Helikopter mit EZB-Schriftzug vor Fünfhunderteuro-Scheinen

Wirtschaft trübt sich ein Kommt bald das Helikopter-Geld?

Stand: 15.02.2019, 15:31 Uhr

In der Eurozone mehren sich die Anzeichen für eine Verschlechterung der Konjunktur - auch und gerade in Deutschland. Was könnte die EZB im Fall einer Rezession tun?

Nach Ansicht von Experten bleibt der EZB angesichts der exakt auf Null gesenkten Leitzinsen nur eine Möglichkeit, um im Fall einer scharfen Rezession den Eurostaaten zu Hilfe zu eilen: ein neues milliardenschweres Kreditprogramm für die Banken, im Jargon TLTRO (Targeted Longer-Term Refinancing Operations) genannt. Schon für die Sitzung Anfang März rechnen die meisten Analysten mit einem neuerlichen derartigen Schritt.

Erstmals waren solche Kredite im Juni 2014, dann noch einmal im März 2016 vergeben worden - mit mäßigem Erfolg. Mark Dowding, Co-Leiter für entwickelte Märkte bei BlueBay Asset Management, erwartet deshalb, dass Notenbank-Chef Mario Draghi auf der März-Sitzung ein deutlich größeres TLTRO-Programm vorstellt, als es der Markt derzeit erwartet. "Denn Draghi möchte nicht den Eindruck erwecken, die Währungspolitik habe ihre Wirksamkeit verloren."

Coeuré bringt Kredite ins Spiel

Nach der Anpassung der Wachstumsaussichten könnte nun die Zeit reif sein, die Maßnahmen zu forcieren, so Dowding. Sollte die EZB also im März die Märkte deutlich überraschen, wären die Banken die größten Profiteure.

Neuen Auftrieb erhielten diese Spekulationen am Freitag von den Aussagen des scheidenden EZB-Chefvolkswirts Benoît Coeuré. Er sagte, die wirtschaftliche Abkühlung der Eurozone sei stärker und breiter angelegt die Notenbank erwartet hatte.

Deshalb kann sich der Franzose auch eine Neuauflage der Langfristkredite für die Geschäftsbanken vorstellen. Solche Darlehen sein möglich, sagte er am Freitag auf einer Veranstaltung in New York.

Selbst Helikoptergeld ist möglich

Schon können sich Experten auf längere Sicht auch vorstellen, dass die EZB die extremste aller geldpolitischen Waffen ziehen könnte: Helikoptergeld. Die europäische Denkfabrik Bruegel forderte jüngst, die EZB müsse auch Instrumente in Betracht ziehen, die selbst während der Finanzkrise nicht zum Einsatz gekommen seien, und nannte explizit das Helikoptergeld, also direkte Geldinjektionen der Notenbank in die Wirtschaft.

"Helikoptergeld ist machbar und wahrscheinlicher, als sich viele vorstellen können", sagt auch der frühere EZB-Ökonom und heutige Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher. Er rechnet jedoch nicht damit, dass das Konzept in nächster Zeit umgesetzt wird und wenn dann auch nur im Fall einer schweren Krise.

lg