Rotes Prozentzeichen mit Minzsvorzeichen

Das letzte Tabu der Fed Kommen in den USA auch bald Negativzinsen?

Stand: 13.05.2020, 15:59 Uhr

Was in der Schweiz, in Japan und teilweise im Euroraum schon gilt, könnte auch bald in den USA zur Realität werden: Negativzinsen. Noch will Fed-Chef Jerome Powell an diesem Tabu nicht rütteln. Wie lange noch?

An den Börsen spekulieren die Investoren zunehmend darauf, dass die US-Währungshüter im Laufe des Jahres den Leitzins unter null Prozent senken. "Negative Zinsen sind möglich", sagt etwa Fondsmanager Akira Takei vom Investmenthaus Asset Management One. Eine solche Geldpolitik würde aus seiner Sicht Einkommen effektiv umverteilen. Finanzmittel würden wegfließen von denjenigen, die jahrelang von der Kreditvergabe profitierten, und hin zu denen gelangen, die nun in der Krise Kredite aufnehmen müssten.

Wahrscheinlichkeit gestiegen

In den letzten Tagen ist die Wahrscheinlichkeit auf die Einführung von Negativzinsen in den USA deutlich gestiegen. "Das hat sich von einer theoretischen Angelegenheit zu einer klaren Möglichkeit hinentwickelt", sagt Michael Purves, Chef des Beraterhauses Tallbacken Capital Advisors. Nach Daten der Bank of America liegt basierend auf den Optionskursen für US-Zinsswaps die Wahrscheinlichkeit inzwischen bei 23 Prozent, dass der US-Leitzins bis Dezember auf unter null Prozent gesenkt wird. Vor einer Woche waren es lediglich neun bis zehn Prozent gewesen.

Fed-Chef lehnt Minuszinsen ab

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell. | Bildquelle: Imago

US-Präsident Donald Trump hat die Währungshüter mehrfach aufgefordert, Negativzinsen einzuführen. Noch stemmt sich Notenbank-Chef Jerome Powell gegen dieses Ansinnen. Er sieht Minuszinsen skeptisch. Diese würden der Wirtschaft wahrscheinlich nicht helfen, sagte er im März. Am Mittwoch äußerte er sich in einem Webcast nicht zum Thema. Eine Reihe hochrangiger US-Währungshüter pflichtete dieser Einschätzung bei. Sie befürchten insbesondere Turbulenzen an den Kreditmärkten, sollte der Schlüsselzins auf unter null Prozent fallen. Die Fed hat ihren Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld bereits auf die Spanne von null bis 0,25 Prozent gesenkt und umfangreiche Unterstützungsprogramme für die Wirtschaft in Billionenhöhe aufgelegt.

Zeichen der Schwäche?

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Viele Investoren unterstützen Powells Kurs. "Die Einführung von Negativzinsen in den USA würde mehr Verwerfungen verursachen als in Japan oder in Europa", sagt Ayako Sera, Marktstratege bei der Sumitomo Mitsui Trust Bank in Tokio. In den USA seien die Unternehmen für ihre Finanzierung auf die Kreditmärkte angewiesen. Negative Zinsen würden aber die Kursbildung für viele Wertpapiere durcheinanderwirbeln. John Praveen, Portfolio-Manager beim Vermögensverwalter QMA, führt noch einen anderen gewichtigen Grund an. Falls die Fed entscheiden sollte, negative Sätze einzuführen, könne das als Zeichen gewertet werden, dass ihr die Munition ausgehe. "Das ist ganz klar nicht der Fall."

Schon jetzt leidet der US-Dollar unter den Negativzins-Spekulationen. "Die Fed muss sich deutlich gegen Negativ-Zinsen aussprechen, sonst könnte sich das Ganze zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung entwickeln", warnte Marktbeobachter Neil Wilson vom Online-Broker Markets.com am Mittwoch.

Japan, Schweiz und Eurozone bereits im Negativ-Bereich

Negativzinsen gelten in der Geldpolitik als unkonventionelles Instrument, um in Krisenzeiten die Kreditvergabe der Banken an die Wirtschaft anzuschieben. Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte 2014 erstmals ihren Einlagensatz auf unter null Prozent. Aktuell liegt er bei minus 0,5 Prozent. Ein negativer Satz bedeutet, dass Geldhäuser Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Liquidität parken. Der Gedanke dahinter: Sie sollen stattdessen die Gelder nutzen, um mehr Kredite an Unternehmen und Haushalte auszureichen. Auch in Ländern wie Japan und der Schweiz nutzen die Notenbanken dieses Instrument.

nb