EZB-Chef Mario Draghi
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Heutige EZB-Sitzung Kommt jetzt das Ende der Anleihekäufe?

Stand: 13.09.2018, 09:02 Uhr

Wenn EZB-Chef Mario Draghi am frühen Nachmittag vor die Kameras und Mikrofone tritt, dürfte er eine weitere Verringerung der Anleihekäufe verkünden. Eine Änderung des Leitzinses wird dagegen nicht erwartet.

Beobachter gehen davon aus, dass der EZB-Rat die Reduktion der Anleihekäufe ab Oktober auf 15 Milliarden Euro pro Monat formell beschließen wird. Zudem könnten die Notenbanker auch das Ende der Anleihekäufe zum Jahresende beschließen. Da Mario Draghi diese Entscheidungen aber bereits im Juni angekündigt hatte, ist nicht mit stärkeren Kursbewegungen an den Finanzmärkten zu rechnen.

Europäische Zentralbank

Europäische Zentralbank. | Bildquelle: picture alliance / dpa

EZB-Beobachter Kristian Tödtmann von der Dekabank erwartet, dass sich die EZB beim Kaufprogramm für Anleihen eine letzte Hintertür offen lässt. Er rechnet zwar auch mit dem verbindlichen Beschluss, das Volumen des Kaufprogramm ab Oktober von derzeit 30 Milliarden auf 15 Milliarden Euro pro Monat zu reduzieren. Die komplette Einstellung des Programms zum Jahresende dürften die Notenbanker aber nach Einschätzung von Fachleuten weiterhin unter den Vorbehalt eines ausreichend guten Inflationsausblicks stellen.

Zinsen bleiben unverändert

Einigkeit besteht unter den Beobachtern wiederum in der Einschätzung, dass die EZB weiterhin signalisieren wird, dass die Zinsen der Notenbank noch mindestens bis "über den Sommer 2019" auf dem aktuellen Rekordtief verharren werden. Seit mehr als zwei Jahren liegt der Leitzins auf dem Rekordtief von Null Prozent, während der Einlagensatz bei minus 0,4 Prozent verharrt. Die Geschäftsbanken der Eurozone müssen also eine Art Gebühr für ihre Einlagen bei der EZB zahlen.

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Michael Schubert, EZB-Experte der Commerzbank, erwartet außerdem, dass die Notenbanker auf ihrer ersten Sitzung nach der Sommerpause die Frage der Reinvestition gekaufter Anleihen diskutieren werden. Bisher hatte der Rat beschlossen, in der Phase der Anleihekäufe die Beträge aus fälligen Staatsanleihen nur in dem Land wieder anzulegen, in dem sie ausgegeben worden waren. Schubert vermutet, dass die EZB bis zum Jahresende beschließen wird, auf diese Einschränkung nach dem Ende der Nettokäufe zu verzichten, um kurzfristig flexibler agieren zu können.

Neue Konjunkturprognosen erwartet

Container im Hafen

Konjunktur. | Bildquelle: colourbox.de

Neben dem Zinsentscheid wird Mario Draghi auch die neuen Prognosen der Notenbank zur Konjunkturentwicklung und zur künftigen Inflation vorstellen. Zwar war die Teuerungsrate zuletzt auf das von der EZB angestrebte Niveau von zwei Prozent gestiegen. Allerdings häufen sich zuletzt die Anzeichen für ein baldiges Ende der guten Konjunktur.

So könnten sich der Handelsstreit mit den USA, die Währungsturbulenzen in einigen Schwellenländern sowie die nach wie ungeklärte Frage nach den Bedingungen des Brexit als ernsthafte Risiken für die Weltwirtschaft erweisen. Unter diesen Umständen dürften die Notenbanker in Sachen Zinspolitik zunächst weiter die Füße still halten - sehr zum Ärger der deutschen Sparer.

lg/dpa-AFX