Verzweifelter Trader vor Monitoren mit fallenden Kursen
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Langsameres Wachstum erwartet IWF warnt vor Schuldenberg

Stand: 09.10.2019, 10:19 Uhr

Aufgrund der anhaltenden Handelskonflikte erwartet der Internationale Währungsfonds für dieses Jahr eine weltweite Wachstumsdelle. Auch für die Folgejahre will der IWF seine Prognosen senken. Die Experten sorgen sich nicht zuletzt um die wachsende weltweite Verschuldung.

Die Welt befände sich derzeit in einer Phase der "gleichzeitigen Abschwächung", sagte die neue IWF-Chefin Kristalina Georgiewa am Dienstag in Washington. Der IWF erwarte ein "langsameres Wachstum in fast 90 Prozent der Welt". Die Experten rechnen mit dem schwächsten Wachstum seit Beginn des Jahrzehnts.

Im Krisenfall ist weltweit koordiniertes Handeln gefragt

"Falls sich die globale Wirtschaft stärker abschwächt als erwartet, könnte es eine koordinierte fiskalpolitische Antwort brauchen", so Georgiewa.

Wenn eine weltweite Rezession einträte, stünden laut Berechnungen des IWF Unternehmenskredite von 19 Billionen US-Dollar weltweit im Feuer. Der Schuldenberg im internationalen Finanzsystem sei größer als noch vor der Finanzkrise. Seitdem hat sich der Schuldenberg fast verdoppelt.

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Börse 07.45 Uhr: IWF warnt vor Schuldenberg

In seiner letzten Wirtschaftsprognose Ende Juli war der IWF für dieses Jahr noch von einem, um 0,1 Prozentpunkte schwächeren globalen Wachstum von 3,2 Prozent ausgegangen. Der IWF will die aktualisierte Wirtschaftsprognose laut seiner Chefin am kommenden Dienstag gemeinsam mit der Weltbank vorstellen.

Deutschland müsse schon jetzt deutlich mehr investieren

IWF-Chefin Kristalina Georgieva

Kristalina Georgieva. | Bildquelle: Imago

Die IWF-Chefin hat die Bundesregierung zu deutlich verstärkten staatlichen Investitionen aufgerufen. Volkswirtschaften wie Deutschland mit Spielräumen in den Haushalten sollten mittels "fiskalischer Feuerkraft" die Wirtschaft stimulieren. Verstärkte Investitionen in den Bereichen Infrastruktur, Forschung und Entwicklung würden dazu beitragen, "die Nachfrage und das Wachstumspotenzial" anzukurbeln, betonte Georgiewa. Auch die Niederlande und Südkorea wurden zu stärkeren Investitionen aufgerufen.

Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute gehen in ihrer jüngsten Prognose nur noch von einem Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr von 0,5 Prozent aus. In ihrem Frühjahrsgutachten hatten sie noch mit 0,8 Prozent gerechnet. Auch für 2020 schraubten die Experten ihre Prognose deutlich von 1,8 auf 1,1 Prozent herunter. Das langsame Wachstum resultiere aus einer "Industrie in der Rezession".

Handelskonflikte blockieren Wachstum

USA-China

USA-China. | Bildquelle: colourbox.de

In der Vergangenheit sei viel über die Gefahr von Handelskonflikten gesprochen worden, erklärte die IWF-Chefin. "Jetzt sehen wir die tatsächlichen Auswirkungen", sagte die 66-jährige Bulgarin. Allein der Handelskonflikt zwischen den beiden größten Volkswirtschaften - USA und China - könnte die Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr um bis zu 700 Milliarden US-Dollar senken, warnte Georgiewa unter Berufung auf aktuelle IWF-Prognosen. Es bestehe das "ernsthafte Risiko", dass der Konflikt auch bald negative Auswirkungen bei Dienstleistungen und Verbrauchern habe. "In einem Handelskrieg verliert jeder", sagte Georgiewa und forderte beide Parteien auf, sich zu einigen.

ms/rtr/dpa-AFX