ZEW-Konjunkturindex Juli 2018: -24,7
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ZEW-Index trübt sich ein Immer schlechtere Stimmung

Stand: 10.07.2018, 11:31 Uhr

Im Juni waren die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten auf den niedrigsten Stand seit knapp sechs Jahren gefallen. Jetzt ist die Laune vollends in den Keller gerauscht.

Das vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelte Barometer für die Konjunkturerwartungen sackte im Juli um 8,6 Zähler auf minus 24,7 Punkte ab - der niedrigste Wert seit August 2012. Damit wird der langjährige Durchschnitt von 23,2 Punkten erheblich unterschritten. Seit Anfang des Jahres sind die Erwartungen um satte 45,1 Punkte gesunken.

Auch die gegenwärtige Lage schätzen die Experten erneut schlechter ein als zuletzt. Der ZEW-Index sank um 8,2 Punkte auf 72,4 Punkte. Volkswirte hatten 78,1 Zähler prognostiziert.

Handelskonflikt hinterlässt Spuren

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ARD-Börse: ZEW-Index - Stimmung an der Börse im Keller

Die jüngste Umfrageperiode sei von größeren politischen Unsicherheitsfaktoren geprägt gewesen, so das ZEW. "Vor allem die Befürchtung einer Eskalation des internationalen Handelskrieges mit den Vereinigten Staaten belastet den konjunkturellen Ausblick", erläutert ZEW-Präsident Achim Wambach. Die positiven Neuigkeiten zur Industrieproduktion, den Auftragseingängen sowie zum Arbeitsmarkt seien von den befürchteten Auswirkungen auf den Außenhandel deutlich überkompensiert worden.

"Mit der Veröffentlichung verdichten sich einmal mehr die Hinweise, dass die konjunkturelle Dynamik in Deutschland an Schwung verliert", meint Patrick Boldt, Volkswirt bei der Helaba. Größter Belastungsfaktor sei der Handelskonflikt.

Dax bleibt gelassen

Der Dax reagierte kaum auf die sich weiter eintrübende Stimmung der Finanzexperten. Der Euro setzte allerdings seine Talfahrt fort und stürzte bis auf 1,171 Dollar. Denn mit dem schwächeren konjunkturellen Ausblick lassen auch die Inflationserwartungen deutlich nach.

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Jeden Monat befragt das ZEW 207 Analysten und Anleger zu ihren Konjunktureinschätzungen. Die Umfrage ist neben dem Ifo-Index einer der wichtigsten Frühindikatoren in Deutschland.

lg

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Stimmen zum ZEW-Index "Die Dynamik verliert an Schwung"

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank:
"Der ZEW-Index spiegelt das aktuell schwierige deutsche-amerikanische Verhältnis wider. Die prognostische Kraft für das bevorstehende Wirtschaftswachstum gerät in den Hintergrund. Dabei droht der deutschen Wirtschaft kein jäher konjunktureller Absturz. Die deutschen Auftragseingänge für den Mai zeigten sich wieder erholt. Gegenüber dem April gingen die Neuaufträge nach oben. Auch die Industrieproduktion überraschte positiv. Das sind gute Signale für den weiteren Konjunkturverlauf. Da die Unternehmen in Anbetracht günstiger Finanzierungskondition mehr investieren und auch der Wohnungsbau floriert, wird die deutsche Wirtschaft im zweiten Halbjahr Kurs halten. Die Wette gilt: Eskaliert der Handelsstreit nicht weiter, wird der ZEW-Index im August deutlich besser ausfallen."