas weniger stark ausgefallen als die EZB zunächst befürchtet hatte. Die Wirtschaft im Währungsraum war um 11,8 Prozent abgestürzt - die EZB hatte ein Minus von 13 Prozent erwartet. Für das kommende Jahr erwartet die Notenbank ein Wachstum von 5,0 Prozent, in 2022 könnten es 3,2 Prozent sein.

Bei Strategiecheck "jeden Stein umdrehen"

Zudem äußerten sich zuletzt mehrere Notenbanker zuversichtlich zu den hauseigenen Konjunkturprognosen vom Juni, die eine langsame Erholung der Wirtschaft von den Pandemie-Folgen vorhersagen.

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Zu einer möglichen Flexibilisierung des Inflationsziels wie sie die Fed kürzlich angekündigt hatte, sagte Notenbankchefin Christine Lagarde lediglich, die EZB arbeite noch an ihrer Strategie. Es sei auf diesem Weg bereits eine "enorme Menge" abgearbeitet worden, auch wenn die EZB auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie vorübergehend die Pausentaste gedrückt habe, sagte sie auf der Pressekonferenz: "Vertrauen Sie darauf, wir werden an unserer Strategie arbeiten." Es werde auf diesem Weg "jeder Stein umgedreht".

Euro wird genau beobachtet

Zur jüngsten Aufwertung des Euro sagte Lagarde, die EZB werde die Entwicklung der Gemeinschaftswährung genau beobachten und die Auswirkungen auf die Inflation bewerten, doch die Notenbank verfolge nach wie vor kein bestimmtes Kursziel. Prompt kletterte der Euro daraufhin über die Schwelle von 1,19 Dollar.

Den Leitzins beließen die Euro-Wächter auf dem Rekordtief von null Prozent. Auf diesem Niveau liegt er inzwischen seit März 2016. Auch bei den Strafzinsen für Banken gab es keine Änderungen: Der Einlagensatz bleibt weiterhin bei minus 0,5 Prozent. Ein negativer Satz bedeutet, dass Geldhäuser Zinsen zahlen müssen, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Liquidität parken. Seit vergangenem Herbst allerdings gewährt die EZB Freibeträge von den Strafzinsen, um die Banken zu entlasten.

Die Aktienmärkte reagierten kaum auf die Entscheidung der Notenbank. Für die Börse dürfte es momentan wichtiger sein, dass Fortschritte bei der Entwicklung eines Impfstoffs erzielt werden, meint Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets. Damit sei die Notwendigkeit zusätzlicher geldpolitischer Maßnahmen vorerst in den Hintergrund gerückt.

lg/rtr/dpa