Ifo-Geschäftsklimaindex Januar 2020

Stimmung erneut verschlechtert Ifo-Index: "Verhaltener Start"

Stand: 27.01.2020, 10:12 Uhr

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich zu Jahresbeginn überraschend eingetrübt. Als Belastung erweisen sich die Dienstleister und das Baugewerbe.

Wie das Münchner ifo-Institut mitteilte, fiel das von ihm erhobene Geschäftsklima im Januar um 0,4 Punkte auf 95,9 Zähler. Analysten hatten dagegen mit einem Zuwachs gerechnet. Im Mittel wurde ein Anstieg auf 97,0 Punkte erwartet.

"Die deutsche Wirtschaft startet verhalten ins neue Jahr", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Firmenchefs beurteilten ihre Aussichten skeptischer, aber ihre Geschäftslage günstiger als zuletzt.

Lichtblicke in der Industrie

Im Verarbeitenden Gewerbe gebe es Zeichen der Erholung, betonte das Ifo. Hier habe sich das Geschäftsklima deutlich verbessert. "Der große Lichtblick ist die Industrie", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe der Nachrichtenagentur Reuters. Der wichtige Wirtschaftszweig arbeite sich langsam aus der Krise heraus.

Das treffe vor allem auf die chemische Industrie und die Hersteller elektrischer Ausrüstungen zu und weniger auf die Autobauer. Die Unsicherheit habe in den vergangenen zwei, drei Monaten nachgelassen - etwa weil es nun mehr Klarheit beim Brexit und ein erstes Handelsabkommen zwischen den USA und China gebe. "Auch die Nachfrage hat zugelegt", sagte Wohlrabe.

Vorsichtig optimistisch

"Das gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus." Der exportabhängigen Industrie hatten 2019 die schwächere Weltkonjunktur, Handelskonflikte und Brexit-Chaos zu schaffen gemacht. Keine Rolle spiele derzeit die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in China. "Das ist bislang noch ohne Folgen für die deutsche Wirtschaft", sagte Wohlrabe. Auch die Iran-Krise, die zwischenzeitlich zu einem deutlichen Anstieg der Ölpreise führte, habe bislang keine negativen Folgen für die Konjunktur. "Die Lage dort ist nicht eskaliert."

Auch die Bundesbank erkennt inzwischen Anzeichen für ein Ende der Talfahrt der deutschen Industrie. Die Notenbank geht davon aus, dass die gesamte Wirtschaftsleistung Ende 2019 weitgehend stagnierte, nach einem Mini-Wachstum von 0,1 Prozent im dritten Quartal. Das Ifo rechnet damit, dass die Konjunktur Anfang 2020 um 0,2 Prozent zulegen könnte.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.617,19
Differenz relativ
-0,20%
Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1649
Differenz relativ
-0,08%
Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.858,30
Differenz relativ
-0,27%

"Vor schwierigem Jahr"

Im Servicesektor trübte sich die Stimmung laut Ifo spürbar ein, vor allem wegen "merklich zurückhaltendere Erwartungen" der Unternehmen. "Offenbar hat die Schwäche der Industrie mit Zeitverzug auch die Dienstleister erreicht", sagte LBBW-Chefökonom Uwe Burkert. "Alles in allem zeigt es, dass wir vor einem schwierigen Jahr stehen."

Im Handel zog das Geschäftsklima an. Dies war aber nur auf den Großhandel zurückzuführen. Die Einzelhändler äußerten sich zurückhaltender. Im lange boomenden Bauhauptgewerbe hat sich der Index verschlechtert. "Die Einschätzungen zur aktuellen Lage fielen auf den niedrigsten Stand seit Juni 2018", erklärte das Ifo.

Anleger sind enttäuscht

Besonders spürbar ist der Ifo-Indikator im Dienstleistungssektor gefallen. Dies war auf merklich zurückhaltendere Erwartungen der Unternehmen zurückzuführen. Mit ihrer aktuellen Lage waren sie hingegen etwas zufriedener.

Die Anleger reagierten enttäuscht auf das Ifo-Barometer. Der Dax rutschte auf ein Tagestief von 13.333 Punkten. Auch der Euro ging am Vormittag in die Knie und fiel auf 1,1016 Dollar.

lg